Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1493043
122 
xeinreise, 
184i. 
Erster Abschnitt. 
siden nicht mehr hnlhkreisförmig, sondern bereits polygonisch (fünfseitig) 
geschlossen Sind, sodann an der ganzen eleganten und reichen, selbst über- 
reichen Weise der Dekoration. In letzterem Betracht ist besonders auf die 
[Einrichtung aufmerksam zu machen, dass die kleine rundbogige Arkaden- 
Gallcrie unter dem Dache oberwärts und unterwärts noch durch kleine 
Bogenfriese begleitet wird, wodurch eine auilallentle Tautologie der Formen 
entsteht. Ein Blick der Vergleichung auf die Gallerie der östlichen Absis 
zeigt die viel grössere Ruhe und Klarheit, die dort durch die einfachere 
Anordnung vorherrseht. Die innere Dekoration des Querschitfes ist eben- 
faus höchst ausgebildet. Dic Wölbungen sind auch hier durchaus spitz- 
bogig,  Die Dekoration des mächtigen achteckigen Kuppelthurmes über 
dem Mittelfelrle des Querschitfes ist einfach und ruhig gehalten. Die Ar- 
kadenfenster desselben sind ebenfalls bereits im Spitzbogen gewölbt. 
Von vorzüglicher Schönheit ist der Haupttheil des Baues, das dreithei- 
lige Langschiif, namentlich das Innere desselben. Das Mittelschiff steigt 
würdig und in kraftvoller lllajestät zwischen den beiden niedrigeren Sei- 
tenschiifen empor. Stolz geschwungene Arkaden aus reich gegliederten, 
mit Halbsäulen besetzten Pfeilern und Halbkreisbögen bestehend, trennen 
die Schiffe von einander. Ein Theil der Pfeilerglißderungen zieht sich an 
den Oberwänden des Mittelschifles empor und trägt oberwärts die spitz- 
bogigcn Rippen und Gurte des Gewölbes. Ueber den Bögen der Arkaden, 
von diesen Gurtträgcrn unterbrochen, läuft eine zierliche Bogengallerie hin, 
darüber die, wiederum mit Arkaden verzierten Fenster. In den Lünetten, 
welche die Gewölbe der Scitenschilife bilden, sind facher-förmige Fenster 
angebracht, deren hohe Lage und bedeutende Dimension ein vortretfliches 
Seitenlicht einfallen lassen. In dem nördlichen Seitenschiffe befindet sich 
das Hauptportal des Münsters, im reichen, gegliederten Spitzbogen gebildet. 
Zwei andere Portale führen auf der Südseite in den Kreuzgang. Im Aeus- 
seren des Schiffbaues bemerkt man insofern schon eine bedeutende Hin- 
neignng zu den Principien des gothischen Baustyles, als über den Wänden 
der Seitenschiifehgegen die Wände des MittelschitTes hin, sich Strebebögen 
erheben. Ausserhalb vor den Fenstern des Mittelsehilles, zwischen diesen 
Strebebögen läuft eine überaus leichte spitzbogige Arkadengallerie hin. 
Für den Antheil, den das Haus der Grafen von Sayn an der gesammten 
Erncuuug des Münsters gehabt zu haben scheint, ist die Bemerkung nicht 
überflüssig, dass sich an der alten Abteikirche von Sayn ganz ähnliche 
Arkadengallericn im spitzbogig romanischen Style (dergleichen sonst nicht 
hättiig sind) vorfinden. 
Der vierte Abschnitt des Neubaues betrifft die westliche Absis, die in 
den alten viereckigen Vorbau an dieser Stelle eingesetzt ist. Sie bildet 
im Grundriss einen gedrückten Halbkreis und ist, in sehr zierlicher Weise, 
mit Halbsäulchen und Bögen besetzt. Doch ist sie nur bis auf zwei Drit- 
theile des Raumes emporgeführt. Oberwärts erscheint wieder der ursprüng- 
liche viereckige Raum, der aber, gleich den übrigen Haupttheilen des Neu- 
baues, im Spitzbogen überwölbt ist. 
Der Kreuzgang zur Seite des Münsters rührt aus dem zwölften Jahr- 
hundert. und zwar aus der Zeit der Verwaltung des Propstes Gerhard, her. 
Hier tritt uns wieder der strenge romanische Styl, doch ebenfalls in reicher 
Ausbildung, entgegen. Die Kapitale der Säulenarkaden, welche sich aus 
dem Gange nach dem freien Raume in der Mitte öffnen, sind S01" Illamllg" 
fach gebildet, {heile in der gewöhnlichen abgcstumpftcn Würfelform, theils
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.