Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483845
Studien 
dautsche: 
Bibliotheken 
lnnansschraffirt sind. Die Figuren sind, den verschiedenen Räumen gemäss, 
vor. verschiedener  von langer, mittlerer und sehr kurzer  Proportion, 
die Extremitäten im Verhältniss zum Ganzen. Der Faltenwurf ist, wenn 
gleich starr, scharf und eckig, so doch auf eine würdig feierliche Weise 
geordnet. Das eigentlich Ausgezeichnete in den Bildern aber besteht min- 
der in charakteristischer Individnalisirung, als, nächst der Sauberkeit und 
Vollendung der Technik, in der typischen Form einer gewissen Würde 
und idealen Schönheit (besonders im Kopfe Christi), die in jener Zeit 
sonst nicht leicht zu finden sein dürfte.  Das Buch zerfällt in folgende 
Theile; 1, Calendarium, 12 Seiten, jede perpendicular durch eine rund- 
bogige Säulenstellnng (3 Säulen und 2 Bögen) in zwei Theile getheilt, in 
deren einem der Kalender des jedesmaligen Monates befindlich ist, in dem 
anderen ein Heiliger des Monats und über diesem, in dem Rundbogen, ein 
den Monat bezeichnendes landwirthschaftliches Bild. Die Heiligen sind, 
dem Raume entsprechend, vielleicht auch als Nachbildungen älterer Manier, 
von sehr langer Proportion, nicht ohne Würde und Hoheit in der Haltung 
und mit, im Ganzen, wohlgeordnetem Faltenwnrf; die Scheine, um S16 VOII 
dem Goldgrunde zu lösen, in blauer und grüner Farbe. Sie halten Bücher 
oder Spruchbänder in den Händen, die aber, merkwürdiger Weise, unbe- 
schrieben sind. In den Monatsbildern sind die Figuren, wohl des Raumes 
wegen, von sehr kurzer Proportion, in ihren Beschäftigungen und Costü- 
men, wie es scheint, eigenthümlich nordisch, somit eine in Deutschland 
heimische Kunstschule bezeichnend. Darstellungen der Art kommen in so 
früher Zeit höchst selten vor; es sind folgende: 1. Januar: ein alter Bauer 
im Pelzmantel, der am Feuer sitzt und aus einem Gefässe trinkt, indem er 
einen Stiefel ausgezogen hat und den nackten Fuss an der Flamme wärmt. 
2. Februar: ein Mann, der von einem blätterlosen Baume mit dem Beil 
einen Ast abhaut. 3. März: ein Mann, der von einem ähnlichen Baume 
mit einem sichelartigen Messer einen Zweig abschneidet. 4. April: ein 
alter Mann, der mit einem Spaten gräbt. 5. Mai: ein Mann, der an einem 
Baum Zweige zusammenbindet. 6. Juni: ein Pfliiger, der Pflug hat zwei 
Bäder, zwei messerartige Schaufeln und zwei Hölzer, auf welche der Ptlüger 
drückt. 7. Juli: ein Heuhaufen, zu dem ein Mann mit der Gabel ein Bün- 
del Heu emporhebt; ein anderer, der oben auf dem Bauche liegt, nimmt 
es in Empfang. 8. August: ein Schnitter, der mit einer Sichel Aehren 
schneidet. 9. September: ein Keltcrfass, darin ein Mann, das Kleid empor- 
hebend, mit nackten Füssen steht. 10. October: ein Mann, der mit einem 
Dreschflegel Garben drischt. 11. November: ein Sitzender, der, wie es 
scheint, mit der Schaufel Korn auswirft. 12. December: ein Mann, der 
mit dem Beil einem Schweine vor den Kopf schlägt.  H. Die Psalmen. 
Sie beginnen mit einem B (Beatus vir qm" vton etc.), welches die ganze 
Seite einnimmt, ein sehr reich verschlungenes Rankengeflecht mit Thieren, 
Vögeln, Drachen und kämpfenden Jägern, Sängern u. s. w. Im weiteren 
Verlauf eine Reihe ähnlich reicher, aber minder grosser Initialen. Die fol- 
genden Bilder sind im Text der Psalmen enthalten: 1. Die Taufe Christi 
zu dem Psalm: Dominus illu-zninatio mea et salus mea etc. Die Darstellung 
nach dem gewöhnlichen Gebrauch, nur die Engel, welche die Gewänder 
halten, ohne Flügel: der härene Mantel ist blau gemalt; der Christuskopf 
von vorzüglicher Schönheit. 2. Christus am Kreuz , vor dem Psalm: Sal- 
vum me fac Deus quoniarvt etc. Christus, das Haupt auf die Seite geneigt, 
mit hängcndcm Leibe, einen Schurz um die Lenden, die Füsse auf einem
        

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