Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495492
Antikes 
Theater. 
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welches diesem zu Grunde lag, gerichtet ist; auch musste es, die durch- 
greifende Richtigkeit des Einzelnen seiner Behauptungen zugegeben, den- 
iltoch allffalielltädlllexlfböill, dlass die Griechen, bei der eilgenthlirimlichen Structur 
1 rer Scene, ie 01' iei e einer grossartig plastisc en irkuiig, welchg 
durch Benutzung der Scene und Orchestra unmittelbar entstehen mussten, 
aufgegeben hätten. Der innere NViderspriieh, welcher hierin lag, scheint 
den Anlass zu weiterer Nachforschung dieser Verhältnisse gegeben z-u ha- 
ben, als deren Resultat hier eine so eben erschienene Gegenschrift gegen 
Tölken's Aufsätze anzuführen ist; sie ist von dem Dr. Geppert verfasst 
und führt, wie jene Aufsätze, den Titel: „Ueber die Eingänge zu dem 
Proscenium und der Orchestra des alten griechischen 'l'heaters."' Geppert 
hat den Gegenstand von einer Seite aufgefasst, die bis jetzt noch kaum 
zur Sprache gekommen war; nachdem er nämlich auf das an sich Unzii- 
reichende von 'l'ölken's Behauptungen hingerleutet, geht er auf die Ein- 
richtung der alten Thuigötlien selbst ein, sofern die dramatische Handlung 
älne besondere Beschatienheit des Locales und eine besondere Benutzung 
esselben voraussetzen lasst. lLr kommt dabei zu dem Resultat, dass die 
bei jener Aufführung der Antigene befolgte Anordnung, die Schauspieler 
zumeist durch die Orehestra auftreten und auf der Treppe die Scene er- 
steigen zu lassen, im Allgemeinen als Regel anzunehmen sey, und zwar 
aus folgenden Gründen: Die auftretenden Personen pflegen öfters den (in 
der Orchestra befindlichen) Chor anzureden, ohne zunachst von den, für 
sie noch wichtigeren Personen auf der Scene Notiz zu nehmen; sie wer- 
den vom Chor früher wahrgenommen, als von jenen, so wie sie von denen, 
Welche die Scene vom Hintergrunds aus betreten, nicht sobald erblickt 
werden, als man bei der geringen Tiefe der griechischen Bühne erwarten 
sollte; ferner SSagen die Auftretenlden mehrfach ausdrücklich, dass sie steile 
Zugänge zur eene zu ersteigen aben; dann sind Handlungen in der an- 
tiken Tragödie enthalten, die nur auf der Orchestra vorgehen können; aus 
3a; lälllflälßggtllällllgeltlalltlillef Stivifcke geflitisogar mift lEntschiäzdenheit hervor, 
 l ancerer eg au ie cene üirte, a s der über die 
Orchßßtra, u. s. w. Für alles diess werden zahlreiche Beispiele aus den 
griechischen Tragikern beigebracht. Es dürfte in der That schwer sein, 
die Masse dieser Aeugnisse zu beseitigen oder anders zu deuten. Doch 
kennen wir nicht erwarten, hiemit den Streit abgeschlossen zu Sehen, und 
um so weniger, als Tölken bereits im Voraus eine Fortsetzung des Kampfes 
verheissen hat, falls noch Jemand „für irgend eine der älteren Ansichten 
den Schild erheben sollte." Für die Wissenschaft, und namentlich für 
unsere noch immer nicht genügende Anschauung des griechischen 'l'lieater- 
haues, davon nur so mangelhafte Reste auf unsere Zeit gekommen sind, 
scheint dieser Streit jedoch sehr erfreulich, indem derselbe eine möglichst 
vollständige Herbeischaffung und Sichtung des erforderlichen Materiales 
iiethig macht.
        

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