Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494982
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Rheinreise, 
l841. 
Zweiter Abschnitt. 
ders alterthümliche Reminiscenz, nach altkölnicher Art, sind die schmalen 
Schultern einiger Gestalten, besonders der Madonna auf der Aussenseite 
VOII NO- 9, zu bezeichnen. Einige der grau in grau gemalten Kinderfiguren 
auf den Aussenseiten von No. 1 Sind scheinbar sehr bestimmt im Costüm 
von 1500 oder später gehalten. in den mannigfachen Ornamenten ist 
nur spätgothischer Charakter, nochkeine Andeutung von Renaissance.  
In gewissem Betracht erinnert mich der Meister an Wohlgemuths Ideal- 
bildungen. 
Köln. Sammlung des verstorbenen Dr. Kerp.  Madonna 
mit dem Kinde, von dem sog. Lucas v. Leyden. Völlig in seiner Weise, 
auch im Ornamentistischen. Aber das krüppclhafte langbeinige Kind, die 
dickknöchernen Hände u. dergl. sind hier, bei einem Gegenstande der 
reinen Lieblichkeit und bei dem Streben danach, um so empfindlicher. 
Köln. Gemäldesammlung des Hrn. Zanoli.  Höchst merk- 
würdig ein massig grosses Gemälde der heiligen Nacht mit der (sichern) 
Jahrzahl 1516. Das neugeborne Kind von der Madonna und vielen En- 
gel-nvprehrt, der h. Joseph zur Seite, hinterwärts hereinschauende Hirten, 
lobsingenrle Engelchen oben in der Luft, in der Ferne die Zuge der hh. 
drei Könige. Das Licht geht von dem Kinde aus und beleuchtet mit 
grösserer und schwächerer Kraft die Umgebenden, was mit sehr erfreu- 
lichem Geschick durchgeführt ist. Vorn links der Donator (dem Wappen 
zufolge ein Kölner, Hermann Gryn,  nach de Noöls Mittheilung), rechts 
seine Frau. jedes an einem besonderen Betpult, auf dem ein Licht steht, 
knieend. Die ganze Auffassung dürfte das Bild etwa zu einer Parallele 
des sogenannten Lucas v. Leyden machen; die (übrigens unschönen) Engel- 
chen oben haben etwas Aehnliches, so auch der ganze zierliche Effekt. 
Dabei aber ist nichts Gesuchtes darin, die Auffassung ist vielmehr natura- 
listisch, der Vortrag frei und leicht. Manche Köpfe, mehrere der Engel 
um das Kind, die Hirten sind ganz genrehaft behandelt (die Engel zum 
Theil zu derb); die Madonna aber, in dem zart spielenden Lichtschim- 
rner, ungemein lieblich. 
Köln. Bei Hrn. Merlo.  Bild von dem Meister der heil. Nacht 
bei Zanoli. Bezeichnet 1515. Auf dem Mittelbilde (wo das Datum) die 
Krönung lirlariä. -Auf den Flügeln rechts der h. lvo, links die h. Anna. 
(Es scheinen Portraits der Donatoren, den Wappen zufolge aus der Familie 
de Clapis.) Auch hier jene kräftige erfolgreiche Naturalistik, jene bräunli- 
chen Töne und Neigung zum Helldunkel. Der Kopf der Madonna ganz artig. 
Christus und Gottvater nicht bedeutend. Die Engel erscheinen völlig als 
Geschwister von denen bei Zanoli. Die Anordnung sehr bedeutend, doch 
nach hergebrachter Weise. Die beiden Bildnissköpfe, besonders der weib- 
liche, sehr ausgezeichnet. Gute landschaftliche Gründe in dunkeln Tönen. 
 AUSSEII GTß-ll in Grau die Verkündigung. der Engel ziemlich albern.  
Das Bild ist kleiner als das bei Zanöli, 
Köln- Musellm-  Das Gemälde des (irrthümlich) als Schoreel 
bezeichneten Meisters Nicht hohes, längliches Format. Auf dem Rahmen, 
10h eingedrückt, die Jahrzahl 1515, die aber in dieser Art, obgleich sie 
die alißrthümlicbe Form der Ziffern nachahmt, nicht ächt sein kann.  
Das ltlittßlbild mit dem Tode der Maria. Ziemlich zerstreute Composition, 
kleinlich schwerfälliger Faltenwurf, unangenehme gespreizte Stellungen 
(wie Aehnliches auf den Sculpturen des 'l"oxals in der Kapitolskirche). 
Die Köpfe zum Thßil mit seltsamer Gesichtsbildung, kein tieferer Aus-
        

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