Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494883
300 
Rheinreise, 
1841. 
Zweiter Abschnitt. 
tor, ein Geistlicher mit dem Spruchband: „O maria: fac me vere tecuin 
tlere." Zu den Seiten des Kreuzes schweben klagende Engel. Maria (auch 
Johannes) in eigenthümlicher Grossheit und Feierlichkeit.  _Auf den 
Flügeln: links die Verkündigung und darunter die Geburt Christi, rechts 
die Himmelfahrt der Maria und darunter ihr Tod. In den Flügelbildern 
ist etwas mehr als im Mittelbilde das germanische Element festgehalten, 
das aber fast giottistisch, zum "Theil in eigner Grossartigkeit ausgebildet 1St- 
Dabei ist die Linienführung weich, zwar schon ins eckig Gebrochene 
übergeheud, doch noch nicht manierirt. In den Köpfen herrschen weiche 
rundliche Formen vor, hin und wieder mit naturalistischer Neigung, aber 
auch hierin eigenthümlieh grossartig. Die Farben sind voll und kräftig. 
Ueberhaupt ist das Altärchen höchst bedeutend und gewiss eins der merk- 
würdigsten Werke der Zeit. Ich möchte es in manchem Bezuge fast mit 
Taddeo di Bartolo vergleichen.  Auf den Aussenseiten der Flügel ist die 
Kreuzigung in mehreren Momenten dargestellt. Derselbe Styl, aber be- 
trächtlich verdorben. 
Köln. Sammlung des verstorbenen Dr. Kerp.  Madonna mit 
dem Kinde, nur Brustbild, vielleicht Fragment eines grösseren Bildes. Sehr 
schöner und durchgebildeter Kopf. in den Hauptforinen wieder Reminiscenz 
an Meister Stephan, doch energischer und wohl mehr tlandrisch in der 
Farbe. Das Bild scheint mir, trotz des bedeutend grösseren Maassstabes, 
völlig entschieden dem Meister des ebengenannten Altärchens im Museum 
anzugehören. Hier erscheint, obgleich das Bild gewiss rein deutsch ist. 
die Verwandtschaft mit Taddeo di Bartolo noch viel deutlicher. Das Kind 
ist klein, scharf, nüchtern und unschön. Darin zeigt sich schon Verwandt- 
schaft mit dem sogenannten Lucas v. Leyden und all den hässlichen Kini 
dermalern. 
Münstereiffel. Pfarrkirehe.  In der Krypta, in einem besoii- 
dern Gitter, ein grosser Kasten, der den (modernen) Reliquieukasten der 
lih. Chrysanthus uud Daria, der Schutzpatronen der Kirche, einschliesst. 
Auf den eisernen Vorderseiten dieses Kastens (den Thüren) sieht man 
aussen und innen die beiden genannten Heiligen gemalt, auf Goldgrund, 
sehr handwerksmässig, aus der Zeit um 1450, im damaligen kölnischen 
Uebergangsst le. 
Köln. yMuseum.  Bild vom J. 1458. Ziemlichgross:Crucifixus mit 
Maria, Johannes und dem knieenden Donator. Auf dem alten Rahmen die ln- 
schrift: „Wernerus wilmerinck de borcken psbiter maioris ct huius eccliai-um 
canonicus fieri fecit saeristiam de novo suis expensis pro memoria sua. 
Anno dni m" cccc" lviii. Orate pro eo."  Sehr wichtig als Bezeichnung 
der Scheide zwischen älterer und späterer kölnischer Schule. Die Grund- 
lage in Körper- und Gesiehtsbildung, auch manch ein Motiv der Gewam 
dlmg, ist noch alikölnisßll- Doch zeigt sich in der Körperbildung, beson- 
ders der des Gekreuzigten, schon viel mehr unbefangene Naturbeobachtung, 
auch ist die Gewandung schon ungleich mehr in dem eckigen Style durch- 
gebildet. Die Farbe hat nichts mehr von dem durchsichtigen Schmelz. 
Schwarzer Grund. 
Köln- St. AndYCaS-  In einer Kapelle des nördlichen Seiten- 
schills ein Altarbild vom J. 1474: Maria mit dein Kinde als Mutter der 
Gnaden, mit ZWCi Heiligen und vielen Kniocnden. Hier ist noch altköl-
        

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