Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494890
Studien 
Rhein 
und Mosel. 
Malerei. 
von Meckeneu 
4. Israel 
etc. 
301 
nisches Element zu bemerken, z. B. in der Haltung 
ist das Bild in moderner Zeit völlig übermalt, 
der Madonna. 
doch 
von Meckenen 
4. Malerei von der Epoche des sogenannten Israel 
bis Bartholomäus de Bruyn. 
Köln. Bei Hrn. Baumeister (früher in der Lyversbergschen 
Sammlung).  Die „Lyversberg'sehe Passion" des sogenannten Israel von 
Meekenen. Acht Tafeln mit Darstellungen der Leidensgeschichte Christi, 
jede 2 Fuss 11 Zoll hoch und 2 F. 13], Z. breit, aus der ehemal. Karthause 
zu Köln stammend. Goldgrund; landschaftliche und architektonische Aus- 
stattung; mannigfaltiges Kostüm. 1) 
(Erste Notiz.) Die Tafeln haben mir, was das Ganze betrifft, nicht 
sonderlich zusagen wollen. Fürs Erste ist der Meister wohl ziemlich ent- 
schieden als Nachfolger des Hemling zu betrachten, aber das gestreckt 
Klappartigc in den Gestalten tritt bei ihm noch ungleich stärker hervor. 
Dann sind die Köpfe der YVidei-sacher doch meist ziemlich plump und 
roh. Edlere Naturen jedoch sind meist nobel gebildet und namentlich 
ist von dem Christuskopfe die Bemerkung des Katalogs der Lyversberg- 
schen Sammlung richtig, dass der Ausdruck in ihm auf so würdigetwie 
verschiedenartige Weise durchgebildet sei. Besonders ist der Kopf des 
(Pilatus in der Scene der Iländewaschung durch Würde, Charakter und 
momentanen Ausdruck vortrefflich. Der Faltenwurf ist aufs Entschiedenste 
eckig geschnitten. Die Farben haben theilweise sehr gelitten; im Ganzen 
scheinen sie schon nicht mehr die Tiefe und Zartheit der Eyckschen Far- 
ben zu haben. (Dass das Bild im Berliner Museum, Nr. 1235, von dem- 
selben Meister sei, ist mir nicht entschieden evident.) 
(Zweite Notiz.) Die Lyversbergsche Passion steht auf viel niedrigerer 
Stufe, als der Krenzigungsaltar bei v. Geyr und die Kreuzabnahme imMuseum. 
(S. über beide das Folgende.) Die Compositionen sind unbedeutend und 
mit Charakterköpfen überfüllt; den Figuren fehlt durchweg alle körper- 
liche Kraft und höherer Styl. Das Klappartige ist sehr vorherrschend, die 
Gewandung scharf geschnitten, aber dochmeist nur oberflächlich angelegt. 
Der Farbenton warm kräftig, im Einzelnen selbst bunt. In den Köpfen 
fehlt im Allgemeinen der edlere Sinn; die der Widersacher steigern sich 
bis zur Karikatur; die edleren. die in Dreiviertel-Face genommen sind, 
erscheinen auch nicht gerade bedeutend. Vorzüglich sind nur mehrere 
Faee-Köpfe, wie mehrere des Christus, der Pilatus u. s. w.; in diesen findet 
sich auch eine eigenthümlich feine Durchbildung. Im Allgemeinen ist 
die Hemlingsche Grundlage sehr entschieden. Man möchte in den Bildern 
1) Die, wie bekanntl irrthümliche Bezeichnung durch den Namen desIsrael 
von Meckenen oder dle Benennung des "Meisters der Lyversberg'schen Pas- 
sion" für eine Anzahl ausgezeichneter Gemälde des 15. Jahrhunderts kann nur 
als Collectiv-Benennung gelten, da hiebei, wenn auch in verwandtem Kreise, 61'- 
heblich verschiedene Richtungen zu unterscheiden sind. Ich gebe im Obigen 
meine Notizen, wie ich Sie VW ßinßm Theile dieser Bilder, mehrfach nach wie- 
derholter vergleichender Betrachtungv "iedelßeschrieben habe.
        

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