Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494905
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Rheinreise 
1841. 
Zweiter Abschnitt. 
eine Schularbeit und im Einzelnen die Theilnahme eines vorzüglichen Mei- 
sters vermuthen. 
(Dritte Notiz.) Die Lyversb. Passion ist unbedenklich von andrer 
Hand als die Bilder bei Zanoli und die Kreuzabnahme im Museum. Eine 
Verwandtschaft mit den letzteren zeigen, ausser dem allgemeinsten Formen- 
priucip, eigentlich nur die besseren Köpfe.  
Sinzig. Kirche.  Das grosse Altarwerk des sogenannten Israel 
von Meekenen. 1) Das Mittelbild (mit Einschluss des Rahmens) 7 Fuss 
 Zoll breit, 5 Fuss 572 Zoll hoch (der Rahmen 23], Z. breit). Jeder 
Flügel halb so breit.  Im Mittelbilde die Kreuzigung, wobei als Haupt- 
figuren unter den drei Crucitixen hervortreten: Petrus, Maria, Johannes 
und Andreas. Ausserdem eine Menge grösserer und kleinem;- Nebenßgu- 
ren. Auf den Seitenbildcrn links die Himmelfahrt, rechts der Tod der 
Maria. (Die Aussenseiten der Flügel waren mit Heiligenfiguren bemalt, 
die aber ganz erloschen sind.) Jedenfalls eins der vorzügliehsten Beispiele 
des Meisters; seine ziemlich eckige WVeise hier nicht gar übertrieben und 
die Figuren doch wenigstens den Hemlings gleich. Die Köpfe, mehrfach zwar 
naturalistisch, sind sehr charaktcrvell (inrchgeführt, fein ausgebildet und 
zum Theil mit (iem Ausdrucke tiefen innerlichen Gefühles. Die Farbe ist 
theiliveise in schöner niederländischer Art gehalten, nur die Modellirung 
meist sehr scharf.  Das Werk ist im Wesentlichen (lurchaus intact, weder 
übermalt noch verputzt. Aber es hat, vielleicht durch Feuchtigkeit, inso- 
fern sehr gelitten, als die Farbe sich mehrfach von der Leinvyantl, die 
über das Holz gezogen, losgelöst hat und in grösseren und kleineren Stücken 
abgefallen ist. Doch ist dieser Schaden wieder insofern nicht ausseror- 
dentlich bedeutend. als er meist nur Gewandung u. dergl. betrifft und das' 
Verlornesieh aus dem Zuge des Ganzen meist überall sehr leicht errathen 
lässt. Nur an wenig Stellen hat dies grössere Schwierigkeiten. Von den 
Gesichtern und sonstigem Nackten ist glücklicher Weise nur sehr Wenigcs 
beschädigt; zumeist sind dies nur kleine VStückchen, die abgesprungen. 
Linz. Kirche.  Altarwerk des sogenannten Israel von Meck e- 
nen, auf der südlichen Empore befindlich, angeblich aus der dortigen 
vormaligen Rathskapelle stammend. 
(Erste Notiz.) Reich und bedeutend, ebenfalls (wie das Sinziger 
Bild) sehr gross. Die Mitteltafel in vier Abtheiltlngen: 
1. Geburt Christi. 3. Anbetung "der Könige. 
2. Darstellung im Tempel. 4. Maria und Christus thronend. 
Auf dem linken Flügel die Verkündigung Mariä, auf dem rechten das 
Pfingstfest und darüber (nicht als abgesondertes Bild) die Krönung Maria. 
Alle diese Darstellungen der inneren Seiten auf Goldgrund.  
Das Werk scheint mir noch bedeutender als jenes in Sinzig. Im Ein- 
zelnen ist ausserorrlentliche Anmuth, besonders in den Madonnen. Auf 
Nfß- 4, das 565011 an SiCh gar schön und tief empfunden ist, sind die 
musicirenden und singenden Enge] zu den Seiten des Thrones überaus 
anmuthig. Auf dem Pfingstbild ist die Mannigfaltigkeit der Köpfe und die 
Krönung gar schön. Gewiss einer der besten Nachfolger der Eyckschen 
Schule.  Das Werk ist gar nicht so sehr beschädigt, wie gesagt wird. 
1) Ich Sah dies qemälde früher als die übrigen derselben Collectiv-Benerl- 
nnng und noch unbefahigt zum näheren Vergleich mit denselben. In Bezug auf 
die angegebene" BßSßhädignngen bemerlm ich, dass das Bild seitdem restanrirt ist.
        

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