Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491458
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Kunstgeschichte. 
Pommersche 
hat seinen besonderen silbernen Rahmen. auf dem man Engel mit den 
Marter-Instrumcnten, Seraphköpfe, und in den Ecken Mcdaillons mit der 
Halbligur des leidenden Erlösers (in verschiedenen Momenten aufgefasst) 
dargestellt sieht. Um dies Mittelfeld sind zwölf kleinere Platten, jede VOIJ 
73], Zoll. Höhe und 51], Zoll Breite, welche die Passionsgeschichte Christi 
enthalten, angeordnet. Eine andere Reihenfolge silberner Reliefs ist am 
Basament der Altar-Architektur enthalten. In der Mitte, 6314 Zoll hoch 
und 71,1, Zoll breit, sieht man hier die Taufe Christi, eine Composition, die 
sich durch reiche landschaftliche Umgebung auszeichnet. Auf jeder ihrer 
Seiten sind sechs kleine Platten, 4 Zoll hoch und 2112 Zoll breit, welche 
die Bilder der Apostel enthalten, angebracht. Auch an dem Postament 
einer jeden der beiden Säulen des Altares sieht man ein kleines Relief. 
diese mit allegorischen Figuren. Endlich finden sich auf den hölzernen 
Rahmstücken zwischen den verschiedenen Silberplatten noch allerlei kleine 
silberne, zum Theil vergoldete Zierdeu, Knöpfchen, Engelsköpfchen u. dgl. m. 
 Die blosse Aufzählung dieser mannigfachen Darstellungen in Bezug auf 
ihre gegenseitige Stellung ergiebt zuvörderst freilich, dass hier von einer 
grösseren Tiefe des Gedankens, von einer innerlich belebten, organisch 
entwickelten Composition nicht die Rede ist, wie solche in den besseren 
Altarwerken des Mittelalters (ich will gar nicht einmal an den Altar von 
gribsees erinnermlstäts gtäthndgn wilgdä die] ditrgegtelltfexn (Säegenstände ge- 
ören zwar sämmt 1c in en ereic er cirist icien nsciauungen, a er 
sie sind im Ganzen, was den Gedanken anbetrifft, nur ziemlich willkührlieh 
durcheinander gewürfelt. Dasselbe zeigt sich in Rücksicht auf den künst- 
lerischen Styl dieser Darstellungen; auch in ihnen spricht sich eine ver- 
schiedenartig charakteristische, nicht übereinstimmende Auffassungsweise 
aus. Sie sind augenscheinlich nach Compositionen verschiedener Meister 
gearbeitet. Die zwölf Platten mit der Passionsgeschichte Chrisg sind nach 
den von Goltzius erfundenen und estochenen Blättern der assion (in 
denen sich dieser Meister bekanntlicä der Weise der altdeutschen Künstler 
mit Glück annähert) gefertigt; auch bei andern mögen Goltziussche Vor- 
bilder  doch solche, in denen er italienische Manieren befolgt,  vor- 
gelegenllhaben; andre aber sind ganz abweichend und das Hauptstück, die 
Anbetung der Könige, kann man nur als eine mittelmässige Composition 
modernen Styles bezeichnen. Dennoch aber tritt bei alledem ein Ele- 
ment hervor, welches dem ganzen Werke wiederum seine eigenthümliche 
künstlerische Bedeutung giebt. Ich möchte dieses Element als das deko- 
rative benennen. Die Eleganz, die Sauberkeit, die Solidität des Handwer- 
kes, das seine Formen zwar von der ausgebildeten Kunst  je nachdem 
es ihm eben passend scheint  borgt, das diese Formen an sich aber mit 
Sinn und Verständniss meisterhaft auszuführen weiss, dies ist es, was den 
Altar von Rügenwalde eigenthümlich interessant macht, und was für die 
gesammte Kunst um den Anfang des siebzehnten Jahrhunderts so mannig- 
fach charakteristisch erscheine. Die soliden Praehtstolfe des Ebenholzes 
und des Silbers; die vorzügliche Behandlung des ersteren, das noch heute 
wie neuGersglheintlj die höchlstle Fßlälhöit undlZarthgiE, sowiedder durchge- 
bildete esc mac , mit we ciem ie getrie iene r r eit an en einze nen 
Silberplatten ausgeführt ist, alles dies ist schon einer näheren Beachtung 
werth. 
Der Silberarbeiter, der die Platten des Altares, wenigstens die der 
Passion, gefertigt, hat auf den letzteren die Andeutung seines Namens hin-
        

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