Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495729
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Berichte und Kritiken. 
innern Einschluss des Forums; hier zeigt sich aber schon eine beträchtlich 
rohere Behandlung. Höchst wunderlich und unschön sind die Ecksäulen, 
oder vielmehr die mit Halbsäulen verbundenen Eckpfeiler dieser Halle 
componirt. 
Der zweite Abschnitt enthält auf 27 Tafeln die Alterthümer von Aphro- 
disias. Das ausgedehnte Forum dieser Stadt, 525 Fuss (engL) lang und 
213 Fuss breit, ist mit einer ionischen Säulenhalle umgeben, die Säulen 
von einfach spätgriechischer Form, in den Ecken Pfeiler von derselben 
fabelhaften Composition, wie auf dem Forum von Cnidus.  Der Haupt- 
tempel von Aphrodisias, der im Mittelalter in eine Kirche umgewandelt 
war, bildete einen ionischen Pseudodipteros von acht Säulen in der Fronte. 
Auch hier sind es einfach späte, zum Theil schon schwere Formen; nament- 
lich gewähren die attischen Basen der Säulen, an denen statt des obern 
Pfuhls zwei dicke Rundstäbe angeordnet sind, einen unschönen Eindruck. 
(Aehnliche Basen hat der oben genannte korinthische Tempel zu Cnidus.) 
 Ungleich interessanter, wie diese beiden Baulichkeiten ist ein drittes, 
obschon beträchtlich späteres Gebäude, ein grosses Propyläum von korin- 
thischer Architektur. Pfeiler," an ihrer Hinter- und Vorderseite mit Halb- 
säulen verbunden, trennen die Thüren;.von ihnen springt nach, aussen ein 
viersäuliger Prostyl, nach innen eine Stellung vonzwölf Säulen, in drei 
Reihen geordnet, vor. Die Säulenstehen auf Piedestalcn und haben ge- 
wundene Cannelirungen, der Frics ist convex und mit Akanthuswindungen 
reich verziert. Dies sind Zeugnisse der letzten Periode der classischen 
Architektur; dabei aber ist in der Behandlung, besonders des Ornaments, 
noch sehr viel eigenthümlicher Geschmack und selbst noch eine gräcisi- 
rende Eleganz zu bemerken. Autfallend ist die Composition des Akanthus, 
dessen Blättergruppen zum Theil auf eine Weise geschwungen sind, dass 
sie unmittelbar an denjenigen Styl der Ornamentik erinnern, der sich in 
der spätromanischen Architektur (um 1200 n. Chr.  vornehmlich in 
Deutschland, geltend macht. Seit man sich genöthigt gesehen, den selb- 
ständigen Werth der mittelalterlichen Architektur anzuerkennen, haben 
auch die Gebäude aus der letzten Zeit der Antike, in denen sich bereits 
manch ein mittelalterliches Princip ankündigt, ein grösseres Interesse ge- 
wonnen; besonderswichtjg sind in diesem Betracht die unter asiatischem 
Einfluss "entstandenen Architekturen, und unter ihnen kommt dem eben 
besprochenen Gebäude keine der mindest bedeutenden Stellen zu. Für 
die Bauzeit desselben wird übrigens, in Gemässheit des gleich zu nennen- 
den Theaters von Patara, bereits die Periode um dasJahr 200 n. Chr. G- 
anzunehmen sein.  Ausserdem ist in Aphrodisias noch ein Hippodrom 
zu bemerken, dessen oberste Sitzstufen mit Pfeilerarkaden umgeben waren. 
Bruchstücke der letztern erscheinen mit reichem Ornament überladen, im 
Style des ebengenannten Propyläums, doch ungleich weniger schön. 
Der dritte Abschnitt, 14 Tafeln, behandelt die Alterthümey von Pa- 
tara, unter denen das dortige Theater von sehr erheblicher Wichtigkeit 
ist. Von dem Scenengebäude desselben, welches einer Inschrift zufolge 
unter dem Kaiser Antoninus Pius, um die Mitte des zweiten Jahrhun- 
derts nach Christi Geburt, erbaut wurde, steht noch so viel, dass es in 
seiner ganzen Einrichtung vollständig zu restauriren ist. Dasselbe bildet 
somit einen höchst interessanten Beitrag für unsere, bisher noch immer so 
mangelhafte Kenntniss der Scene des antiken Theaters. Auch in Bezug 
auf seinen architektonischen Styl ist dies Gebäude sehr bemerkenswerth;
        

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