Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491508
Kunst. 
Bildende 
Werke 
Zeit. 
moderner 
Altäre, 
Kanzeln etc. 
829 
heil. Geistkirchc, bei der aber die Reliefs an der Brüstung aus Holz 
geschnitzt sind. 
Diesen Kanzeln reihen sich einige Epitaphien an. Eins der Art, von 
Stein gearbeitet, iiudet sich in der Marienkirche zu Greifswald, an 
einem Pfeiler des südlichen Seitenschiifes. Es hat die Jahrzahl 1615 und 
enthält eine Reliefdarstellung der Auferstehung Christi in einer guten Be- 
handlung des dekorativen Styles jener Zeit.  Ein sehr brillantes Epita- 
phium ist in der Nikolaikirehe zu Stralsund zu bemerken. Eswisr 
dem M. Zaeharias Rotman (gest. 1673) gesetzt und zeigt in den Formen 
der architektonischen Theile schon den Uebcrgang in den liococostyl, der 
zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts eintritt. Gleichwohl ist es interes- 
sant, in den bildnerischen Darstellungen, die von den Architekturformen 
eingeschlossen werden, noch Reminiscenzen an den deutsch mittelalterlichen 
Styl wahrzunehmen. Als Hauptdarstellungen sind die Kreuzigung Christi 
und die Grablegung zu bemerken; die Figuren sind weiss (aus Stein oder 
Stucco) und mit Goldziertlen geschmückt. Unterwärts sieht man die in Oel 
gemalten und leidlich tüchtig ausgeführten Bildnisse der Familie des Ver- 
storbenen.  Ein Epitaphium in der 'l'hurmhalle der Jakobikirche zu 
Stralsund. errichtet im J. 1666, ist durch ein Oclgemälde ausgezeichnet, 
welches die Abnahme Christi vom Kreuz, in tüchtiger und geschmack- 
voller Behandlung des späteren italienischen Styles, darstellt.  
Der Altar in dcr Kirßhß von Barth, eine barocke Architektur mit 
mancherlei figürlichen Darstellungen, ist insofern bemerkenswerth, als "seine 
Darstellungen sich, in ihrer äusserlichen Behandlung, den mittelalterlichen 
Altarschnitzwverken anreihen. Doch ist die Anordnung hier eben schon 
ganz spielend gehalten, etwa im Charakter der Weihnachtskrippchen, wie 
man solche in katholischen Ländern gern aufzubauen pflegt. Die Haupt- 
darstellung ist Christus am Oelberge, darunter das Abendmahl. 
Als eine sehr elegante Arbeit des Kunsthandwerkes dieser Zeit ist 
endlich die Kanzel der Marienkirehe zu Greifswald, die der frühe- 
ren Zeit des siebzehnten Jahrhunderts anzugehürenscheint, zu nennen. 
Sie besteht ganz aus Holz und ist wiederum mit barocken Zierden, wie 
die obengenannten Kanzeln, mit satyrartigen I-lermen und dgl. geschmückt. 
Doch haben nur diese Hermen einen farbigen Anstrich; im Uebrigen ist 
das, äusserst zierliche Ornament aus verschiedenfarbigen eingelegten Höl- 
zern gearbeitet. Auch die ügürlichen (nicht erhabenen) Darstellungen auf 
den Brüstungsfeldern sind in derselben Weise, diese jedoch nicht in gutem 
Style, gebildet. Die Thür an der Rückseite der Kanzel ist von geschmack- 
vollen Säulen eingeschlossen, deren Ornamente ebenso aus verschiedenfar- 
bigem Holze eingelegt sind. Auch ein Brustbild Luthers, über der inneren 
Seite dieser Thür, ist in gleicher Weise gearbeitet.  Aehnlich, nur un- 
gleich einfacher, ist die Kanzel der GgQrgenkirChG zu Wollin, die 
aus braunem Holze, mit allerlei eingelegten Zierrathen von schwarzgebciz- 
tem Holze, besteht. Sie wurde, zufolge einer Inschrift, von den Schitfern 
und Fischern der Wolliner Wieck im J. 1659 gestiftet.  
Noch manche Kanzeln, Altäre, Epitaphien u. dgl. finden sich in pom- 
IIICYSCTVSII Kirchen vor. die in ähnlich reicher Weise. wie die vorgenannten 
Arbeiten componirt und in der letzten Zeit des siebzehnten und im An- 
fange 1168 Rßhilßhnten Jahrhunderts ausgefüllt sind. Sie haben aber im 
Allgemeinen ein zu untergcordnetes Kunst-Interesse, als dass hier eine 
nähere Berücksichtigung ihrer Eigenthünllichlteiten nöthig wäre. Charak-
        

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