Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491887
uwud Kritiken, 
Berichte 
sowohl durch die schöne Harmonie in der Composition und der Färbung, 
als durch die feine und schlichte Natnrwahrheit in höchstem Maasse aus- 
gezeichnet.  
Die königliche Kunstkammer (die bekanntlich eine besondre Abthei- 
lung des Museums bildet) ist neuerlichst u. a. mit einem merkwürdigen 
Stücke, einem hoehalterthümlichen Jagdhorn W11 Elfenbein, dessen äusse- 
rer Bogen 1 Fuss 7 Zoll misst, bereichert worden. Die ganzg äussei-e 
Fläche des Horns ist mit geschnitzten Reliefdarstellungen geschmückt; in 
einander vel-sghlungene Rankenwindnngen, die verschiedene (im Ganzen 
sieben) Reihen von Kreisen bilden und in denen die mannigfaltigsten Thier- 
gestalten enthalten sind.. Diese Darstellungen sind tief ausgegraben und in 
einer strengen, zum Theil phantastischen Stylisirung mit sicherer Technik 
ausgeführt; die geistreich gemessene und doch naive Weise, wie die Thiere 
stets den geschlossenen Raum füllen, lässt die Hand eines vorzüglichen 
Meisters erkennen. Auf dem Grunde der Reliefs zeigen sich die Spuren 
von Farbe. Die ganze Behandlungsweise erinnert an die Verzierungen der 
Handschriften, die in der Zeit des elften Jahrhunderts gefertigt sind. Das 
Horn stammt aus der Sammlung des vor einigen Jahren zu Heidelberg ver- 
storbenen Domherrn von Wambold, und soll, einer Tradition zufolge, iru 
Dom von Speyer befindlich gewesen sein. Die Schätze des letzteren waren. 
trotz seiner mannigfachen Schicksale, vom frühesten Alterthum bis zum 
Jahre 1793 erhalten geblieben; in diesem Jahre wurden sie vor den Fran- 
zosen geflüchtet und sodann zerstreut. Die Umstände, dass diese Zerstreuung 
der Kirchenschätze der Gegenwart so nahe liegt, und dass die Sammlung, aus 
welcher das Horn zunächst herstamnit, in der nächstenNachbarschaft von S peyer 
befindlich war, scheint jene Tradition sehr glaubwürdig zu machen; auch 
befinden sich in einem alten Verzeichnisse von Kleinodien, die, aus dem 
Kloster Limburg lierrührend, im Jahre 1058 dem Speyrer Dome vermacht 
wurden, sechs "Hörner von Helfantzehnen" erwähnt (Simon's hist. Beschr. 
am, Bischöfe van Speyer, S. 47), unter denen das in Rede stehende mit 
einbegriifen gewesen seiu dürfte.  Uebrigens. ist die Erwerbung dieses 
Hornes für die königliche Kunstkamnier um so interessanter, als sich eben- 
daselbst, bereits seit einigen Jahren, ein Kasten von Elfenbein befindet, 
dessen vollkommen übereinstimmende Verzierungen auf gleiche Zeit, glei- 
"dhes Lokal, vielleicht auch auf ein und dieselbe Werkstätte deuten, 
und der ebenfalls aus Speyer herstammen könnte, da in dem angeführten 
alten Verzeichnisse auch eines elfenbeinernen Reliquienkastens gedacht wird. 
In andrer Beziehung reiht sich das Horn, vortheilhaft ergänzend, verschie- 
denen andern elfenbeinernen Jagdhörnern an, die auf der Kunstkammer 
bewahrt werden und von denen das eine, dem Charakter seiner Schnitz- 
wei-ke nach, mit Bestimmtheit der karolingischcn Periode zuzuschreiben 
ist, ein zweites, sehr grosses, mit alt-arabischen Ornamenten geschmückt, 
ein drittes in hindu-portugiesischem Style (um 1500) gearbeitet ist.
        

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