Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1493405
154 
Rheinreise, 
1841. 
Erster Abschnitt. 
an einer passenderen Stelle, etwa auf dem genannten Hofe, auf's Neue 
aufzurichten, würde nur geringe Schwierigkeit verursachen. Jetzt ahnt 
man kaum, dass diese Steine das Gepräge des edelsten römischen Kunst- 
styles (des ersten Jahrhundertsnach Christi Geburt), wie kein zweites 
Römerwerk in deutschen Landen (und wie auch nicht so überaus viele 
Monumente aufitalienischem Boden), tragen. während man doch sonst auch 
dem unbedeutendsteu Denkmal aus klassischer Zeit, das sich diesseits der 
Alpen findet, oft nicht genug der Ehren anzuthun weigs. 
Es geschieht gegenwärtig so Manches zur Erhaltung und zur Erneuung 
der Kölnischen Denkmäler, und es sind namentlich, seit der WVeitcrbau 
des Domes in Aussicht gestellt ist, so begeisterte Worte für ein Unterneh- 
men, welches Köln des höchsten Ruhmes theilhaftmacheu soll, gesprochen 
worden, dass es vielleicht nur der Anregung bedarf, um auch dem städti- 
schen Museum einige nähere, fördernde Theilnahme zuzuwenden. Ohne 
Zweifel ist es. nur die unzureichende Kenntniss von dem Werthe dieser 
höchst umfassenden Sammlung, wodurch die theilweise so traurige Ver- 
naehlässigung derselben seither verschuldet worden. Es scheint fast über- 
flüssig, noch besonders zu erwähnen, welche wichtige Fördernisse das 
Museum, zweckmässig und würdig eingerichtet, dem Studium der heimi- 
sehen Geschichte, der wissenschaftlichen und der Kunstbildung und ganz 
im Allgemeinen der edleren Gemüthsbildung zuführen müsste; wie das- 
selbe unter den Glanzpunkten von europäischer Berühmtheit, welche die 
Mauern Kölns einschliessen, als einer der hellsten erscheinen würde; und 
wie die Sammlung auch, falls man von jenen geistigen Fördernissen ab- 
sehen will, durch den vermehrten oder verlängerten Besuch der Fremden 
in der Stadt, der alsbald erfolgen würde, äussere, wohl ebenfalls nicht zu 
veraehteude Vortheile gewähren dürfte, während in ihr gegenwärtig ein 
grosses Kapital nicht bloss zinsenlos daliegt, sondern auch täglich mehr an 
seinem eigenen Werthe verliert. Wie grossartig, wie würdig und erfreu- 
lich erscheint solchen Einrichtungen gegenüber der vortreffliche Zustand 
der Sammlungen des Städehscben Institutes zu Frankfurt a. M., dessen Ent- 
stehung doch ganz in ähnlicher Weise erfolgt ist. wie die des Kölnischen 
Museums ! 
Wenn das letztere vorzüglich geeignet ist, eine der Hauptrichtungen 
der älteren deutschen Malerei zu vertreten, so bietet das benachbarte Dus- 
seldorf eine Gelegenheit. die italienische Malerei in ihren verschiedenen 
lüntwickelungsstufen kennen zu lernen, wie solche gewiss nicht zum zwei- 
tenmal zu finden sein dürfte. Ich meine die grosse Sammlung der Aqua- 
relle (mehr als 300 Blätter), die von Ramboux nach italienischen Wer- 
ken gefertigt sind und die seit kurzer Frist eine Hauptzierde der Samm- 
lungen der Düsseldorfer Akademie ausmachen. Allerdings sind dies nur 
Kopien, und zwar meistenthcils, da sie vornehmlich nach grossräumigen 
Wandgemälden ausgeführt sind, Kopien von beträchtlich verkleinertem 
Maassstabe. Aber sie vergegenwärtigen unsdie Originale in einer so höchst 
meisterhaften Weise, dass Sie in der That nichts zu wünschen übrig lassen; 
der Künstler hat sich überall in den Geist und Charakter seines Originales 
so vollständig hiueingearbeitet, er hat dasselbe durchweg so von innen her- 
aus, S0 im Gefühle des Ganzen, so frei von aller sklavischen Aeugstlich- 
keit, die sonst nur zu häufig den Kopien anzuhängen pflegt, reprodnzirt. 
dass seine Arbeiten vielmehr den Eindruck eines selbständigen Schaffens 
als den der Nachahmung hervorbringen. Dies ist um so mehr zu bewun-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.