Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495568
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und 
Berichte 
Kritiken. 
einstweilen aber noch eine Streitfrage ist, und über welches weiter unten 
etwas näher berichtet werden soll. Der Chor ist zierlich gothisch; die Pfei- 
lerstellungen des Schiffs gehören einer ziemlich rohen Erneuung des Baues 
aus spätgothischer Zeit an.  Sodann die Schlosskapelle, auf der Burg von 
Freiburg, eine jener Doppelkapellcn, deren man auf deutschen Fürsten- 
sitzen aus der Periode um 1200 mehrere findet. Dies kleine Gebäude, 
und vgrnchmlich die obere Kapelle, gehört zu den allerintcressantesten 
und zu den allergeschmackvollsten Werken, welche die deutsche Kunst 
des spätromanischen Styles hervorgebracht hat; es ist in seinen Formen 
und vornehmlich in den Ornamenten eine Feinheit, eine Reinheit, ein Adel, 
dergleichen man bei Bauwerken desselben Styles anderweitig in Deutsch- 
land gewiss nur selten und ausserhalb Deutschlands gewiss noch viel sel- 
tener finden dürfte. Wir sind dem Herausgeber für diese Mittheilung allen 
Dank schuldig. Aber die reine Classieität jener Formen lässt uns wün- 
schen, dass dieselben zugleich auch (was freilich in l-lrn. Puttrichs Plan 
nicht liegen konnte) "in Abbildungen eines grössern Maassstabcs, als die 
schönsten Vorbilder in ihrer Art veröffentlicht werden möchten 1). 
Die nächstfolgenden Lieferungen der zweiten Abtheilung sind den Denk- 
malen von Na um burg an der Saale, vornehmlich dem dortigen Dome 
und seinen Bildwerken gewidmet. Hievon liegt bereits eine Reihenfolge 
lithographirtcr Blätter vor. in denen unsäussere und innere Ansichten 
dieses mehrfach merkwürdigen Gebäudes, Abbildungen seiner schönen De- 
tails und zugleich vorzüglich gelungene Abbildungen der grossen Statuen 
im westlichen Chorcdes Doms, welche letzteren, dem 13ten Jahrhundert 
angehörig, für die Geschichte der deutschen Scnlptur von so ausserordent- 
licher Wichtigkeit sind, dargeboten werden. Da diese Mittheiluirgen aber 
noch bei Weitem nicht vollständig sind, da namentlich auch noch der dazu 
gehörige 'l.'ext fehlt, so mag ein näherer Bericht über dieselben so lange 
ausgesetzt bleiben, bis wir das Ganze zu beurtheilen im Stande sind. 
(Weiter unten werde ich jedoch Gelegenheit haben, meine Ansicht über 
einen Theil der Baugeschichte des Naumburger Domes vorzulegen.) 
Als ein besonderes Werk dürfte von Hrn. Puttrich eine Reihe von 
colorirten Zeichnungen herausgegeben werden, welche er kürzlich nach den 
merkwürdigen Stuckreliefs an den Brüstungswänden des Ohores der Lieb- 
frauenkirche zu Halberstadt hat anfertigen lassen. Es sind grossc Ge- 
stalten des Erlösers, der h. Jungfrau und der zwölf Apostel, jede jnner- 
halb einer reich dekorirten Nische spätronranischen Styles sitzend; die alte 
farbige Bemalung derselben ist unter der späteren Tünehe, mit der sie 
überstrichen worden, wieder zum Vorschein gebracht und in den Zeich- 
nungen genau wiedergegeben. Für die deutsche Sculptur des zwölften 
Jahrhunderts gehören diese Arbeiten, wieder als eigenthümlich lebenvolle 
und gehaltreiche Vorstufen für die Wechselburger etc. Arbeiten, zu den 
interessantesten Beispielen; die Zeichnungen enthalten ein sehr gelungenes 
Abbild ihres Styles. Eins der Reliefs habe ich bereits vor geraumer Zeit 
(im Museum, 1833, N0. 13) in einer Uinrisszeichnung mitgetheilt   Es 
1) Hi. Prof. J- M. Manch, jetzt in Stuttgart, hat früher grosse Abbildun- 
gen von den Details der Freiburger Schlosskapelle gefertigt, deren Schönheit alle 
Wünsche befriedigt und die sich u. a. im wissenschaftlichen Kunstverein zu 
Berlin eines ungetheilten Beifalls zu erfreuen hatten. Möge Hr. Manch Zeit und 
Musse finden, um dieselben, wie es seine Absicht war, herauszugeben! 
I) Vergl. Kl. Sehr. I, S. 138.
        

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