Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492833
Der römische Basilikenb au. 
Trier. 
Basilika von 
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stalt, deren Beschaffung wahrlich nicht aus ästhetischen Gründen, sondern 
nur durch eine äuSSeIe Nüthwendigkeit veranlasst sein konnte. Wo die 
Nische durch ein halbes Kuppelgewölbe bedeckt ist, fallt dieser Uebelstand 
natürlich weg, aber auch hiebei ist der Schwibbogenuzunächstaus äusseren 
Gründen veranlasst, damit sich nämlich das Gewolbe an ihn anlehnen 
könne. Wollte man etwa sagen, dies letztere sei in der Gestaltung des 
Tribunals als Regel anzunehmen, und im vorliegenden Falle habe man, 
obgleich das Kuppelgewölbe sei weggelassen worden, dennoch Jenen cha- 
rakteristischen Bogen aus herkömmlicher Gewohnheit beibehalten, so hiesse 
dies doch ein allzu bedeutsames und mächtiges Werk, wie der Bogen 
in der That ist, auf Rechnung eines blossen Schlendrians setzen. Der 
Schwibbtlgen, ich wiederhole es, hat nur einen constructiven Zweck! den 
nämlich, dem Balkenwerk, welches die Bedeckung des Tribunals trug, zur 
Unterlage zu dienen.-. Hieraus folgt aber unmittelbar, als der wichtigste 
Umstand dieser Untersuchungen, dass der mittlere Haupttheil des oblongen 
Raumes (dessen lichte Breite etwa 60 Fuss betrug) unbedeckt war. Denn 
wenn etwa vorausgesetzt würde, dass man hier, als Träger der Ueber- 
difckllllg, irgend eine künstliche Dachrüstung angewandt habe, so wäre es 
widersinnig und dem praktischen Sinne der Römer gänzlich widersprechend 
gewesen, wenn dieselbe Einrichtung nicht auch bei der Ueberdeekung des 
Tribunals stattgefunden hätte. Dem steht aber das Vorhandensein des 
Schwibbogens entgegen, welcher nunmehr gegen den offenen Mittelraum 
hin einen festen Abschluss und Zusammenhalt des Gebäudes bildete. 
So erscheint uns die Einrichtung des Gebäudes ganz dem oifnen, freien 
Charakter des Verkehrs im Alterthum gemäss: in der Mitte, als Hauptraum, 
ein weiter offner Säulenhof, dem sich zu den Seiten bedeckte Seitengänge 
und Gallerien, im Grunde das gleichfalls bedeckte Tribunal anschlossen. 
beide dem Publikum (vornehmlich den I-Iandelsleuten) und den Richtern 
einen flüchtigen Schutz gegen die Witterung, wenigstens gegen den Regen, 
gewährend. So luftiger Einrichtung entspricht denn auch die kolossale 
Dimension der ringsum offenen Fenster. (Bei der oben genannten Basilica 
Sessoriana in Rom gingen die untern Oeiinungen, grossen Thoren gleich, 
sogar bis auf den Fussboden nieder, so dass eine Einrichtung dieser Art 
die allergrösste Freiheit des Verkehrs gestatten musste.) Auch von der 
Basilika von Pompeji wird vorausgesetzt, dass der mittlere Raum unbedeclit 
war. Nach meinem Dafürhalten fand diese Einrichtung insgemein bei den 
grösseren Basiliken statt. Man kann sie gewissermassen als in's Enge ge- 
zogene (und allerdings für besondere Einzelwecke bestimmte) Fora bezeich- 
nen, wie dann, umgekehrt, die ersten bedeutenderen Basiliken Roms be- 
kanntlich geradehin eine Erweiterung des dortigen Forums und seiner Be- 
dürfnisse blldeißfl- Ebenso kann man sie, mit Ausschluss der besonderen 
Form des Tribunale. den Hypäthral-Tempeln parallel stellen, deren Einrich- 
tung auf S18 Wiederum nicht ohne Einfluss gewesen sein dürfte. 
Nitßh alledem Scheint es mir, dass wir die Basilika von Trier als ein 
charakteristisches Beispiel der ganzen Gebäudegattung, welcher sie ange- 
hört, betrachten dürfen; ÜbSChOD wir die Zeit ihrer Erbauung nicht näher 
bestimmen können und diese, möglicherweise, erst in das vierte Jahrhun- 
dert nach ChriSli Geburt fallen dürfte. Die allgemeinen Grundzüge der 
Äßlagei Welche uns hierin Vorliegen, hindern uns nicht, für die verschie- 
denen Epochen der römischen Architektur eine verschiedenartige Behand- 
lung des architektonischen Details anzunehmen. Nur über die Einrichtung
        

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