Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492910
Trier. 
Die Porta Nigra 
109 
Wenn wir weit davon entfernt sind, den Behauptungen Kugler's hinsicht- 
lieh des Charakters jenes Bauwerks in irgend etwas entgegenzutreten, so müssen 
wir dennoch, gestützt auf die historischen Zeugnißsev die Behauptung des frän- 
kischen oder nachrömischen Ursprungs auf das Lebhafteste bekämpfen und uns 
mit Schmidt für die lang gehegte Ueberzeugung bekennen, dass die Per-m ein 
römisches Bauwerk und zwar aus der Mitte des öten Jahrhunderts sei. 
Es sagt nämlich der ErzbischofPoppo von Trier in der Urkunde über die 
Veränderung der Porta nigra in eine Kirche zu Ehren des heil. Slmeon, der in 
derselben ein Einsiedlerleben geführt hatte und gestorben war, vom Jahr 1042: 
l" P0113, que apud gentiles Marti consecrata memoratur, ecclesiam aediflcan- 
Iss  und der Erzbischof Eberhard in einer Urkunde von 1048 erzählt eben- 
falls: Pappo archiepiscopus in loco, antiquitus porta Martis nuncupato, ubi 
requiescit ccrpus beati Simeonis confessoris, ecclesiam Deo consecravit. 2) Und 
dass dieses aus ursprünglich graurothem Sandstein errichtete Thor schon im 
llten Jahrhundert ein schwarzes genannt wurde, augenscheinlich desshalb, weil 
die Steine von Alter geschwärzt waren, beweist Abbas Eberarduus Vita S. Si- 
meonis c. 3: (Simeon) in turri, quae autea Nigra-porta vocabatur, parvum 
tegurium expetiit, 3) Es war also im llten Jahrhundert in Trier noch bekannt, 
dass dieses Gebäude eine Porta Martis gewesen und hiess vielleicht auch damals 
noch Marspforte, wie noch in Köln. Und nun denke man noch an einen frän- 
kischen Ursprung! 
Die Franken, welche bei ihrer Ueberschwemmung des römischen Galliens 
eher an der Zerstörung der vorgefundenen Baudenkmale ihre rohe Kraft erprob- 
ten, als an der Errichtung eines so kostbaren Werkes, wie unsere Porta, wozu 
ungeheure Steinblöcke meilenweit herangeschleppt und behauen werden mussten 
 die Franken also, welches Interesse sollte sie wohl bewogen haben können, 
ein von ihnen erbautes Thor nach dem Kriegsgotte ihrer Feinde zu benennen"? 
Was für Gründe vollends sollten im 8ten Jahrhundert sie dazu bewogen haben 
können, in welcher Zeit Herrscher und Volk bereits zum (lhristenthum sich be- 
kannt hatte? Oder sollte man annehmen dürfen, dass die Trierer schon zwei 
oder drei Jahrhunderte nach der Erbauung des Thors vergessen hätten, dass sie 
dieses Werk einem Könige ihrer eignen Dynastie oder einem Grossen ihres ger- 
manischen Blutes verdankten und sich desshalb mit dem erfundenen römischen 
Namen aushelfen? Dieses ist eben so wenig glaublich, als auch der fernere 
Umstand, dass dieses Gebäude schon nach zwei Jahrhunderten vom Alter so ge- 
schwärzt sein konnte, um es mit Fug schwarzes Thor, Nigra-porta zu nennen. 
 Wenn wir bisher den genügenden Beweis geliefert zu haben glauben, dass 
die Franken die Porta nicht gebaut haben, so wird es uns auch nicht eben 
schwer fallen nachzuweisen, dass sie es auch nicht konnten. 
Erstens war Trier während der ganzen fränkischen Zeit von 450 bis 900 nur 
vorübergehend in den ersten Zeiten Aufenthaltsort fränkischer Könige, wie des 
Clodebalt, Siegemer und Siegebert, nie aber der Mittelpunkt der Monarchie oder 
ihrer späteren Spaltungen; denn bekanntlich gehörte die Stadt zu dem austra- 
sischen Reiche, dessen Hauptstadt und Königssitz Metz war. Auch zugegeben, dass 
ein solcher König in Trier hätte bauen wollen, was würde er zuerst gebaut ha- 
ben? Doch unstreitig einen Pallast für sich oder eine Kirche, und diess liess 
sich damals gewiss leicht ausführen, da die prächtigen Ruinen eines Pallastes 
selbst und einer später wirklich zu solchem Zwecke dienenden Basilika aus der 
konstantinischen Zeit noch aufrecht standen. Ein blosses Stadtthor zu bauen, 
und Zwar ein 50 PTächtiEes Thor, wie die Porta, für eine halb in Schutt lie- 
gende Stadt, wozu die Quader aus den drei Meilen entfernten Brüchen von Pfal- 
zel herbeizuschaüen und mühsam zu behauen waren; einen solchen bürgerfreund- 
liehen Gedanken kann man den fränkischen Herrschern vor Karl dem Grossen 
nicht wohl zutrauen. König Ghilperich befahl zwar, dass die Stadtmauern der 
1) Hontheim historia trevirensis 
p. 385.  3) Hontheim hist. trev. 
hist. 
Hontheim 
trev.
        

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