Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494925
304 
Rhei 
nreise, 
1841. 
Zweiter 
Abschnitt. 
(Erste Notiz.) Die Bilder erscheinen mir bedeutender als die acht 
Tafeln der Passion. Es ist in den Gestalten zum Theil eine glücklichere 
statuarische Würde, z. B. in der Maria und noch mehr in dem Johannes 
unter dem Kreuz; die Behandlung der Gewandung ist nicht so einseitig, 
in den Köpfen mehr Gemüth und Gefühl. (Sogar in den Pfcrdeköpfen 
ist etwas Eignes, was ich beinahe geistreich nennen möchte.) Jedenfalls 
ein Bild, das ein höheres Stadium der Ausbildung bezeugt; also ein jünge- 
TES Bild desselben Meisters, oder eines jüngeren derselben Richtung; 
(Zweite Notiz.) Wenn das Werk von dem Meister der Grablegung 
im Museum (vergl. unten), so ist, es doch viel früher. Hier ist noch viel 
mehr Flandrisches (Hemlingsches) , mehr Gestrecktes, mehr Dürres und 
seltsame Wendungen; obgleich diese Bilder auch schon höchst bedeutend 
und in den Köpfen trefflich und mit edlem Sinn durchgebildet sind. Die 
Farbenstimmungist ganz ähnlich silberartig. In dem Muscumsbilde zeigt 
sich überhaupt mehr Energie, und vor Allem Ain den Köpfen viel mehr 
energische Plastik, während hier in den Köpfen eine zarter flanrlrisctn; 
Malerei vertritt.  
Cues. Hospital.  Gcniälrle des sogenannten Israel von Mecke- 
nen, ursprünglich der Kapelle des Hospitals angehörig, nachrnals verkauft. 
von Görres erworben undvon demselben, unter dem Beding, dass es die 
ursprüngliche Stelle wieder erhalte, zurückgegeben. (Ich sah cs zu Düssel- 
dorf in der Restauration, die durch den dortigen Kunstverein veranlasst 
war.)  Eine bedeutend tigurenreiche Kreuzigung. Auf den Flügeln die 
Dornenkrünung und Grablegung; auf den höheren Ecktlteilen, welche die 
erhöhte Mitte des Mittelbildes decken, S. Nicolaus und Petrus. Auf den 
Aussenseiten der Flügel zweimal drei Heilige und auf den Eckthcilen zwei 
Propheten.  Die inneren Bilder haben Landschaften und Goldgrund. 
Auf dem Mittelbilde sind der Kardinal Cusanus und sein Kaplan, knieend, 
der Kardinal (geh. 1401, gest. 1464) im höheren Alter und mit spärlich 
weissen Haaren, angebracht; daneben sein Wappen (ein Krebs). Es ist 
ein sehr treifliches Werk des Meisters der zweiten Reihe und scheint be- 
sonders der ehemals Lyversbergschen Kreuzigung nahe zu stehen. Geist- 
voll zart durchgebildete Köpfe, und wieder jene qnasi-geistreichen Pferde- 
köpfe.  Die Aussenseiten wohl nur Schülerarbeit, doch tüchtig, aber 
stark übermalt. 
Köln. Gemäldesammluug des Hrn. Zanoli.  Von dem soge- 
nannten Israel von Meckcnen: Madonna mit dem Kintle und dem h, 
Bernhard, halbe Figuren, dem Bilde des Berliner Museums (Nr. 1235) sehr 
ähnlich, der Madonnenkopf höchst anmuthig Die Composition ganz artig: 
das Kind sitzt vorn auf einer Art Brüstung und reicht lächelnd zur Mutter 
ßmPßh die ihm dißßrllst zu geben im Begriff ist, während Bernhard seine 
Hand liebkosend auf die Füsschen des Kindes legt 
EbendaSelbSt.  Von dein sogenannten Israel von Meckenen: 
136811911 der Maria bei der EliSabeth, ganze Figuren, schön componirt, die 
Gesichter voll tiefer stiller Aumuth; in der etwas strengen Weise des Mei- 
sters. Dem Berliner Bilde ebenfalls entsprechend und ein vorzügliches 
Exemplar des Meisters.  Die ehemalige Rückseite des Bildes: Eine ste- 
hende Madonna mit zwei weiblichen Heiligen. Viel mehr untergeordnet 
und gewiss nur von Schülerhand. Die Köpfe stark restaurirt. 
Ebendaselbst.  Von dem sogenannten Israel von Meckenen: 
Johannes der 'I'äufer, stehende Figur; trcfflicher Kopf, treffliche volle,
        

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