Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495542
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Kritikßn. 
und 
Berichte 
aber für die Geschichte des Kostüms, in welchem man wiederum ein by- 
zantinisirendes Element erkennt. Der gegenwärtig vorhandene Grabstein 
des Markgrafen gehört dem Anfange des löten Jahrhunderts an; vielleicht 
ward jenes Bild gefertigt, um die Erinnerung an den ursprünglichen Grab- 
stein zu bewahren. 
Die übrigen Denkmale, welche in dem genannten Abschnitte des 
Puttrichlschen Werkes vorgeführt werden, sind jünger; sie vergegenwärti- 
gen auf interessante Weise die späteren Entwickelungsstadien der mittel- 
alterlichen Kunst. Den spätesten Architekturen von Gernrode schliesst 
sich die Kirche von Pötnitz, Illlfern von Dessau, an Es ist eine spät- 
romanische Basilika, besonders merkwürdig dadurch, dassdie Säulen und 
Pfeiler, welche ursprünglich die Schiffe trennten, bereits durch Spitzbögen 
verbunden werden. (Weiter unten werde ich zwei noch merkwürdigen; 
Basiliken dieser, in Deutschland bisher unbekannten Gattung anfühl-gm 
Der Herausgeber setzt die Erbauung der Kirche von Pötnitz bald nach 
1198, in welchem Jahre daselbst eine Parochie gestiftet wurde. Herr Dr. 
C. R. Lepsius, in seiner unten näher zu besprechenden Schrift, weist aus 
der Stiftungsurkunde nach, dass damals in Pötnitz schon eine Kirche vor- 
handen sein musste, dass dies Gebäude demnach, dem von ihm verfoch- 
tenen System zufolge, wohl in's elfte Jahrhundert gehören werde. Dies ist 
aber eine ganz willkürliche Annahme; eben so gut kann die gegenwärtig 
vorhandene Kirche auch erst geraume Zeit nach der Stiftung der Parochie 
gebaut sein. Das Ornament der Säulen deutet mit Entschiedenheit auf die 
frühere Zeit des 13ten Jahrhunderts.)  Hierauf ist die ehemalige Kloster- 
kirche, jetzige Schlosskirche zu Nienburg an der Saale zu betrachten. 
Die Zeit ihrer Erbauung ist nicht bekannt; der Baustyl giebt darüber je- 
doch genügende Auskunft. Es sind in ihr zwei verschiedene Style zu be- 
merken. Chor und Querschiff erscheinen als die älteren Theile; sie sind 
consequent spitzbogig gebildet, einfach, aber noch immer in romanischer 
Behandlung des Details, in derjenigen Weise, wie Deutschland aus der 
frühem Zeit des 13ten Jahrhunderts manche bemerkenswerthe Beispiele 
enthält. Die innere Anordnung des Chorschlusses ist sehr interessant. 
Das Schiff bildet die unmittelbare Fortsetzung des mit dem Chore begon- 
neuen Baues; doch erscheint hier der gothische Baustyl bereits vollständig, 
obschon noch in seiner primitiven Form, entwickelt. Composition und 
Behandlung zeigen hier die grösste Verwandtschaft mit der im J. 1235 ge- 
gründeten Elisabethkirhe von Marburg, deuten somit auch auf dieselbe 
Bauperiode. Es ist seither in den sächsischen Gegenden noch keine Kirche 
dieser Gattung bekannt geworden. Zu bedauern ist  und der verehrte 
Herausgeber möge mir diese Bemerkung nicht verargen!  dass es an ge- 
nügenden Profilzeichnungen der wichtigsten architektonischen Details, der 
Gewölbgurte, des Fensterstabwerks u. s. w., fehlt; es würden sich daraus 
noch sichrere Belehrungen über die Bauzeit und über den Kunstwerth der 
Kirche schöpfen lassen; es würde sich dann namentlich auch entscheiden 
lassen, ob das Gewölbe des Schiffes der ursprünglichen Anlage, oder ob 
es einer späteren Vollendungszeit oder einer Restauration des Baues an- 
gehört, WOZH die, zwar vortrefflich lithographirte Perspective des Innern 
auf Taf. 14 nicht hinreichend Gelegenheit bietet.  Sehr merkwürdig ist 
sodann, der in dieser Kirche vorhandene grosse Grabstein des Markgrafen 
Ditmar und seines Sohnes Gero vom J. 1350. Von beachtenswerthem
        

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