Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495672
Mittelalter. 
Zur Geschichte der deutschen Kunst- im 
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losringt, was man von den Gebäuden, die Hr. L._ namhaft macht, wahrlich 
nicht sagen kann. Die grösste Verwandtschaft mit den letztern aber würde 
er in allen den Gebäuden wahrgenommen haben, welche, wie bereits be- 
merkt, der Spätzeit des romanischen Styles angehören. Ich will hier nur 
einige Gebäude dieser Periode in den Rheinlanden namhaft machen, deren 
Bauzeit feststeht und die in mehr oder weniger consequenter Anwendung 
des Spitzbogens und in der ganzen Sinnesrichtung dem von Hrn. L. auf- 
geführten Gebäudecyklus zum Theil sehr nah verwandt erscheinen, wenn 
sie auch in gewissen Einzelheiten die charakteristisch und ausschliesslich 
rheinischen Elemente erkennen lassen. Es sind: die Kirche zu Heisterbach 
(1202-1233); die Kirehe St, Quirin zu Neuss (inschriftlich im Jahr 1208 
gegründet); das zehnseitige Schiff der Kirche St. Gcrcon zu Köln (1212- 
1227); die Kirche von St. Thomas (1225 vollendet, vergl. oben); der Dorn 
von Limburg an der Lahn (gebaut oder vollendet zwischen 1213 und 1235 1); 
der Chor der Pfarrkirche von Remagen (inschriftlich im Jahr 1246 vollen- 
det 2). Bei den zwei zuletzt genannten Bauwerken ist zwar der Spitzbogen 
bereits überwiegend, die ganze Behandlung aber noch immer völlig ro- 
manisch.   
Der Spitzbogen erscheint in der rnuhamedanischen Architektur bereits 
sehr früh, im 9ten Jahrhundert und gewiss auch noch früher, angewandt. 
Es ist, ich wiederhole es, durchaus nicht. unmöglich, dass diese Bogenform 
sich auch gelegentlich einmal an einem frühromanischen Gebäude in Deutsch- 
land finde. Die von Hrn. L. aufgeführten und die mit ihnen sonst über- 
einstimmenden Gebäude aber, welche über einer zwar immer noch strengen 
Grundlage mehr oder weniger eine Feinheit des Sinnes, eine klare Eleganz, 
den Ausdruck eines schon sehr bewussten Wohlgefühls enthalten, derglei- 
chen für die Culturmomente des 11ten Jahrhunderts unerhört sein würde, 
können nicht in diese Zeit gehören; Alles deutet bei ihnen auf jene spä- 
tere Periode, welche uns denn auch in den anderweitigen Verhältnissen 
des Lebens die entsprechenden Gegenbilder darbietet. Die stufenweis vor- 
schreitende Consequenz aber, welche diese Gebäude in der Anwendung 
des Spitzbogens entwickeln, bestätigt auf's Vollkommenste die bisher gang- 
bare Meinung, derznfolge sie die Vorbereitung (wenn auch nicht geradezu 
den Uebergang) zum gothischen Baustyle ausmachen.  
Die bei weitem grössere Thätigkeit-zur Erforschung der älteren Kunst 
des Vaterlandes, besonders was die Herausgabe bildlicher Darstellungen 
anbetrifft, hat sich seither der Architektur zugewandt; die im Vorigen be- 
sprochenen Werke geben hiefür fast sämmtlich ein neues Zengniss. Für 
die Sculptur und Malerei ist ungleich weniger geschehen; seit Strixnefs 
Lithograpllißell der ehemals Boissereefschen Sammlung abgeschlossen, seit 
Müller's Beiträge zur teutschen Kunst- und Geschichtskunde durch den 
Tod des Herausgebers abgebrochen sind, ist über grössere und umfassende 
Unternehmungen dieser Art nichts Erhebliches zu berichten. Und doch ist; 
Deutschland auch in den verschiedenen Zweigen der bildenden Kunst, bis 
tief in das 16te Jahrhundert hinab, so höchst bedeutend gewesen, doch 
führt uns, sofern wir nur zu sehen verstehen und zu sehen geneigt sind, 
 Vergl. hißfübß? F- H- Müllefs Beiträge zur teutschen Kunst- und GH- 
schichtskunde, I, S. 41, TIYIÖ- bfäsßlldßrs die treifliche kleine Schrift: Einige 39' 
merkuugen über das Alter dßr Dvmkirvlle zu Limburg, von Dr. Busch. Lim- 
burg a_ [h 1341,  2) F. H. Müller, a. a. O,
        

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