Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495754
Ueber den Kölner Dom. 
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Nennung des Baumeisters an dieser Stelle kann wohl nur zur charakteri- 
stischen Bezeichnung des Hauses geschehen sein; dasselbe musste somit 
in seiner äusseren Erscheinung etwas individuell Eigenthümliches, Bedeut- 
sames haben, der Architekt somit als ein Künstler von eigenthümlicher 
Richtung und Bedeutung bekannt sein. Nehmen wir ihn und den Dom- 
baumeister als Eine Person, so haben wir hierin wenigstens die Andeutung, 
dass der letztere nicht bloss als Werkmeister, sondern auch als erfinden- 
der Künstler ausgezeichnet war. Leider fehlt das Datum der Urkunde, und 
der Verfasser bemerkt nur, dass sie „demselben Zeitraume" angehöre; ist 
sie in der That völlig gleichzeitig, so scheint die Identität beider Meister 
ausser Zweifel, da man, hätten zwei ausgezeichnete Architekten desselben 
Namens zu gleicher Zeit in derselben Stadt gelebt, gewiss einen jeden von 
ihnen auf unterscheidende Weise bezeichnet haben würde. Ferner erhal- 
ten wir näheren urkundlichen Aufschluss über den räthselhaften Gerhard 
von St. Trond (bei Lüttich), der seit Wallrafs Zeit in der Kunstgeschichte 
spukt, indem man auch ihn mit dem Dombaumeister Gerhard identiiicirte, 
ohne doch die Gründe für diese Annahme vorzulegen. Der Verfasser weist 
nach, dass dieselbe ganz aus der Luft gegriffen ist_ und sogar sehr erheb- 
liche Gründe gegen sich hat; wir sind ihm für dies Ergebniss sehr dank- 
bar verpflichtet, da es uns nicht gar billig bedünken will, wenn wir ohne 
Noth einen Ausländer (ob auch immerhin einen stammverwandten) zum 
ursprünglichen Meister des herrlichsten Werkes deutscher Art und Kunst 
machen. Bei Gelegenheit seiner Vorschläge über die völlige Instandsetzung 
des Domes bemerkt der Verfasser, es würde nöthig werden, den Hochaltar, 
der gegenwärtig auf unzweckmässige Weise verbaut ist, von seiner Stelle 
zu rücken; dabei sei es möglich, dem im Jahre 1248 gelegten Grundstein 
(der sich stets an der Stelle des Hochaltares zu befinden pflegt) auf die 
Spur zu kommen, in ihm die Urkunde über die Grundsteinlegung und in 
letzterer endlich den sicheren Namen des ursprünglichen Meisters und Ur- 
hebers zu finden. Der Verfasser deutet diese Hoifnhng fast nur mit Schüch- 
ternheit an; in der That aber wäre diese Entdeckung für einen Jeden, 
dem es um die Ehre des Vaterlandes zu thun ist, so wichtig, dass wir die 
Hoffnung, wenn es auch nicht mehr ist, einstweilen nicht aufgeben wollen. 
Unendlich wichtiger freilich, als Alles, was uns hier im Schooss der 
Erde verborgen sein könnte, ist die Urkunde, die das Gebäude in sich 
selbst, in seiner künstlerischen Beschaffenheit, enthält. Der Verfasser ent- 
wickelt, wie dies aus dem früheren Abdruck seines Textes bekannt ist, die 
allgemeinen Principien des daran hervortretenden architektonischen Syste- 
Ines auf eine vortreffliche, klare Weise. Ich stimme hiemit im Wesent- 
lichen vollkommen überein; doch muss ich bemerken, dass ich der Ansicht, 
Welche Herrn Boissereeh Auffassung zu Grunde liegt, in sofern nicht 
folgen kann, als ich in dem Gebäude nicht, wie er, ein Ganzes aus Einem 
Gusse, in wglchem Alles von vornherein so berechnet war, wie es in den 
ausgeführten Theilen erscheint, zu erkennen vermag. Dies betrifft aber nicht 
die allgemeinen Principien des Systemes, sondern die Eigenthümlichkeiten 
in der Gestaltung des Einzelnen und deren fortschreitende Modification, 
die in den späteren Theilen des Gebäudes freilich schon gar angenfällig 
erscheint, Ich komme hierauf weiter unten noch einmal zurück. 
Ein sehr eigenthümliches Interesse gewährt dasjenige unter den Kupfer" 
blättern des in Rede stehenden Werkes, welches den Dom in seiner Voll- 
endung, und zwar in perspectivlscher Ansicht von der Südseite, darstellt;
        

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