Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494632
Studien 
3D 
Rhein 
und 
Mosel. 
Sculpturen 
des 
Jahrh. 
275 
Ein änsserst brillantes Werk, an welchem sich, wie in der Sculptur, so 
noch ungleich mehr in der architektonischen Dßküration, schon mit Ent- 
schiedenheit das Element der Renaissance geltend macht. Vielleicht ist 
dies unter fremdländischem (flandrischem oder französischem) Einfluss ge- 
schehen. Beich zusammengesetzte Pfeiler mit bunten zusammengesetzten 
Kapitälen tragen die hohe Brüstung; diese wird wieder durch eine bunte 
Architektur ausgefüllt, indem ähnlich gestaltete Pfeiler das bunte lrlaupt- 
gehälk, mit zierlich dekorirtem Friese, tragen. während sich zwischen 
den Pfeilern barocke, aber höchst. brillant und selbst ziemlich geschmack- 
voll dckorirte Nischen bilden. Die Nischen sind theils schmaler und mit 
je einem Baldachin bedeckt, theils breiter, mit je zwei Baldachinen. In 
den letzteren sieht man oberwärts in stark vortretendem Hautrelief bibli- 
sche Scenen, des alten und des neuen Testaments, dargestellt (im Ganzen 
acht) und darunter en medaillon je zwei Wappen. In den schmalem Ni- 
schen sind stehende Statuen, Personen des alten Bundes und christliche 
Heilige (im Ganzen zwei und zwanzig) enthalten. Der Styl der Sculptu- 
ren istvüberaus merkwürdig. Es ist noch viel heimathliches Element darin, 
besonders in den historischen Darstellungen, nur von Manier und gespreiz- 
tem Wesen nicht frei, zum Theil aber doch auch den guten Arbeiten eines 
Veit Stoss sehr nahe stehend. Bei den Statuen tritt dies manierirt Alter- 
thümliche minder auffällig hervor; vielmehr zeigt sich bei ihnen in der 
Gewandung und auch in der ganzen Körperlichkeit ein schöner freier Sinn 
und edler klarer Styl, der besonders in der Darstellung der christlichen 
Heiligen sehr interessante Erscheinungen hervorgebracht hat. Zum Theil 
aber macht sich daneben ein Streben nach Schaustellnng auf sehr entschie- 
dene Weise bemerklich, besonders in den Statuen der Propheten, die 
charakteristisch auf die späteren Entwickelungsmomente der Kunst hin- 
überdeuten. 
Köln. Dom.  Epitaphien. 
Das des Domkapitulars Arnold Haldrenius, gest. 1534, an einem der 
Kreuzpfeiler der Nordseite. Relief des Christus am Oelberge, in einem 
Renaissance-Rahmen. Die Anlage der Sculptur tüchtig, das Gefühl recht 
gut im Sinn der Renaissance, die Ausführung jedoch nicht sonderlich 
bedeutend. 
Das des Anton Keyfeld, gestorben 1539, an einem, der Kreuzpfeiler der 
Südseite. Hautrelief der Auferstehung Christi. Ükeifliche, noch heimische 
Renaissance, etwas derb behandelt, doch jedenfalls eines der bessern 
Monumente der Zeit. Zum Theil beschädigt. 
Das des Haso Scherrer von Britzheim (ohne Datum), an einem Pfeiler 
der nördlichen Chor-Abseite. Kreuzigung Christi im Renaissance-Rahmen. 
Nicht sonderlich bedeutend. 
Grabmonument des Erzbischofes Theodorich, Grafen von Mörs (gest. 
ursprünglichen Beschaffenheit als eine Art Emporhühne, welche mitten im Mittel- 
felde zwischen den drei Absiden der Kirche gestanden habe; auf dem darunter 
betindlichen Altar sei (wie auch das ebengenannte Werk angiebt), das bekannte 
Sogenannte SchoraeYsche Gemälde des Todes der Maria, welches mit der Bois- 
seredschen Sammlung in die Pinakothek zu München gekommen ist, befindlich 
Eßwesen. Nach de Noöls Angabe soll, ausser der Jahrzahl, auch der Name 1195 
Meisters, nlloland", an dem Werke zu lesen sein. Ich habe denselben jedvßh 
nicht finden können.
        

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