Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491896
Matthias-Kapelle 
Die 
auf 
der 
Burg bei Koberu 
oberen 
Mosel. 
Die MHllhiaS-Kupelle auf der oberen Burg beiKobern an der 
Mosel. Beschrieben von Ernst Dronkß, Dr. der Philosophie, Professor 
616-, und Johann Claud ius von Lassaulx, könig]. Bauinspector etc. 
Cob_lenz, 1837. 
(Kunstblatt, 
183a, 
Vorliegende Monographie macht uns mit einem kleinen, aber in eigen- 
thümlichem Reichthum durchgebildeten Gebäude bekannt, welches für die 
Geschichte der mittelalterlichen Baukunst in Deutschland, und zwar für die 
Uebergangsperiode aus dem sogenannten byzantinischen in den gothischen 
Baustyl. von namhafter Wichtigkeit ist. Die Schrift (G8 Seiten in 8.) 
entwirft mit grosser Klarheit und Sachkunde ein Bild dieses Gebäudes 
und all seiner merkwürdigen Einzelheiten, unterstützt durch bildliche Dar- 
stellungen auf einem sanbern Stahlstiche und zwei in Stein gravirten Blät- 
tern, welche den Grund- und Aufriss, den Durchschnitt, Detailzeichnungen 
und  was besonders (lankenswerth erscheint  eine grosse Menge von 
Profilen der architektonischen Glieder vorführen. Mit der Beschreibung 
des Gebäudes sind historische Nachrichten, weitere Blicke auf Bauwerke 
von verwandter Anlage u. A. m. verbunden. 
Die lllatthias-Kapelle gehört zu jenen seltenen Gebäuden_ des Mittel- 
alters, deren Grundform sich auf die Verhältnisse des Kreises bezieht. Ihr 
Grundriss bildet ein Sechseck, an dessen eine "Seite sich, im Dreiviertel- 
kreise, der Baum des Altares anschliesst. In der Mitte jenes Hauptraumes 
bildet sich eine sechseckige Pfeilerstellung, über welcher sich, fast thurm- 
artig, eine sechseckige Kuppel erhebt. Letztere ist durch ein sechstheiliges 
Kreuzgewölbe geschlossen; die niedrigeren Seitenräume sind, als besonders 
seltnes Beispiel, mit eigenthümlich gefächerten halben dbnnengewölben, 
der Altarraum mit einem ähnlich gefächerten kuppelartigen Gewölbe be- 
deckt. Die Pfeiler, welche die mittlere, sechseckige Kuppel tragen. beste- 
hen ein jeder aus fünf vollständig ausgearbeiteten Säulen; die Bögen, die 
die Pfeiler verbinden und über denen die Wände der Kuppel ruhen, haben 
die Form des Spitzbogens. Im Uebrigen herrscht durchweg die Form des 
Rundbogens,  grösseren Theils jedoch eines gebrochenen, kleeblattähnli- 
chen Bogens, vor. Selbst die sämmtlichen unteren Fenster des Gebäudes 
haben diese bunte Kleeblattform; zwischen ihnen sind im Innern flache, 
an die Wand lehnende Arkaden mit ähnlich gebildeten Bögen, im Aeusse- 
ren flache Wandpfeilcr mit buntem Bogenkranze, angeordnet.  
Lassen diese allgcmeinsten Bestimmungen der Anlage schon ein be- 
sondres Rafiinement von Seiten des Baumeisters erkennen, so tritt dies noch 
ungleich mehr in andern Beziehungen hervor. Dahin möchte Referent zu- 
nächst die überraschende Cougruenz der einzelnen lllaassbestimmungen 
rechnen, welche letzteren, indem sie sich überall in die einfachsten Ver- 
hältnisse auflösen, entschieden auf eine vollkommen durchgeführte Absicht 
hindeuten. Dahin gehört vornehmlich die ungemein reiche, bunt wech- 
selnde Ausbildung des Details, der es gleichwohl nicht an gewissen be- 
stimmten Principien fehlt. Die Säulenkapitäle, auch ihre Deckglieder, sind 
überall mit zierlichst buntem Blattwcrk des spätesten byzantinischen Stylcs 
vcrsehcrr in den Profilen der architektonischen Glieder zeigt sich (litt
        

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