Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491485
Bildende Kunst. 
moderner 
Werke 
Zeit. 
Altäre, 
Kauzeln 
827 
ist," (gearbeitet von einem Mailänder, der sich schon etliche Jahre am 
Hofe zu Stettin aufgehalten,  S. 41.) 11 S. W-  S0 kindlich heiter, so 
fröhlich, so zierlich sah es im J. 1617 am Hofe zu Stettin aus. Und kaum 
waren zwanzig Jahre verflossen, so war das Haus verödet, das edle Ge- 
schlecht der Greifen zu Grabe getragen, und alles Elend des Krieges lag 
auf dem verwaiseten Lande! 
Ungefähr gleichzeitig mit dem Altar von Rügenwalde ist sodann noch 
eine Reihe andrer Gegenstände, an denen ähnlich wie an diesem Altare, 
wie am pommerschen Kunstschranke, an dem Meierhofe, an dem ebenge- 
nannten Castrum doloris, das Element einer dekorativ spielenden Kunst 
hervortritt. Dies sind verschiedene Kanzeln, Altäre und Epitaphien, zu- 
meist aus Holz gearbeitet, in architektonischen und bildnerischen Formen 
ausgeschnitzt, grösstentheils mit bunter Bemalung versehen und insgemein 
so angeordnet, dass plastische oder gemalte Werke als der eigentliche Kern 
des reich zusammengesetzten Ganzen erscheinen. Rücksichtlich des Zu- 
sammenwirkens der verschiedenen Gattungen der Kunst zum gemeinschaft- 
lichen Zwecke könnte man diese Arbeiten etwa mit den Altarschnitzwer- 
ken der früheren Zeit vergleichen; und in der That finden sich einige 
unter ihnen. die die Compositionsweise jener Schnitzaltäre wiederum auf- 
nehmen und sich somit als eine, wenn auch nur untergeordnete Fortsetzung 
jener bedeutsamen Werke ankündigen. 
Ich nenne zuerst eins der elegantesten Prachtwerke dieser Art: die 
Kanzel in der Gertrudskirche bei Rügenwalde, die, gleich dem 
vorbesprochenen Altar, aus der dortigen Schlosskirche herstammt. Sie ist 
nicht eben gross, besteht aber aus einer äusserst brillanten Barock- 
Architektur, die mit einem bunt geordneten Gewühl geschnitzter Ornamente, 
mit Schnörkeln, Ranken, Masken. Hermen, Genien und Nymphen umgeben 
ist. Alles dies ist mit fröhlichen Farben bemalt und vergoldet. Von kirch- 
lich religiösen Elementen ist hiebei natürlich nicht die Rede; aber die 
joviale Laune, die sich darin ausdrückt, ist mit Glück und, in Rücksicht 
auf die dekorativen Verhältnisse, nicht ohne feinen Geschmack ausgeführt. 
An der Brüstung der Treppe sind die Figuren der Propheten gemalt, in 
denen zwar ebenfalls nicht der tiefsinnige Ernst der früheren Zeit, wohl 
aber ebenfalls ein glücklicher Sinn für künstlerische Dekoration und für 
eine heitere Färbung ausgesprochen ist. Ich möchte diese Werke etwa den 
Bildern des Augsburger Malers Anton Mozart parallel stellen. 
In der Marienkirche zu Schlawe ist ein grosser Altar vorhanden, 
dessen reiche Zierden den der ebengenannten Kanzel ziemlich nahe 
stehen, doch in minder feinem Geschmack ausgeführt sind. Sie schliessen 
ein Gemälde, das Abendmahl vorstellend, und als Untersatzbild eine Dar- 
stellung der Fnsswaschung ein. Diese beiden Bilder sind als Nachtstücke 
gehalten und auf ganz energische Weise gemalt.  Die alte 'l'aufc, in der- 
selben Kirche, ist eine brillante kleine Holzarchitektur ähnlichen Styles, 
bestimmt, das 'l'aufbecken einznschliessen. 
Mehrere Werke solcher Art bewahrt die Marienkirche zu Stolp. 
Dahin gehört namentlich die Kanzel, die wiederum mit der von Rüge"- 
walde zu vergleichen sein dürfte, aber ebenso einen minder ausgebildeten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.