Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1494586
270 
Rheinruise, 
1841. 
Zweiter 
Abschnitt. 
Frühzeit des sechzehnten Jahrhunderts liebt. (Neu bemalt und blank ver- 
goldet. Die Flugelgemälde unbedeutend.) 
Kirche zu IE uskirchen.  Grosser Schnitzaltar, dessen Flügel nicht 
mehr vorhanden, im nördlichen Seitenschid. Oben in der Mitte die heilige 
Sippsehaft, ausserdem drei legendarische Scenen; unten die Verkündigung. 
die GeburLChristi, die Anbetung der Könige, nebst den Figuren von Johan- 
nes und Paulus. Reiche Compositionen mit kleinen Figuren; auch diese 
in der naiv spielenden Weise des sechzehnten Jahrhunderts. Besonders 
geistreiche Auffassung nur selten, am meisten noch und am meisten ge- 
halten in den Legendenscenen.  
Kirche zu Merl (ein unbedeutendes, roh gothisch modernisirtes Ge- 
bäude),  Schnitzaltar, etwa aus der Periode von 1520, in der Anordnung 
und in der Behandlung der Sculpturen nach dem Muster des grossen Alta- 
res von Klausen, doch ohne sonderliches Glück. Scenen der Passionsge- 
schichte in mehreren Abtheilungen, unterwärts eine Reihe von Scenen aus 
der Kindheit Christi. Mancherlei Erfindung im Einzelnen, aber die Figu- 
ren klein und puppenmässig gehalten und das Ganze ohne höher künstle- 
rische Bedeutung. (Ueber die, im Styl abweichenden Gemälde der Flügel 
s. unten.)  
Münstermayfeld. St. Martin.  Grosser Schnitzaltar, früher wohl 
auf dem Hochaltar; jetzt die Schnitzwerke und die Flügelgemälde, jedes 
besonders, über den Altären der Seiten-Absiden aufgestellt. Das Schnitz- 
werk (Altar der südlichen Seiten-Absis) wiederum dem des Altar-es von 
Klausen, wie dem von Merl entsprechend. Scenen der Passionsgeschichte 
(Kreuztragung, Kreuzigung und Kreuzabnahme) und Scenen aus der Ge- 
schichte der Maria. Das Ganze, bei allerhand Eriindungsgabe, doch wieder 
sehr puppenartig und bänkelsängerisch, ohne höheren Schwung; manches 
Gesuchte, doch auch manches Humoristische von genrehaft phantastischer 
Art. (Ueber die, ebenfalls abweichenden Flügelgemälde s. unten.) 
Köln. Dom.  Grosser Schuitzaltar in der Nikolauskapelle, aus der 
ehemaligen Stiftskirche St. Maria ad gradus herrührend. Ueberaus reiches 
und grosses Werk, wiederum in der Weise des Altares von Klausen und 
etwa nach dessen Muster in die Höhe gebaut. Im Mittelschrein bilden sich 
tiefe, reich ausgefüllte Nischen, so dass die Figuren, namentlich die der 
kleineren Nischen, sich mehr als vollständige Gruppen, denn als Haut- 
reliefs gestalten. Ueber den Gruppen sehr reiche Baldachine und andres 
Ornament aus spätest gothischer Zeit. Oberwärts drei grogse Darstellun- 
gen, die Kreuztragung, die Kreuzigung, die Abnahme vom Kreuz und 
Grablegung; an den Seitenwänden derselben vierzehn ganz kleine Darstel- 
lungen aus der Passionsgeschichte. Unter jenen grösseren sechs kleinere 
Scenen aus dem Leben Christi. Ausserdem an der Staffel des Altares: 
Maria und der verkündigende Engel. Der künstlerische Werth dieser, in 
den Gewandunäen fast ganz vergoldeten Schnitzwerke ist nicht gar erheb- 
lich; die Compositionen sind überfüllt, den Figuren fehlt es, bei derb 
naturalistischer Auiiassung, an der höheren Würde, die Behandlung ist 
ziemlich schwer. Es ist eine der letzten Aeusserungen selbständig heimi- 
scher Kunst, ehe dieselbe sich den Einflüssen des Südens ganz hingiebt,  
ohne viel Sinn, doch immer noch mit guten Typen und Naivetät. (Ueber 
die Gemälde an den Flügeln und an der Staffel s. unten.) 
KiTChe 11.1 Zülpich.  Zwei reiche Schnitzaltäre. Bei dem ersten 
das Schnitzwerk in folgenden Reihen: Die Kreuzigung; die Messe Gregors
        

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