Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494676
Studien 
Rhein und Mosel. 
Sculpturen 
nach der Mitte d. 16. 
J ahrh. 
279 
grafen bei seinen Lebzeiten und nach dem Tode der Gemahlin errichtet. 
Das glänzendste sämmtlicher Denkmäler. Eine überaus brillante Barock- 
Architektur auf drei freistehenden Säulen, mit vielfacher, zum Theil treff. 
lichcr Dekoration; die Mittclsäille reich mit Arabesken und Armaturen 
bekleidet. Zwischen den Säulen die Statuen des Pfalzgrafen und sei- 
ner Gemahlin; sehr reich und sorgfältig ausgeführt, aber ohne höheres 
künstlerisches Gefühl; die Haltung bei beiden steif, besonders unangenehm 
bei der Dame, deren Rock fast wie eine dekorirte Tonne anlllsßllßllell. 
Doch gewähren sie in andrer Beziehung, z. B. wegen der grossen Sorgfalt 
und Genauigkeit in der Behandlung des Kostüme, ein namhaftes Interesse; 
besonders zierlich ist u. A. das Jagdgeräth, das der Pfalzgraf um und an 
sich hat, sculptirt. An dem reichen Unter- und Oberbau des Monumentes 
sind zehn Reliefs mit kleinen, meist figurenreichen Darstellungen aus dem 
alten und neuen Testamente enthalten; sie sind sauber, aber im manierir- 
ten Style der Zeit und mit vielen Fehlern gegen die Gesetze der Plastik 
gearbeitet. Im Allgemeinen ist noch die technische Meisterschaft in der 
Behandlung des Steines hervorzuheben 1). 
Monument der Aemilia, geb. Herzogin von Württemberg, zweiten 
Gemahlin des Pfalzgrafen-Richartl (gest. 1589), im verfallenden Chore der 
Pfan-kirche, Schon ganz verdorbene Barock -Architektur. Die Figur, 
bei Seite gestellt, in dem schwerfällig reichen Style des cbengenannten 
Denkmals. 
Im Schiff der Kirche noch eine Reihe von Epitaphien derselben Zeit 
und Schule, Inschrift- oder Wappentafeln, zumeist wie es scheint von hö- 
heren Dienstleuten des pfalzgrätlichen Hofes, mit Umrahmungen im ba- 
rocken Renaissance-Styl. Darunter manches recht Ansprechende. 
Kirche zu Gemünden (auf dem Hundsrück).  Mehrere Epitaphien 
der Familie von Schmidburg, denen in Simmern verwandt, w0hl' etwas 
später, zum Theil aus dem Anfange des siebzehnten Jahrhunderts; aber 
ungleich roher, noch weniger Lebensgefühl und noch viel mehr Puppen- 
Charakter. Die Architekturen der Monumente übrigens bunt und lustig 
mit Wappen geschmückt. 
Kirche zu St. Arnual.  Dieselbe besitzt, ausser den älteren, schon 
früher erwähnten Monumenten, eine nicht unansehnliche Reihenfolge von 
Grabdenkmälern des grätlich Nassau-Saarbrückenschen Hauses aus der 
zweiten Hälfte des sechzehnten und dem Anfange des siebzehnten Jahr- 
hunderts. Es sind durchweg nur handwerksmässige Arbeiten mit schwer 
barocker architektonischer Umgebung. Sie finden sich bildlich dargestellt 
in dem Werke von Chr. W. Schmidt: ,Die Grabmäler des Hauses Nassau- 
Saarbrücken zu St. Arnual, Saarbrücken und Ottweiler. Trier, 1846." Da 
sich ein weiteres künstlerisches Interesse an dieselben nicht anknüpft und 
ihren sonstigen Interessen, z. B. für Kostümgeschichte, das eben genannte 
Werk durchaus Genüge leistet, so führe ich sie hier im Einzelnen 
nicht auf. 
1) G. Becker, von dem im Kunstblatt, 1838, Nr. 88 f. eine Beschreibung 
der obigen Denkmäler geßebe" 1st, hat die, allerdings wahrscheinliche Ver- 
lnuthung aufgestellt, dass 3.01165 Bmsse Monument Richards von dem Meister 
Johann von Trarbauh herrühre, der als Schultheiss und Bildhauer zu Alten- 
Simmern lebte und 1.368 das Denkmal des Grafen L. G. von Hoheulohe- uud 
Seiner Gemahlin iu der Stiftskirche zu Oehriilgen gefertigt hatte.
        

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