Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491522
Bildende Kunst. 
Werke moderner Zeit. 
Altäre, Kanzeln 
etc. 
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rere Figuren in kleinerem Maassstabe enthalten sind. In der Mitte sieht 
man hier die Fürstin noch einmal, wie sie nach beiden Seiten hin den 
Dürftigen spendet. Dieser Theil ist jedoch von minder bedeutender Arbeit. 
Zu den Seiten der Säulen ist Rankenwerk angebracht, und darin die in 
Oel gemalten Bildnisse der Herzogin und ihres Gemahles.  Auf der Süd- 
seite der Kirche, unmittelbar über dem Fussboden, steht das Monument des 
Sohnes. Es bildet eine barocke Taberuakel-Architektur, die, statt der 
Säulen, von den Statuen zweier wilden Männer mit Wappenschilden getra- 
gen wird. Zwischen ihnen ist, ebenfalls als freie Statue, der Herzog an- 
gebracht, vor einem Betpulte mit gefalteten Händen knieend. Im Grunde 
des Tabernakels befinden sich mehrere Inschriften. Die Sculptur der bei- 
den wilden Männer zeigt eine ziemlich nüchterne Behandlung. Bei der 
Figur des Herzogs aber macht sich ein ganz tüchtiges Eingehen auf das 
Vorbild der Natur bemerklich; die Arbeit ist nicht ohne Gefühl und nicht 
ohne eine gewisse Würde, nur fehlt es der Gewandung an edlerem Styl. 
Vortreftlich ist die reiche und volle Verzierung des Betpultes gearbeitet 1). 
Ein Denkmal, an welches sich grossartige historische Erinnerungen 
knüpfen, das aber zugleich von der Geschmacklosigkeit des vorigen Jahr- 
hunderts und von der geringen Ehrfurcht vor den Deukzeiclien der Ge- 
schichte ein nur zu sprechendes Zengniss giebt, findet sich in der Dorf- 
kirche von Raddatz, unfern von Neu-Stettin. Es ist die Kanzel dieser 
Kirche, die aus den Brettern, den Friesen und Leisten eines prachtvollen 
Wagens:  des Triumphwagens, in welchem Johann Sobiesky, König 
von Polen, seinen Sieg über die Türken gdeiert, zusammengesetzt ist. 
Dies bezeugt nicht bloss eine Inschrift an dem Deckel; auch_der mehrfach 
vorkommende Namenszug des Königes, der weisse Adler, die Darstellung 
türkischer Trophäen, alles dies deutet mit Bestimmtheit daraufhin. Alles 
ist vergoldet und die grösseren Felder in einer zierlich dekorativen Weise 
bemalt. Ausser den ebengenannten Darstellungen sieht man eine Menge 
musicirender Knaben, Genien mit Wappen, allegorische Figuren, glänzende 
Waffenzierden u. dergl. m. abgebildet. Die Felder sind aber, um sie für 
ihren gegenwärtigen Zweck geschickt und Passend 7'" machen, zum Theil 
auf eine willkürliche Weise zerschnitten; dann ist ihnen, als Hauptfeld 
der Brüstung, ein schlecht gemaltes Wappen zugefügt, mit einer Inschrift, 
die sich auf den preussischen Generalfeldmarschall Henning Alexander 
von Kleist (den ehemaligen Besitzer von Raddatz) bezieht und das Jahr 
1747 enthält. Urkundliches darüber, wie der Triumphwagen in Kleisti- 
l) Eine ziemlich rohe Abbildung des erstgenannten Monumentes findet sich 
im fünften Bande des Pommerschen Archivs (1735)? nähe" Notizen über beidö 
ebendas, S. 106 und 111. Ueber den Namen des Verfertigers wird aber hier 
S0 Wßlliß Nachricht gegeben, wie derselbe an den Monumenten selbst zu linden 
ist. Die schönen Verzierungen des Betpultes erinnerten mich sehr lebhaft an die 
Weise des grossen Andreas Schlüter: vielleicht ist die Vermuthung nicht zu 
gewagt, dass dies Stück als eine Jugendarbeit von ihm zu betrachten sei, und 
dass Sßmit üiß Hauptarbeit der Monumente von seinem Lehrer, Sapoviu s, her- 
rühre. Die Nähe Danzigs, wo der letztere sich aufhielt, macht es ganz wahr- 
scheinlich, dass Ernst Bogislav sich an ihn zur Ausführung der Denkmale ge- 
wandt. Leider kenne ich nichts von Sepovius' eignen Arbeiten.
        

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