Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495302
342 
Rheiureise, 
184i. 
Zweiter Abschnitt. 
2 auf beiden Seiten bemalte Blätter: a) Titel (Initium Sei Evangelii secun- 
dum etc,  dieser fehlt beim Lucas). b) Bild des Evangelisten. c) Er- 
stes Wort des Textes mit grossen Buchstaben in reichem Gold-Geriemsel. 
d) Weitere Fortführung des Textes mit etwas kleineren Gold- und Silber- 
buchstaben.  Zu bemerken fürs Erste die schönen Violett-Gründe der 
gemalten Blätter, die besonders bei d ganz jene orientalischen Teppich- 
muster wie in den Handschriften unter Otto II. enthalten. Das Figürliche 
und was dahin gehört, dagegen äusserst roh, höchst starr byzantinisch, die 
Gesichter in schauderhaft grünlicher Leichenfarbe, die Gewänder zumeist 
in weissen Haupttönen, die höchst schreiend mit zinnoberrothcn, auch 
andersfarbigen Strichen schattenartig eingefasst sind. (Scheint noch etwas 
angelsächsisches Element.)  Vorn sind ein Paar Urkunden eingeschrieben, 
aus dem 13ten und 14ten Jahrhundert, die sich auf das K.loster Helm- 
wordeshusen, bei der Stadt Helmword, beziehen. 
Deckelschruuck: Symbole der vier Evangelisten, in vergoldetem Kupfer 
getrieben. Byzantinischer Styl, scharfe. bestimmte Arbeiten mit eigen orien- 
talischem Anklang, besonders in der Figur des Engels.  Eingerahint von 
Filigran mit Steinen (die grösseren fehlend), Perlrnutter, Email-Mosaiken etc. 
3) Evangeliarium. wohl zwölftes Jahrhundert. Bunte Arkaden-Canones. 
Die Bilder vor den Evangelien ganz in der Weise angeordnet, wie in der 
eben besprochenen Handschrift. Doch die Ausführung im Ganzen ungleich 
roher, minder geschmackvoll und minder kostbar. In der Figurenzeichnung 
scheint auch hier noch ein gewisses angelsächsisches Element nachzu- 
klingen. Wenig, zum Theil wulstige Umrisslinien, meist mit Deckfarben 
eintönig angestrichen und nur selten eine Schattenaugabe. Merkwürdig 
die den antiken Musiven ähnlichen Mäander auf mehreren Blättern. Man- 
che Umstände, namentlich das Ornament der Initialen, deuten auf das 
zwölfte Jahrhundert.  Der Deckel ohne künstlerische Ausstattung. 
4) Kleineres Evangeliarium (gross  wohl Zwölftes Jahrhundert. In 
Einrichtung und Styl der Miniaturen wiederum etwa den eben genannten 
Handschriften vergleichbar (byzantinisch mit angelsächsischem Nachklang); 
doch roher, geringer, auch nur ein Evangelistenbild.  Im Text ein Paar 
Paderborner Urkunden von üHeinrich II. und Heinrich III.  Der Deckel 
ohne künstlerische Ausstattung. 
5) Evangeliarium, etwa zwölftes Jahrhundert. Rohe und fghcoloriftß 
Arkaden um die Canones. Vor jedem Evangelium 2 gemalte Blätter; das 
Bild des Evangelisten und der Anfang des 'I'extes. Im Stylc ebenfalls un- 
gefähr den Bildern des Evangeliariums unter Nr! 3 vergleichbar (roh by- 
zantinisch mit angelsächsischem Nachklang), aber sehr roh gezeichnet, sehr 
mangelhaft in Farbe und Colorirung, sehr roher Auftrag des Goldes.  
Der Deckel ohne künstlerische Ausstattung. 
6) Evangeliarium aus dem Anfange des 13ten Jahrhunderts. Vorn 
Sißhß llliteineiwSchrift, die etwa der Zeit um 1300 angehört: „Liber sancti 
(iodehardi lll Hildenscm collatus a Friderico primo abhte."  Vor jedes 
Evangelium sollten 2 Bilder kommen. Davon ist aber nur eins', vor dem 
ersten Evangelium, ausgeführt, ein zierlich buntes Ranken- und Drachen- 
geriemsel, das ein L zu enthalten scheint (doch fährt die folgende Seite 
fort: Abraham genuit Isaac etc.) In dem Gcriemsel bilden sich allerlei 
Medaillons mit Figuren und Sceneu des alten und neuen 'l'estarnents. 
ausscrdem eine Menge von Thieren, Drachen, nackten Menschen, (lenlau-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.