Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1493090
Der 
Köl 
VOH 
1d seil 
1c Architektur. 
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wie die Bauwerke derselben Gattung in andern Gegenden Deutschlands. 
namentlich wie die von Sachsen und Thüringen. zeichnen sich die rheini- 
schen Monumente doch auf ganz eigenthümlichc WVeise durch die Fülle 
und die Bedeutsamkeit ihrer Gesammtcompositioti, sowie durch den reichen 
Wechsel der architektonischen Dekoration aus; bunte Gesimse, Säulen- 
und Bogenwerk werden zu ihrer Ausstattung nicht selten fast verschwen- 
derisch angewandt; die schlichte Form des Irlalbkreisbogens, der sonst als 
eins der charakteristischen Kennzeichen des romanischen Baustyles gilt, 
genügt oft schon dem erregten Gefühle nicht mehr, und man greift statt 
seiner zu der bewegteren Form eines roscttenartig gebrochenen Bogens und 
noch mehr zu der des Spitzbogens. Von dem Beginn des dreilßhnien 
Jahrhunderts ab erscheint der wletztere an den deutschromanischen Bau- 
werken bereits sehr häufig. Bis gegen die Mitte des Jahrhunderts erhält 
sich der romanische Baustyl in dieser seiner reicheren, zum Theil phan- 
tastischen Umbildung als eine mehr oder minder gültige Norm. Ich will 
für diese Bemerkungen nur einige der zahlreichen Bauwerke spätromani- 
sehen Styles in den rheinischen Gegenden namhaft machen. Für jene 
Eigellthümlichkeiten der Compositionqdes Ganzen, die besonders auffäl- 
lig an der Chorpartie der Kirchen hervortreten, sind zunächst die Apo- 
stelkirche und Gross St. Martin zu Köln, sowie St. Quirin zu Neuss, diese 
Kirche im Jahr 1208 gründet, zu nennen. Dann, wiederum als ein Ge- 
bäude von sehr eigenthümlicher Anlage, die Kirche von Kloster Heister- 
bach im Siebengebirge, gebaut 1202-1233, deren Chor gegenwärtig eine 
der reizvollsten Ruinen des Rheinlandes bildet. Zu den merkwürdigsten 
Beispielen des spitzbogig romanischen Styles gehört das zehnseitigc Schiff 
von St. Gereon in Köln, 1212-1227, dem eine noch zierlichere Tauf- 
kapelle desselben Styles angebaut ist. Ebenso merkwürdig, obgleich den 
romanischen Spitzbogen wiederum wesentlich anders darstellend, erscheint 
der Dom von Limburg an der Lahn, zwischen 1212 und 1235. So auch 
die, zwar kleine Kirche des Nonnenklosters St. Thomas in der südlichen 
Eifelgegend, vollendet 1225. Der kleine Chor der Pfarrkirche von Rema- 
gen, dcr gleichfalls hierher gehört, ist erst 1246 geweiht worden. Und 
noch später fällt die Weihung der Kirche St. Cunibcrt in Köln, indem 
dieselbe erst im Jahre 1248 durch Oonrad von I-lochsteden stattfand, in 
demselben Jahre, in welchem er den Grundstein zu seinem Dome legte. 
Es lag jedoch in dieser Umgestaltung des romanischen Batistyles kein 
Element, welches von innen heraus zu einer weitern Entwickelung führen 
konnte; so anziehend, so anmuthvoll selbst jene Denkmale zum Theil er- 
scheinen, so bilden sie doch eigentlich nur die letzten Ausgangspunkte 
eines architektonischen Systemes, welches in sich zu entschieden abge- 
schlossen ist. als dass man es zugleich etwa als die niedrigere Entwicke- 
lnngssfnfß Zll einem zweiten betrachten dürfte. Sollte der erregte Drang 
der Zeit Sein Recht behaupten und im Fache der Architektur eine vollkom; 
rnenere, mehr entwickelungsfihige Verkörperung finden, so mussten für ihn 
neue architektonische Grundformen gewonnen werden. In der That aber 
lagen diese bereits vor. Gleichzeitig mit den vorgenannten spätromanischen 
Bauten in Deutschland war im nördlichen Frankreich der gothische Baustyl 
ins Leben gemäßen, derjenige Slyl, in dessen innerem Wesen es lag, die 
dnrnngreifendnte Glindnfnng d" Masse, die reichste Mannichfaltigkeit der 
Bewegung, die lehhaftcste Erhebung des Gemüthes zum Aiisdruclge zu min- 
gen. Die Ursprünge des gothisßhen Baustyles beruhen auf einer naiven.
        

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