Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492962
Ein sehr eigenthümliches Interesse für die Entwickelungsgeschichte 
der Architektur gewährt der Dom zu 'lrier in seiner ursprünglichen An- 
lage,  ein basilikenartiger Bau, in Material, Form und Behandlung noch 
den Elementen der antiken Kunst entsprßcllend- lm Lauf der Jahrhun- 
derte sind aber mit diesem Gebäude mehrere höchst umfassende Verän- 
derungen vorgenommen; ein dreimaliger Umbau, im elften Jahrhundert, 
in der späteren Zeit des zwölften und im Anfange des dreizehnten Jahr- 
hunderts, im achtzehnten Jahrhundert,  kleinerer Bauveränrlerungen zu 
gescliweigen,  hat die ursPrüngliche Beschaffenheit der Anlage auf eine 
Weise verwischt, dass diCSf! fast ganz verschwunden zu sein scheint. 
Dennoch ist es der jüngsten Forschung möglich geworden, eine genügende 
Reihenfolge so charakteristischer Merkmale jener ersten Anlage aufzufinden 
und die ursprüngliche Verbindung derselben so überzeugend herauszustel- 
len, dass sich hiedurch das Ganze in seinem inneren Zusammenhange 
und in vollkommener Integrität vor unsrer Phantasie auf's Neue nnfnrbnnr, 
Hlcrr Chr. W. Schmidt ("Baudenkinale in 'l'_rie_r und seiner Umgebung, 
Lief. 2h) hat das Verdienst, diese liochst schwierige Aufgabe mit bewun- 
derungstvürdigem Scharfsinn gelöst zu haben; mir ist unter den bisherigen 
Leistungen der Architektur-Geschichte keine Arbeit bekannt, die ich dieser 
zu vergleichen wüsste; es dürfte selbst in Frage zu stellen sein, ob die 
Entzifferung der schwierigsten Palimpsesten (und der Dom von Trier ist in 
der That ein Palimpsest von überaus vernickelter Beschaffenheit) auf glei- 
chen Ruhm Anspruch habe. Ich bin allen Merkzeichen, welche Hr. Schmidt 
über die ursprüngliche Anlage des Doms aufgefunden und bekannt gemacht 
hat, an Ort und Stelle mit Sorgfalt nachgegangen, und ich kann seinen 
sämmtlichen Angaben und den Folgerungen, welche er aus diesen zur 
lsgiczxofrliisiääitigrlion des Gebaudes zieht, nur mit vollkommenster Ueberzeugung 
 Hienach war der alte Dom von Trier, was das Allgemeine seiner 
pisposition betrifft, ein quadratischer Bau, im Aeusseren 132 Fuss 8 Zoll, 
im Inneren. 121 Buss  Zoll breit. In ihni standen, ebenfalls iin Quadrat, 
vier mächtige korinthische Säulen, denen an den Wänden acht stark vor- 
springende Pilaster entsprachen. Die korinthischen Pilasterliayiitäle sind 
noch an ihren ursprünglichen Stellen vorhanden und zum Theil im Innernn 
des Domes sichtbar. Die Säulen hatten voneinander einen Abstand von 
etwa 52 Fuss, von den Pilastern einen Abstand von etwa Q6 Fass, Sh, 
als Stadtthor-dienender Triumphbogen gewesen sei. der dem Valentinian und 
dem Gratian für einen Sieg, welchen sie iln Sommer 368 über die Alemannen 
arfochtßll, errichtet worden, wobei sich der Doppelbogen des [Yhores auf das 
Kaiserpaar beziehe. Ich halte es für überflüssig, diese Annahme, die durch 
Nichts M! dßm Thore selbst, nicht einmal durch das geringfügigste Inschriftzei- 
6119111 gesßhwüäe denn durch die Spur irgend einer besonderen bildlichen Aus- 
stattunß bßstätißt wird, zu widerlegen. Nur das mag noch als Ouriosirm ange- 
iiihrt werden, dass das Thur {nach des Verfassers Deutungen, mit Bezug auf dßlS 
voraussetzliche Lokal jenes Sieges, aus einer Purta Nigra zu einer PUMA Nißrß, 
einem Nßßliarthorß, wird. ebenso wie auvh der Schwarzwald (Silvö Nigrü) eigent- 
lieh ein Neckarwald (Silva Nicra) sei. F. K.
        

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