Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495085
320 
Rheinreise, 
1841. 
Zweiter 
nitt. 
Absch 
Unter den neueren Bildern: Bendemanns trauernde Juden und 
Lessings Klosterhof im Schnee.  
Köln.  Bei H. Banquier Oppenheim. „Petrs xpi rne fecit l449f 
Dies die Unterschrift eines Bildes aus Eyck'scher Schule, welches, ziem- 
lich gross, drei Gestalten in halber Figur enthält. Der heil. Eligius, als 
Goldschmied, sitzt an einem Tische, ihm zur Seite steht ein Brautpaar. 
das einen Trauring zu kaufen gekommen. Er hält eine Waage, in der der 
Trauring liegt, in der I-land; auf dem Tische Goldstücke; hinter ihm ein 
Repositorium mit allerlei Arbeiten und Geräth;  diese Dinge sind sehr 
in Eyclüscher Weise behandelt. Das Ganze ist seiner Richtung nach schon 
sehr entschieden ein Genrebild, wie Später Q. Messys.  In der Behand- 
lung erkennt man im Wesentlichen den Eyckschen Schulcharakter. Aber 
merkwürdig und eigenthümlich ist es, dass die Köpfe in einer gewissen 
Allgemeinheit gehalten sind, zwar nicht etwa Idealformen, aber doch in 
grösseren plastischen Massen, etwas hart, ungefähr wie aus Holz geschnit- 
ten (ähnlich wiedie Portraits von Mantegna u. a. M. den Steinsculpturen 
gleichen). So ist auch die Carnation ziemlich allgemein gehalten, mit 
durchgehend genauer Modellirung.  Leider ist das Bild beschädigt und 
zum Theil übermalt. Besonders das rothe Gewand des Eligius ist ganz 
übermalt1). 
Ein gutes Bild der Eyclüschen Schule, eine sitzende Madonna in einer 
Landschaft. 
Im Uebrigen besonders vortrelfliche holländische Kabinetsbilder, auch 
italienische Stücke.  Vor Allen ausgezeichnet ein Velasquez: das 
lebensgrosse stehende Bild eines jungen ritterlichen Herrn, in voller Kraft 
und Frische der Existenz, gewiss das Beste, was Köln aus der Epoche des 
17ten Jahrhunderts besitzt. 
Köln. Gemäldesammlung des Hrn. Stadtbaumeisters Weyer. 
 Ziemlich bedeutend. Einiges wenige Italienische aus späterer Zeit. Be- 
sonders zahlreich an Niederländern des 17ten Jahrhunderts, und darunter 
namentlich einige gute holländische Landschaften. Dann auch Einiges 
von älterer nordischer Kunst, dies meist jedoch nicht sonderlich aus- 
gezeichnet. 
Sehr artig ein, schon von Passavant angeführtes altholläntlisches, dem 
A. van Ouwater nahe stehendes Bildchen. Man sieht eine holländisch go- 
thische Kirche hinab; rechts die Reihe der Säulen auf der einen Seite des 
Schiffes, als Achat gemalt,  durch sie blickt man ins Freie hinaus; über 
den Säulen wölbt sich die aus Brettern gebildete spitzbogige Tonnendecke. 
Im Schiff der Kirche sitzt gross und stattlich  natürlich ausser allem 
Verhältniss zur Architektur  Sanct Peter als Papst; zwischen den Säulen 
kniet der geistliche Besteller des Bildes. Die Ausführung ist ziemlich 
Sauber, Sehr fßln III den Köpfen, die schlicht naturalistisch gehalten sind, 
doch der KoPf des Petrus nicht ohne Würde. Sehr eigen ist jener von 
PaSSaVant erwähnte kühle Farbenton, der durch das ganze Bildchen geht 
i) Ob das Bild des Berliner Museums, welches mit dem Namen eines "Petri 
Ohristophori" bezeichnet war und sich durch feine Individualisirung in Form und 
Farbe auszeichnet,  0b das Bild im Besitz des Hrn. J. D. PaSSaVant zu 
Frankfurt a. M. von "Petrus XPR" vom J. 1417; das eine grossartig alterthüin- 
liche Anlage mit fein naturalistischer Durchbildung verbindet, bestimmt von 
derselben Hand Sind, lasse ich hier dahingestellt.
        

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