Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494682
280 
Rheinreise, 
184i. 
Abschnitt. 
Zweiter 
St. Goar. Stiftskirche.  In einer der Seitenkapellen das Mau- 
soleum des Landgrafen Philipps des Jüngeren von Hessen (gest. 1583) und 
seiner Gemahlin. Zwei Epitaphien, einander gegenüberstehend an den 
Seitenwänden, grösstentheils von Marmor. Sehr brillante Renaissance mit 
etwas Rococo-Anllug. Die Portraitgestalten in Nischen, sauber, doch wie- 
dernm etwas starr. Nebenfiguren im Goltzius'schen Style. Das Dekora- 
tive vortrefflich. Auch das Gewölbe der Kapelle mit reichen, zum Theil 
figürlichen Sculpturen. 
 Köln. Minoritenkirche.  Im Chor zwei interessante Marmor- 
monumente. Das eine mit der Ueberschrift: "Joanni Baptistw Tassio, 
er nobili apud Bßrgamdß flüssivrum familia Fwsseni (inclita comitatus 
Tyrolensis civitate) nato, qui dum post multa apud Belgas militaria munia 
pro invictiss. Hispaniarum rege Philippo prwclare gesta przzfectus Germa- 
nicw legionis ad Bormce obsidionenz expeditiovzem agit, ex insidiis plumbew 
glandis ictu infeliciter cecidit." Und mit der Unterschrift: "Monimentunt 
hoc Innocentius pater jilio mcestus posuit. Viwit annos plus minus XXAYVIY 
Obiit XII. Kal. Zllajus. Anno JIIDLXXXVIIL" Weisser Marmor auf 
schwarzem Grunde. Der knieende Ritter in Hautrelief; hinter ihm, in 
flachem Relief, Johannes der Täufer, ihn hinweisend auf den gekreuzigten 
Heiland; dieser in freier Figur. Recht tüchtige und saubre, ob auch ge- 
rade nicht sehr geistreiche Arbeit. Zu den Seiten der obern Inschrift zwei 
tüchtige Karyatiden. 
Das andere Monument, jenem gegenüber, ist einem österreichischen 
Baron „Philipp Friedrich Preinerus", der in demselben Jahre (1588), einund- 
zwanzig Jahr alt, vor Bonn an einer Krankheit gestorben, von seinen Eltern 
errichtet. Ganz ähnliche und noch etwas besser durchgeführte Arbeit. Der 
Ritter allein vor dem Gekreuzigten knieend, und zwei grössere Karyatiden 
zu den Seiten der Darstellung. 
Kirche zu Name dy.  Zwei bemerkenswerthe kleine Grabsteine. 
Der eine noch aus der ersten Hälfte des löten Jahrhunderts, mit der In- 
schrift: "1543. Nobilis hie Hermanna jacet virguncula patre Husmamzo 
sed matrje Elceo stemmate nata. Hie liegt Jungfrawe Hermanna zart. ge- 
born Husmanvz edler Art." Die kleine Mädchenfigur ziemlich artig, doch 
nicht sonderlich künstlerisch. 
Der andre ein kleines Epitaphium, freistehend im Chore. Es ist dem 
Anton, Söhnchen des „Joh. Ludwig Ilausmaitn zu Nantedi", gest. 1580, 
gesetzt. Sehr ansprechendes Figürchen, 18 Zoll hoch, in einer Nische mit 
vier Wappen stehend; das Ganze beinahe drei Fuss hoch. Allerliebste, 
sehr naive Naturwahrheit. Kostüm: Halskrause, kurzes Mäntelchen, Pump- 
höschen bis ans Knie, Tricotstrümpfe. Das Gesicht und die gefalteten 
Händchen leider beschädigt. 
 "Bacharach. Pfarrkirche.  Epitaphinm des Meinhardt von 
Schollberg, gest. 1596. Handwerklich tüchtig. Portraitügur in Relief, in 
barocker Umrahmung.  
Kirche zu Heimersheim.  Im südlichen Flügel des Querschiffcs 
ein zlernhch barocker Altar, zum Gedächtniss des Johann von Metternich, 
Herrn von Vettelhoven etc. (gest. 1561) und seiner Gemahlin Katharina von 
11617 LEYCÄ (gest- 1534) von ihrem Sohne Lothar, Erzbischof von Trier (1599- 
1693) eYYlchlet. Hauptdarstellung: Krenzschleppung in Alabaster, figurcn- 
reich und sauber gearbeitet, doch in dem manierirten Style der Zeit. Die
        

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