Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1493143
Rheinreise, 
1841. 
Erster 
Abschnitt. 
gewesen sei. Wenigstens wird berichtet, dass er, in späteren Jahren, den 
Chor der Kirche seines Klosters in Köln auf meisterliche Weise habe bauen 
lassen; und ohne Zweifel ist dies dahin zu deuten, dass ihm selbst die 
Bauführung oblag, indem man, ohne eine solche Annahme, vielmehr den 
Vorsteher des Klosters, den Prior, als denjenigen würde genannt haben. 
durch dessen Fürsorge die Erneuung der Klosterbaulichkeiten sei einge-A 
richtet worden. Leider ist diese Kirßhß in neuerer Zeit abgerissen worden. 
so dass man, was für die vorliegende Frage sehr wichtig gewesen wäre. 
den an ihr hervortretenden architektonischen Styl mit dem des Domes nicht 
mehr in Vergleichung stellen kann 1). So wird Albert auch als der Er- 
bauer der Dominikanerkirche zu Freiburg genannt. Dass eine bedeutende 
Anzahl von Kirchen und Altären durch ihn geweiht worden, deutet wenig- 
stens auf persönliche Gegenwart bei neuen Bauanlagen. 0b sich in den 
höchst zahlreichen Schriften Alberts vielleicht Stellen über die Architektur 
vorfinden, WeiSS ich nicht Zu Segen; doch ist zu bemerken, dass er als der 
Verfasser besonderer Abhandlungen: über-die Geometrie, über das Thea- 
terwesen (so in der That!) und über die Perspektive, genannt wird. Lei- 
der sind auch diese Abhandlungen verloren gegangen; indess bezeugen sie 
wenigstens eine Bekanntschaft mit Wissenschaften, die mit der Kunst. und 
namentlich mit der Architektur, eine ziemlich nahe Berührung haben. Be- 
denken wir aber, dass ein in den mathematischen WVissenschaften, in der 
Mechanik, selbst in der Architektur ausgezeichneter Mann, dessen Geist 
zugleich die Tiefen der Philosophie durchdrungen hatte, sich damals in 
Köln aufhielt und vom Erzbischofe des höchsten Vertrauens gewürdigt 
ward, so ist es an sich auf keine Weise unwahrscheinlich. dass dieser auch 
bei einem Bauwerke, welches der Erzbischof zu dem grossartigsten seiner 
Zeit machen wollte, dessen Ausführung die umfassendsten mathematischen 
und mechanischen Kenntnisse voraussetzte, dessen Entwurf auf einer tief- 
sinnigen Symbolik (den Besonderheiten der räumlichen Einrichtung gcmäss) 
beruhte, wesentlich betheiligt war.  
Indess scheint diese Annahme durch die zweite Meinung über den 
Erfinder der Pläne für den Dom und durch die gewichtigen Gründe, auf 
denen dieselbe beruht, beseitigt zu werden. Es ist eine LIrkunde 2) vom 
Jahre 1257 auf unsre Zeit gekommen, in welcher das Domkapitel von Köln 
einem Meister Gerhard, der als Steinmetz und als Vorsteher des Dom- 
baues bezeichnet wird, irvegen der Verdienste, die er sich um das Dom- 
kapitel erworben, eine Hofstätte von namhafter Ausdehnung gegen einen 
Erbzins übergiebt. und zwar diejenige Hofstätte. auf welcher derselbe 
Meister Gerhard sich bereits ein grosses steinernes Haus auf seine eigenen 
Ixosten erbaut hatte. Die Urkunde legt den Schluss nah, dass man in 
1) Wallraf, in seinen Beiträgen zur Geschichte der Stadt Köln, S. 196, wo 
er die Ehre der Erfindung der Dompläne für Albert in Anspruch nimmt, sagt, 
freilich nur mit sehr allgemeinen Worten, der Chor der Dominikanerkirche sei 
in einem mit dem Domchore verwandten Geschmack ausgeführt gewesen. Auf 
dem kolossalexi, in Holz geschnittenen Prospekte der Stadt Köln von Anton von 
Worms erscheint derselbe als ein Bauwerk von etwas vereinfachter Form und 
Anlage, doch sind die zahlreichen Baulichkeiten der Stadt hier überhaupt nur 
ziemlich einfach und derb umrissen. Auf dem zierlichen Prospekte Kölns von 
Wanze] Hßlla? Wird der Chor der Dnminikanerkirche durch die Kirche SV Maria 
ad GradnS fast ganz verdeckt.  2) Vollständig abgedruckt bei J. D. Passavunt, 
Kunstreise durch England und Belgien, S. 426.
        

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