Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495374
Notizen 
VOID 
der Reise. 
Schluss 
Frankfurt a. 
349 
einander geneigt, Es entfaltet sich in ihnen eine höchst anmnthige, edle 
Körperlichkeit. und fast nur der eine Arm des Adam erscheint herb. Die 
Gestalt der Eva hat grosse Grazie, Adam Fülle der Brust; besonders schön 
sind die Beine beider Gestalten, namentlich die der Eva. Dabei ist die 
CQmPQSiÜOII wesentlich dürerisch. Dies gilt Alles aber nur von den all- 
gemeinen Motiven, über das Bescndre giebt es kein Urtheil mehnliiabbeide 
Gestalten durchweg, und besonders die Eva, übermalt sind (wess a man 
diesem Bilde auch, freilich ohne gründliche Prüfung, die ursprüngliche 
Originalität ganz abgesprochen hat). Hin und wieder sieht indess noch 
die Diirefsche und ihm so eigenthümliche Unterzeichnung durch. Nur der 
Kopf der Schlange zeigt noch die volle geistreiche Originalität des Mei- 
sters. Schwarzer Grund. An dem Aste des Baumes hängt ein Täfelchen mit 
der Inschrift: Albertus Dürer "almans faciebat post virginis partunz 1507. 
Frankfurt a. M. 
Der Dom. 
Das Schiff in merkwürdigem Frühgothisch. Gleich hohe Schiffe. Die 
Pfeiler viereckig, mit abgefalzten Ecken und mit Dreiviertelsäulen als 
 Gurtträgern. Als Kapitälschmnck ein dünner, 
 umherlaufender Blätterkranz. 
I7  Der Chor im reicheren Gothisch. Nach die- 
 sein t?) das ausgedehnte Querschiff, in einer Di- 
7:  gy i. mension, dass die Kirche ziemlich die Form eines 
f, [Qßlfiäß griechischen Kreuzes erhält.  
4 k jßy7, Unter den Grabsteinen ist der des Johann von 
 Holzhausen und seiner Frau (gest. 1371) zu be- 
 merken, der in F. H. Müllers Beiträgen etc. (II, 12) 
(f abgebildet ist und ein charakteristisches Beispiel 
Schilfpfeilegg ausgebildet germanischen Styles giebt. doch in der 
Wirklichkeit, namentlich in der Figur des Mannes, 
etwas steifer erscheint. Durch neuen, albern bunten Anstrich ganz entstellt. 
Die Wandgemälde des Chores vom J. 1427, mit Geschichten des heil. 
Bartholomäus etc., sind entschieden im Charakter der Kölner Schule. Der 
Zeitgenoss des Stephan ist unverkennbar; Gesichter, Geberdungen, Stel- 
lungen, Trachten deuten mehrfach darauf hin. Nur steht er auf einer 
ungleich mehr untergeordneten Stufe; er ist mit der Entwickelung der Zeit 
nicht lebendig fortgeschritten und wiederholt somit in bedeutend stär- 
kerem Maasse noch die alterthürnlichen Typen (im Gewandstyl u. dergl.) 
aus der Zeit des Wilhelm. Weder das Element einer seelenvollen Grazie 
(wie doch bereits bei Wilhelm), noch freilebendige Bewegung sind ihm 
recht erschlossen, und so ist auch seine Ausführung meist nur roh. Der 
Naturalismus der Zeit dringt übrigens auch bei ihm schon hinein, wird 
aber wiederum nur äusserlich aufgefasst. So finden sich bei der Marter 
des heil. Bartholomäus Motive, die ziemlich direkt sogar an die Apostel- 
Martyrjen, gegenwärtig im StädeYschen Institut, erinnern; das Wetzen des 
Messers auf dem Schleifstein fehlt nicht. und ebenso hat einer von denen, 
welche dem Heiligen die Haut abziehen, das Messer in den Mund ge- 
nommen. Man ist mit dieser Operation hier sogar an beiden Armen und 
an beiden Beinen beschäftigt- und dennoch fehlt aller leidenschaftliche 
Ungestüm. Gleichwohl sind im Einzelnen immer noch manche sehr an-
        

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