Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492957
Die 
zu Trier. 
Nigra 
Porta 
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Maassstab der Bauten jener Zeit häufig kleiner war, als "im späteren Mit- 
telalter, ist längst kein Geheimniss, aber die Porta nigra kann ja eben 
eine jener doch wohl nicht so seltenen "Ausnahmen" gewesen sein. Wen- 
den wir unS zu denjenigen Gegenansichten, welche durch Gründe Berück- 
sichtigung verdienen, so findet sich, dass bereits eine nicht unbeträcht- 
liehe Coneession gemacht wird. Chr. W. Schmidt (Baudenkm. zu Trier, 
Lief. v.) und 1.. Eltcster (Kunstbl. 1846. N0. 35. vßrel- 1847, No- 20). 
gehen zu, dass der Bau nicht aus constantinischer Zeit: sei, indem er in 
der That von den übrigen constantinischen Bauten 'l'rier's in Stoff und 
Form gar zu auffällig abweicht; sie nehmen desshall) die allerletzte Zeit 
der römischen Herrschaft, gegen dasJahr 464, dafür in Anspruch. Allein 
man sehe wohl zu, 0b die historische Probabilität, die man gegen die 
merowingische Epoche geltend macht, der Annahme der letzten römischen 
Zeit nicht noch ungünstiger ist, und ob nicht eine Zeit, wie die des kraft- 
vollen Theodorich von Austrasien (511 -534) und seines ruhmbegierigen 
Sohnes 'l'heodebert (534-548) am Ende besser mit diesem Gebäude har- 
monirt, als jene letzten zwei Jahrzehende des seit Genserich in Auflösung 
begriffenen Römerreichs. Die Porta nigra ist ein Luxusbau und kann wohl 
s('h0n desshalb kaum in eine solche Zeit der Noth gehören.  Hrn. El- 
testers historische Argumente sind ein sehr dankenswerther Beitrag zu 
dieser Frage und lassen sich hier nicht mit ein Paar Zeilen erledigen; 
doeh dürfen wir einstweilen Folgendes dagegen bemerken: 1) Eine Porta 
Martis gab es in Trier wahrscheinlich, wie in vielen andern römischen 
Städten, schon seit der römischen Erbauung, so dass sich der Name an die 
Oertlichkeit, nicht an das jetzige (nach Hrn. Eltesterls eigener Annahme 
erst in christlicher Zeit errichtete) Gebäude knüpft. 2) Wie oft Trier 
der temporäre Aufenthalt der früheren austrasisehen Könige war, können 
wir bei der Spärlichkeit ihrer Urkunden und der sonstigen Ueherlieferun- 
gen dieser Gegend gar nicht wissen; immer aber war es mit Metz und 
Köln die wichtigste Stadt des austrasisehen Reiches im sechsten Jahrhun- 
dert. 3) In das achte Jahrhundert haben wir die Porta nie versetzen wol- 
len, sondern nur in die fränkische Zeit üherhauptf 4) Ueber das neuerlich 
durch F. Osten mit höchster Wahrscheinlichkeit festgestellte Alter des 
wichtigsten Analogons, des Pallazzo delle Torri zu Turin, s. oben. Die 
ungeheure Solidität des Qnaderbaues aber, welcher die Porta vor allen 
Römer-bauten Trier's auszeichnet, findet ihr würdigstes Gegenstück in dem 
vielleicht gleichzeitigen Grabmal Theodorichs des Grossen bei Ravenna, 
gegen dessen ostgothischen Ursprung auch alle mögliche Einwendungen sich 
erheben liessen, wenn derselbe nicht anderweitig vollkommen gesichert 
wäre l).  
l) Ich füge nachträglich noch die Notiz über ein jüngstes Votum bei, wel- 
ChGS übe!" die Form m8"! abgegeben ist. Es ist in der Schrift: "die Porta 
Nigra und das Capitolium der Treviris, von Dr. P. A. Linde, Trier. 
1352" enthalten. Der Verf. fertigt meine Ansicht mit der Bemerkung ab, dass 
die Germanen des literl Jahrhunderts zu roh gewesen seien, um einen solchen 
Kunstbau auszuführen. Ich habe indess nicht gesagt, dass ihn Germanen gebaut 
hätten, sondern nur, dass er iu der Epoche der fränkischen Herrschaft entstan- 
den sei. Die eigne Ansicht des Verfassers ist die, dass die Porta ein, zugleich 
Kugler, Kleine Schriften. n. 8
        

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