Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491490
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Kunstgeschichte. 
Pommersche 
Geschmack bekundet. Sie besteht aus einer brillanten Architektur und 
namentlich der Deckel ist in solcher Art. sehr reich geschmückt; dann hat 
sie in den Brüstungsfeldern allerlei geschnitzte Hautreliefs, die dbCT nur 
ganz spielend behandelt sind. An der Kanzel selbst findet sich die Be- 
zeichnung des Jahres 1609: auch wird erzählt, sie sei von der Gilde der 
Bernsteinarbeiter (die früher bekanntlich in Stolp sehr ansehnlich war) ge- 
stiftet und in Venedig gearbeitet werden. Die letztere Angabe dürfte in- 
dess sehr zu bezweifeln sein.  In ähnlichem Style, doch roher gearbeitet. 
ist der Altar der Kirche.  Dann sind auch verschiedene, zum Theil be- 
trächtlich grosse Epitaphicn derselben Art vorhanden. Das interessanteste 
unter diesen ist ein Epitaphium vom J. 1607, welches sich au der Ostwand 
des nördlichen Seitenschiti-"cs befindet und eine grosse Architektur mit aller- 
lei geschnitzten und gemalten Darstellungen bildet. In der Mitte, auf 
einem Sarkophage, ist die Figur des Begrabenen, eines jungen Ritters: daf- 
gestellt. Die Malereien, die zum Theil beschädigt sind, tragen ganz das 
Gepräge des, zwar nüchternen, aber auch manierlosen deutschen Styles 
jener Zeit (ähnlich etwa, wieidie Werke des schon genannten A. Mozart); 
besonders charakteristisch ist in dieser Beziehung das Hauptbild des Epi- 
taphiums, welches die Geisselung Christi vorstellt. 
Hieher gehört auch der Altar in der Schlosskirehe zu Stolp. 
Doch hat derselbe wenig künstlerisches Interesse. Er besteht aus einer 
schweren und nüchternen Barock-Architektur mit der Jahrzahl 1602. Sci- 
nen Hauptschmnck bilden zwei Gemälde. Oberwärts eine Auferstehung 
Christi, ein schlecht manieristisches Bild; unterwärts eine Darstellung des 
gckreuzigten Heilandes, zu dessen Seiten Herzog Johann Friedrich und seine 
Gemahlin Erdmuth knieen. Die beiden letzteren sind, wie dies schon oben 
bemerkt wurde, wenigstens als Portraitbilder von Bedeutung. 
Diesen Dekorationsstücken hinterpommerscher Kirchen sind mehrere 
Arbeiten, Kanzeln, Epitaphien u. dgl. verwandt, die sich in Vorpommern, 
in der Petrikirche zu Treptow a. d. T. und in der Maricnkirchß 
zu Anclam, vorfinden. Doch erscheinen die letzteren schon als die Er- 
zeugnisse einer wilden, ausschweifenden und unschönen Phantasie.  
Ein recht tüchtiges Werk dagegen ist die Kanzel in der Nikolai- 
kirche zu Greiffenhagen, die mit der Jahrzahl 1605 versehen ist. Sie 
besteht, ausnahmsweise, ganz aus Stein (Sandstein), ist einfacher gehalten, 
und ihre Hanptzierde bilden die Reliefdarstellungen biblischer Scenen, die 
an der Brüstung und an der Treppe angebracht sind. Unter diesen finden 
sich mehrfach die Motive raphaelischer Compositiouen: in der Darstellung 
des Sündenfalles, der Vertreibung aus dem Paradiese, der Opferung Isaacs, 
u. s. w. In der Behandlung spricht sich ein guter Sinn. auch ein frisches 
Naturgefühl aus. Der Gewandung fehlt es leider an plastischem Styl. Auch 
hier ist übrigens wiederum eine naturgemässe Färbung angewandt.  
Eigenthümlich brillante Kanzeln, die an künstlerischem Werth der eben- 
genannten aber wiederum nicht gleich kommen, finden sich in Stralsund. 
Die bedeutendste unter diesen ist die in der Nikolaikirche. Sie ist in 
reich barockem Style aufgebaut, ihr Deckel schvrcrtlillig emporgethürmt. 
Viele iigürliche Darstellungen sind dabei angebracht, unter denen sich be- 
sonders die an den Brüstungen der Kanzel auszeichnen. Dies sind sehr 
fein gearbeitete Alabaster-Reliefs mit Goldzierilen, deren Styl aber einen 
stark manieristischen Charakter hat.  Achnlich, ebenfalls mit Alabaster- 
Rßliefs, ist die Kanzel der J akobi kirehe.  Aehnlich auch ist die der
        

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