Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495687
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und Kritiken. 
Berichte 
fast jeder Schritt im Vaterlande die merkwürdigsten Entdeckungen ent- 
gegen! Wir wollen indess hoffen, dass auch für diese Fächer eine erhöhte 
Theilnahme erwachen wird und einstweilen die Mittheilungen über das 
Einzelne willkommen heissen.  Ueber einen merkwürdigen Gyklus deut- 
scher Sculpturen liegt uns so eben eine ausführliche literarische Mitthei- 
lung vor. Sie führt den Titel: 
Die vierzehn Standbilder im Domchor-e zu Köln. Von August 
Reichensperger. Köln, 1842. ('26 S. in 4) 
Es sind die kolossalen Standbilder des Christus, der Maria und der 
zwölf Apostel an den Pfeilern des Chores, welche in dieser Schrift bespro- 
chen werden und von denen eine nähere Charakteristik vorgelegt wird. In 
der That gehören diese Arbeiten zu den wichtigsten ihrer Art aus dem An- 
fange des 14ten Jahrhunderts. Noch nicht frei von dem typischen Gesetze 
jener Zeit, noch ohne einentschiedenes Gefühl für den körperlichen Orga- 
nismus, zeichnen sie sich vornehmlich durch die höchst meisterhafte, eben 
so stylgemäss wie mit feinster Naturwahrheit behandelte-Gewandung aus. 
Dabei sind sie durchaus mit farbiger Bemalung versehen, die sich ebenfalls 
in der schönsten Stylistik bewegt; die Gewänder haben die mannigfaltig- 
sten Muster, die Säume sind auf's zierlichste, mit der grössten, fast rüh- 
renden Sorgfalt und Genauigkeit ornamentirt. Ich hatte Gelegenheit, diese 
Statuen, die bei der Restauration im lnnern des Domchores von ihren Con- 
solen her-abgenommen waren, in der Nähe zu betrachten und mich ihrer 
hohen Bedeutsamkeit zu erfreuen. Die Schrift des Herrn Reichensperger 
giebt über alle Einzelnheiten, die bei ihnen zu bemerken sind, eine genü- 
gende, klar verständliche Auskunft; nur kann ich nicht darin mit ihm 
übereinstimmen, dass er manche Motive, die in der Stufe der damaligen 
Entwickelung der Kunst begründet sind, als die Resultate besondrer künst- 
lerischer Absichten erklärt. Ausserdem enthält diese Schrift noch manches 
sehr Bemerkenswerthe über die Würde der mittelalterlichen Kunst über- 
haupt und über die Angelegenheit des Kölner Dombaus iusbesondre; dabei 
aber auch manche Einseitigkeit und Bitterkeit, die hier nicht ganz an ihrer 
Stelle erscheint und, für ihr Theil. die gute Sache nicht fördern wird. 
Auf dem Umschlage der Schrift kündigt diese sich an als: Beigaben 
zu den Abbildungen jener Standbilder von Dr. Levy-Elkan. Die Ab- 
bildungen werden in farbigem Steindrucke herausgegeben werden und nicht 
bloss die plastischen Formen, sondern auch die polychromatische Ausstat- 
tung der Statuen darstellen. Nach den Probeblättern derselben zu urthei- 
len, die ich bereits im vorigen Jahr zu sehen Gelegenheit hatte, und die 
sowohl den allgemeinen Charakter der Originale vortrefflich wiedergeben, 
als sie selbst mit grosser Sorgfalt angefertigt sind, wird das Erscheinen 
derselben vonden Freunden alterthümlicher Kunst gewiss mit lebhaftem 
Beifall aufgenommen werden.
        

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