Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1493887
200 
Rheiureise, 
1841. 
Abschnitt. 
Zweiter 
Werkes dgutgt darauf hin, dass es im Plane lag, über der Kapelle einer 
Thurmbau auszuführen. 
Abteikirche von Brauweiler.  Mit Ausnahme der älterer 
Krypta (vergleiche oben) ein grossartiger, in eigentliümlichem Reich- 
thnin durchgeführter Bau aus spätromanischer Zeit, mit Elementen des 
Uebergangsstyles 1). Das Innere der Kirche erscheint in der ganzen Aus- 
dehnung von vornherein auf Gewölbe berechnet. Im Schilf wechseln ein- 
fache viereckige Pfeiler (von zu sclilankem Verhältniss) mit solchen, an 
denen starke Halbsäulen als Gnrtträger für das Gewölbe emporsteigen. 
Darüber, von den Gurtträgern unterbrochen, laufen Wandarkaden von ziem- 
lich bedeutender Dimension hin; über diesen grosse Fenster, im Aeusseren 
mit einer Wulst-Einfassung. Die Gewölbe sind spätgothisch (mit Gurten 
von flachem Kelilenprofil); wie die ursprüngliche Einrichtung derselben 
gewesen, ist nicht recht deutlich, da auch in der Mitte des einzelnen Ge- 
wölbequadrats, über jenen Wandarkaden, romanische Halbsäulen als Gurt- 
träger emporsteigen und ein Stück Maueransatz tragen, das etwa dem An- 
satz eines Querbogens, quer über das Kirchenschiff hin, zu vergleichen 
sein dürfte. Vielleicht wären es ursprünglich sechstheilige Gewölbfelder. 
Die Säulenkapiläle sindmzumeist mit romanischem Blattwerk von später 
Art, doch von einer eigenthümlichen, fast ägyptisirenden Bildung, ver- 
sehen. Die der Hauptgurtträger aber sind grösseren 'l'heils mit figürlicher 
Sculptur herbromanischen Styles bedeckt. in der sich. sehr merkwürdiger 
WVeise, architektonische Kräfte aussprechen. indem mehrere I-Ialbflguren, 
um den Körper des Kapitäles sich umherreihend, die Deckplatte und so- 
mit auch" die Gewölhebögen karyatidenartig stützen und tragen.  Die 
Seitenschitie haben ältere Kreuzgewölbe, die an den Pfeilern durchgehend 
von schmalen Pilastern, an den Wänden durchgehend von schlanken Wand- 
säulen mit Würfelkapitälen getragen werden. Die Kreuzgurte in den Ge- 
wölben der Seiteuschiife haben schon das einfachste Birnenprofil.  Gen 
Osten ein "Querschiff. Die etwas niedrigen Schwibbögen in der Durch- 
schueidung des Kreuzes im romanischen Spitzbogen, von Pflastern getra- 
gen. Letztere haben als Bekrönnng unter dem Deckgesinise einen kleinen 
rundbogigen Fries. Die Flügel. des Querschiffes durch Chorbrüstungsmauern 
von dem Mittelraume abgeschnitten, deren äussere Seiten mit zierlichen 
Arkadennischen und Ilablettenwerk geschmückt.  Zwischen Qucrschiif und 
Absis im Zwischenfeld mit scitenschiifartigen Ncbenräumen, die von dem 
ltlittelraum durch romanisch spitzbogige Arkaden abgetrennt werden. Aus 
diesen Seitenräumen führen Thüren in die zu den Seiten der Absis stehen- 
den Thürme, die nördliche im gebrochenen Rundbogen, die südliche im 
Spitzbogen überwölbt. In den Lünetten dieser Thüren Relieforiiamente, jc 
eine sitzende Figur und geschmackvoll romanisches Blattwerk, das beson- 
ders in der Lünettefler südlichen Thür von ausgezeichneter Schönheit ist. 
 Die Absrs m1t zierlichen romanischen Arkaden geschmückt, bei deren 
oberen die Säulenschäfte in derselben Weise, wie in St. Martin zu Köln, 
mit hohen Polygonen Untersätzen, doch nicht in so übertrieben spindelför- 
1) Unter dem Abte Godesmaxm von Freimersdorf, welcher 1226 starb, wurde 
die Abtei durch eine Feuersbrunst fast ganz verzehrt. Ohne Zweifel sind die 
vorhandene Kirche und die ihr entsprechenden alten Klosterbaillichkaitan der 
nach diesem Brande exitstandene Neubau. Vergl. Ristelhueber, Beschreibung das 
Land-Arbnitshauses zu Brauwuiler. S. 25.
        

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