Volltext: Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte (Bd. 2)

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Rheinreise, 
1841. 
Zweiter Abschnitt. 
Schwibbögen, welche dieselben verbinden, dreisnitig, unmittelbar aus den 
Pfeilern übergehend, doch mit concaven Flächen. Sänlchen als Gurtträger. 
dass von 1440 bis 1450 das grosse Kauf- und Pilgerhalls erbaut worden ist mit 
einem Aufwand von wenigstens 3000 f1., so dass also in der ersten Hälfte des 
15. Jahrhunderts mehr denn 4000 tl. rhein. verausgabt worden sind, welche 
Ausgabe für jene geldarme Zeit äusserst gross warne) 
4) dass v. J. 1450 bis 1500 für gekaufte Güter, Zehnten und Renten sowie 
für Giiterpfanduug nach Inhalt von 45 vorhandenen Urkunden die bedeutende 
Summe von 5587 fLrheinisch, folglich im Laufe des löten Jahrh. 9:387 tl. rliein. 
Währung von den Brudermeistern der Kirche ausgegeben wurden; 
5) dass endlich von 1500 bis 1550 zu denselben Zwecken in 10 Urkunden 
5610 ü. rhein. verausgabt werden sind. 
"Es bedarf wahrlich keines grossen Scharfsinns, um aus diesen Thatsachen 
zu entnehmen, dass der Bau der St. Wendeler Kirche von 1300 bis 1360 geführt 
werden sei, weil nämlivh während diesem Zeitraum die Kirche wohl Güter- und 
Rentenschenkuugen annehmen, aber keine Immobilien kaufen konnte, was auch 
aus den vorhandenen Urkunden deutlich hervorgeht, indem sie, die Kirchenver- 
waltung, die Opfergaben der frommen Wallfahrer und die Revenuen der St. 
Wandels-Bruderschaft zu dem Bau der grossen Kirche verwenden musste. Selbst 
aus dem Umstand, dass der erste Güterkaufi J. 1375, also noch 15 Jahre nach 
der Einweihungsepoche, und nicht früher Statt hatte, erhellt, dass die Gaben und 
Renten des Baues noch zu rückständigen Schulden des Baues verwendet worden 
sind,-was um deswillen anzunehmen ist, weil sich 10 Kaufbriefe seit dem Jahr 
1375 in den angegebenen Jahren folgen, und damit im folgenden 15ten Jahrhun- 
dert, von 1408 anfangend, und in den Jahren 1413, 1414, 1415, 1417, 1418, 
1419, 1425, 1427, 1429, 1433, 1434. 1435, 1437, 1439, 1440, 1443, 1446, 
1447 und 1449 fortgesetzt, für die angegebenen Summen Ankäufe und Erwer- 
w) Der Kurfürst Jakob von Sirck schenkte im J. 1440 auf St. Lukas-Tag der 
Kirche St. Wendel einen vor der Kirche gelegenen Platz zum Bau einer Halle 
und Kaufhaus (einen vnsern vnd vnsers Stifts platz vnd flecken vor derselben 
Kirchen" gelegen, den man bysher den Kaff genannt -hat, sagt die Urkunde) da- 
mit die Brudermeister diesen Platz zu der Kirche Nutzen verbauen, und eine 
Halle und Kaufhaus darauf setzen sollen. Dieser Bau wurde in 5 Jahren be- 
endigt, und weil dieses grosse Haus erst im J. 1789 abgebrochen, und das jetzige 
Stadthaus auf einen Theil des Platzes gesetzt worden, so war dieses Gebäude mir 
(geb. 1759) und vielen noch lebenden Einwohnern hiesiger Stadt wohl bekannt, 
Diese Halle, auch Pilger-Ruh, und seit der Einnahme von St. Wende] durch 
Franz von Siekingen 1522 auch das Rathhaus genannt, weil in demselben eine 
besondere Stube zu den Sitzungen des St. Wendeler Stadtrathes eingerichtet 
war, war ganz aus Quadersteinen wie die Kirche, zwei Stockwerk hoch erbauet; 
seine Länge der Kirche und Strasse gegenüber war von 60 Fuss, und seine 
Breite gegen 80 Fuss. Dieses Gebäude nahm den ganzen Platz nicht nur des 
heutigen Stadthauses ein, sondern es erstreckte sich noch 5 Schuh vorwärts zur 
Kirche gegen Osten, ging mit der südlichen Seite 6 Schuh weiter in die Strasse. 
als der heutige Bau, zog sich gegen Westen bis 6 Schuh vor das heutige Packes- 
Haus, von da herunter in gerader Linie gegen die Hausthür des Schlosser Weis- 
gerber Hauses über, von diesem nördlichen Punkt wieder herauf auf "den östli- 
chen Eck des grossen Gebäudes; der Schlossgasse gegenüber ging und fuhr man 
unter dieser Halle durch in die untere Gasse, wesshalb sehr hohe steinerne Thore 
am Ein- und Ausgang waren. Im ersten Stockwerke wurden die Krämermärkte 
gehalten, was leicht geschehen konnte. weil der obere Stockwerk durch mehrere 
steinerne Säulen, und nicht durch Mauern getragen wurde, der zweite Stock 
diente zur Aufnahme von fremden Pilgern, und war gross genug, um 1000 Men- 
schen Raum zu geben. 
	        
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