Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492816
Der römische Basilikenbau. 
VOH 
Basilika 
Trier. 
99 
unter dem Tribunal der Basilika von Pompeji, die man für ein Gefäingnisä 
 l stellen 1  
hamädiligiledie ursprilngliche Bestimmung des Gebäudes sind bisher die 
verschiedenartigsten Meinungen aufgestellt worden. Gewohnllch hält man 
dasselbe, wie bereits bemerkt, für den Ueberrest eines ponstautmischen 
Palastes, obgleich das Ganze in seiner Anlage durchaus nichts Wchnliches 
hat, auch wenn man hiebei den grossartigsten Maassstab anlegen Wontfiä 
diese Meinung scheint nur auf mittelalterlicher Tradition zu beruhen, die 
einen Bau. der zu einer königlichen Pfalz, zu einem Castell, spater Zum 
erzbischöllichen Hofe umgewandelt war, auch von Hause aus als für Zwecke 
solcher Art bestimmt ansehen mochte. Seit dem Erwachen wissenschaft- 
licher Forschungen hat man andre I-Iypothesen aufgestellt, die Jedoch 1m 
Wesentlichen auch nicht besser begründet sind; theils führte die Nische 
des Tribunals dahin, hier an ein Lokal für scenische Spiele ZU denken, 
dem sich sodann, als der Hauptkörper des Gebäudes, etwa ein Hypodrom 
(ein schattiger Spaziergang) angeschlossen habe, theils wurde bemerkt, das 
Gebäude müsse zu der, um eine beträchtliche Strecke weiter südwärts be- 
iegenen T hermen-Anlage (am ehemaligen Altthore) gehört haben z). ErSt 
lll neuester Zeit ist durch Steiningerß) die einzig richtige Ansicht ausge- 
sprochen werden, dass hier die Reste einer Basilika vor uns standen; denn 
in der That deuten die erhaltenen Theile, den obigen Mittheilungen zufolge, 
auf's Entschiedenste nur auf eine Anlage solcher Art, während die ander- 
weitig ausgesprochenen Meinungen und die Hypothesen, die man ausserdem 
etwa noch über den Zweck des Gebäudes aufstellen möchte, in den auf 
unsere Zeit gekommenen Beschreibungen antiker Gebäudegattungen und in 
den erhaltenen Monumente-n durchaus keine Bestätigung finden. 
Schon die erhaltenen Theile des in Rede stehenden Gebäudes geben 
demnach für unsere Kenntniss des antik-römischen Basilikenbaues sehr 
wichtige Beiträge; wir sehen hier die Einrichtung der Aussenwände mit 
ihren Fenstern und mit einem sinnreich durchgebildeten Pfeilersystem 
deutlich vor uns; wir erhalten eine eben so bestimmte Anschauung von 
der innern architektonischen Anordnung der Nische des Tribunals. Diese 
erhaltenen Theile und ihre Maassverhältnisse geben uns zugleich aber auch 
die deutlichsten Aufschlüsse über die anderweitigen Einrichtungen, die im 
Innern müssen stattgefunden haben. Natürlich werden hier, wie in allen 
grösseren Basiliken, Säulenstellungen an den Langseiten angeordnet geWeSen 
sein, und natürlich werden dieselben den Wandpfeilern entsprochen haben, 
so dass die Fenster, wie an der Basilica Sessoriana, mit den Zwischenweiten 
zwischen den Säulen corrcspondiren mussten. Es kommt nun zunächst In 
Frage, 0b aufjeder Seite nur Eine Säulenstellung oder 0b deren zwei über- 
einander vorhanden waren. Dies zu bestimmen, geben wir für's Erste den 
Säulen (muthmaasslich korinthischen, wie fast durchgehend in den spätem 
römischen Bauten) eine Höhe von 10 unteren Durchmessetll, dem Gebälk eine 
Höhe von 2 Durchmessern,  als durchschnittliche Maassbestirnmungen, die 
1) Die handschriftlich erhaltene Nachricht über den Zustand des Gebäudes 
zu Anfange des l7ten Jahrhunderts und über die Entdeckungen, welche man 
damals im Innern derselben machte, siehe beiSteininger, die Ruinen am Alt- 
thore zu Trier, S. 44.  2) Qllödilßw, Th. II. T. I. ergänzt auf de!" Siidsßite des 
Gebäudes eine grosse Nische, der auf der Nordseite ganz entsprechend, obgleich 
hiefiir kein andrer Grund vorhanden ist, als der eines ganz willkürlich ange- 
nommenen symmetrischen Gesetzes.  3) In der angeführten Schrift S. 47.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.