Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1493334
theilweise zur Ausführung gekommen, bezeichnet,_ dass die 'l'liürme im 
Verhältniss zu dem Zwischenbau eine so gar überwiegende Breite einneh- 
men nnd dass sie aus diesem Grunde (der Theilnng der Seitenschiffe analog) 
in den beiden Untergeschossen durch Strebepfeiler und Verdoppelung der 
Fenster getheilt sind, während diese Theilung im dritten Geschoss auf- 
hört. Man stellt einer solchen Anordnung als die klarere undßglußkhßhßrß 
diejenige gegenüber, welche sich an den vorzüglichstelln glantzlißlscllcnzßt- 
thedralen findet, wo der charakteristisch vorherrschen e it e  er er wi- 
gchenbau der Fagade V01] (1611 Thürmen auf Gllle- lelChterei mlnder all." 
spruchvolle Weise eingeschlossen werde. Gewiss ist das edle Maass, wer-l 
ches sich hierin wenigstens bei einigen französischen Facaden, namenthc  
bei der der Kathedrale von Rheims, aussprxht, lriihdmlichst aäzjueäkgränglflg, 
doch scheint es mir, dass man bei solcher nsici ie eigen m ic  
deutung der Facatle des Kölner Domes, die wiederum ungleich hohere Stufe 
der Entwickelung, welche er auch dhiersin teinnämmt, glaäiäälichylillerklelrgllel. 
S0 mächtig und energisch wirksam as ys cm er am ner ur  
vertretenden Strebepfeiler ist, so gestaltet sich derselbe dennoch zu einem 
ungleich inniger zusammenhängenden Ganzen; man darf hl6f. eigentlich 
gar nicht mehr von einem Zwischenbau und von Thürmen, (118 11111 6111- 
schliessen, sprechen. Die Thürme, obgleich vollständigst in den unteren 
Geschossen vorbereitet, erhalten doch erst eine selbständige Bedeutung 
da, wo sie über dem Dache des Mittelschiifes isolirt emporsteigen: das 
Ganze ist nun eine einzige, wenn auch reich gegliederte lfaeade, aus wel- 
cher sich erst nach oben hin zwei grossartige Thürme; dieun der Facadc 
twickelten architektonischen Kräfte zum Abschlusse zu bringen, erheben. 
m5 de; Haupttheil der Facade erscheint für solche Auffassung allerdings 
der Mittelbau, dem sich zur Linken und znr Rechten je zwei beträchtlich 
schmalere Seitentheile RIITCihBIJ. Der Mittelbau hat iinterwärlihnwle 29' 
wölinlich, das Hauplpcrfßl; die beiden Nebellllortale In de!) Zunächst an- 
grenzenden Seitentheilen verbinden die letzteren aufs Illlllgste mlt fhm 
Mittelbau und wirken wesentlich für den Zusammenhang der Masse mit i). 
Der Mittelbau hat ferner, über dem _Portal. das durch seine Dimensionen 
und durch reiche Gliederung ßllsgezelchngte Hauptfenstem Vvelches glelch" 
wohl aufs Entschiedenste dem alleemfälll durchgehenden Fbrmfmgeseize 
folgt- es bildet gewissermaasseii den glanzendstenBrennpunkt dieses Ge- 
setze; Somit den wahren Mittelpunkt eines in sich zusammenhängenden 
Ganzeh, während das grosse Rnndlenster in der Facade französischer Ka- 
thedralen ausser Zusammenhang mit dem Uebrigen steht, nur in sich allein 
seine Gültigkeit hat und nur in der grosseren oder geringeren Zusainnieir. 
hanglogigkeit des Ganzen seine Berechtigung findet. In vielfach geglieder- 
i] Die harmonische Idirlfißhtllllß des Ganzen bedingte es, dass ein jedes der 
beiden Seitenportale gewissermaasseii" in eine Fensterarchitektur eingesetzt wer- 
den musste, sodass auf Jeder Seite uber der Bogenwölbung. die mit ihrem be- 
sonderii Giebel gekröht WIM) Ilofßbmals Bogen und Giebel erscheinen. Eine 
andere passliohe Einrichtung ist 11161; schwerlich zu ersinuen, doch bleibt die 
Thiutologie der Formen an sich unschen. Für das höchst komplizirte Verhältniss 
der guthisclien Architektur ist aber dieser Mangel in der That nicht grösser, als 
etwa für das höchst ßillfäßllö SYSWIII der griechisch-tierischen Architektur der 
Mangel an Uebei-einstinimung zwischen der Stellung der Eek-Triglyphe iind der 
Eeksänle, der auf dieselbe Weise durch die höhere Harmonie des Ganzen be- 
dingt ist.
        

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