Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495203
332 
Rheinreise, 
1841. 
Zweiter Abschnitt. 
in ihrer bedeutsamsten Ausbildung und dürfte für das Moment des Ueber- 
ganges, wo die Feinfaltigkeit zu den merkwürdigsten, der besten römi- 
schen Kunst verwandten Resultaten führt, ein Hauptbeispiel sein. Beson- 
ders gilt dies von der Hinterseite, wo die Strenge des Styles noch wohl- 
erhalten ist. Unter den Propheten sind ebenfalls vortreffliche Figuren 
dieser Art, doch sehen die Köpfe zum Theil bedenklich modern aus. 
Ausserdem enthält die Tumba einen grossen Kunstschatz durch die 
sehr bedeutende Menge antiker geschnittener Steine, die zu deren Aus- 
stattung verwandt sind und unter denen sich im Einzelnen sehr schätzbare 
Stücke finden t). 
Köln. Schatzkammer des Domes.  Altarkreuz, 372 Fuss 
hoch, mit Emaillen und Steinen. Goldfiguren auf Emailgrund in der ge- 
wöhnlichen Art; die Figur des Crucitixus roh byzantinisch erhaben; in den 
Kreuzarmen die Symbole der Evangelisten.  Der Untersatz, aus verschie- 
denen Emailmustern und Säulen (Fragmenten der Tumba der heil. drei 
Könige) zusammengesetzt, bildet eine Art Schrein. Als dessen Haupttafel 
ist an der Vorderseite ein getriebenes Relief aus vergoldetem Silber ein- 
gesetzt: die Ausgiessung des heil. Geistes. Deutsch, Zeit um 1520, ziem- 
lieh handwerklich, doch immerhin tüchtig. 
Stab des zeitlichen Chorbischofes, 6 Fuss lang, nach der interessanten 
Inschrift vom J. 1178. Oben mit einer Krystallkugel, über der sich eine 
Art Dreizack erhebt und von diesem getragen die Gruppe der Anbetung 
der Könige, die aber jünger erscheint als das Jahr der Inschrift. Ziemlich 
früh germanisch. Die Figürlein zwar schon weichfaltig, doch noch ziem- 
lich unfrei. Die drei Stäbe der Gabel mit gravirten ornamentistisch phan- 
tastischen Darstellungen, die ganz artig sind, 0b auch etwas flüchtig. 
Kirche zu Deutz.  Ueber dem Altar ein grosser Reliquienkasten 
mit Emaillen und vergoldeten getriebenen Arbeiten. Die Dachtläche mit 
sieben Emailstreifen (von oben nach unten], ornamentistisch; oberwärts 
und unterwärts im Halbrund mit symbolischen und andern Darstellungen 
ausgehend. Zwischen den Streifen ziemlich grosse Email-Medaillons mit 
biblischen Scenen. Die Zwischenfüllungen von getriebenem Ornament.  
Die Vordertläche ebenfalls mit sieben Emaillstreifen, darauf (in Email 
gemalte) Figuren von Propheten oder Heiligen. In den Zwisehenfeldern 
getriebene Figuren, etwa Apostel. Diese im strengen byzantinischen Styl, 
zum Theil mit grossartigen Motiven in der Anlage der Gewänder; den 
Arbeiten des heil. Dreikönigskasten in etwas verwandt, doch roher und 
strenger. Die Emailmalereien in der gewöhnlichen Art, namentlich auch 
was die Farben betriiTt (grün, blau, weiss, etc). Sonst noch Streifen 
zierlicher Emailmuster, und Dekoration von Steinen. 
Sayn. Klßßterkirßhe-  Reliquienkasten mit dem Arm des h. 
Simon. Länglieh schmaler Silberkasten von moderner Arbeit, in welchem 
der Arm aufbewahrt wird. Dieser steht in einem grösseren, ebenfalls läng- 
lichen Kasten, von Holz, bekleidet mit vergoldetem Kupfer. Styl der 
früheren Zeit des 13ten Jahrhunderts. Leisten mit Platten von gravirter 
1) Vergl. darüber u. A. die Schrift vom J. 1781 .,Sammlung der prächtigen 
Edelgesteinen, womit der Kasten der dreyen heiligen Weisen Königen in der 
hohen Erz-Domkirche zu Köln ausgezieret ist, nach ihrem ächten Abdrucke in 
Kupfer gestochen. Nebst einer vorläufigen geschichtmässigen Einleitung durch 
J. P. N. M. V."
        

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