Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491409
Bildende Kunst. 
Werke moderner Zeit. 
Bildniss-Sculptur. 
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beit ist von einfacher Tüchtigkeit. In den Ecken sind die Symbole der 
Evangelisten angebracht. 
Hier ist denn auch der schicklichste Platz, um eines merkwürdigen 
gleichzeitigen Grabmonumentes von Bronze zu gedenken, ebgmch dasselbg 
keine Bildnissdarstellung enthält und obgleich es sich entschieden 315 das 
Werk eines nicht-pommerschen Künstlers zu erkennen giebt. Dies ist das 
Epitaphium des Herzogs Philipp I. in der Petrikirche zu Wolgast. 
Es besteht, der Hauptsache nach, aus mehreren grösscren und kleineren 
Inscliriften, die durch eine brillante architektonische Umrahmung italieni- 
sehen Styles, mit zwei Aufsätzen und einem Untersatzstücke, eingefasst 
werden. Auf dem Giebel des obersten Aufsatzes steht, als freie Statuette, 
ein Christusknabe, auf den Ecken des unteren Aufsatzes zwei Engelsta- 
tuetten. Alle der architektonischen Umrahmung angehörigen Flächen und 
Füllstücke sind mit reichen Relief- Ornamenten versehen, mit Laubzügen, 
Genien, Satyrmasken u. dergL, die ganz in dem muthwillig genialen Style 
der Renaissance und zwar höchst trefflich ausgeführt sind; nur da, wo 
sieh menschliche Körper von grösserer Dimension zeigen, sieht man eine 
mehr handwerksmässigc Behandlung. Ausserdem sind noch, das Ornamen- 
tistische unterbrechend, die sieben pommerschen Wappenschilde angebracht, 
Die Inschrift in den Aufsätzen enthält Namen und Titel des verstorbenen 
Herzogs; die im Hauptfelde eine lateinische Elegie auf seinen Tod, in 
16 Distichen, von denen das erste lautet: 
  Et tua te lugens Pomerania moesta requirit 
Virtutis studio tuta Philippe tuae. 
Auf dem Uiitersatzbilde liest man: „Decessit Wolgasti anno a nntali Christi 
M.D.L.X. die Februarii Xllll. aetatis suae XLV. Joannes Fridericus Bogis- 
laus Ernestus Ludovicus Barnimus Casimirus fratres Pomeraniae dneee 
filii patri dilectissimo f. cß Endlich ist unterwärts noch ein Medaillen 
angebracht, das den Namen und das Wappen des Vcrfertigers enthält. Es 
hat nämlich die Umschrift: „W0lff Hilger czu Freibergk gos mich," und 
die Darstellung eines Wappens mit einem Wolfe, und ebenso einen Wolf 
auf dem mit reicher Helmzierde geschmückten WVappenhelme.  
An Grabsteinen mit den Reliefßguren der Verstorbenen, gewöhnlich 
Mann und Frau neben einander darstellend, kommt mancherlei vor. Es 
scheint, dass auch bei diesen Arbeiten noch in der Regel, bis tief in das 
siebzehnte Jahrhundert hinein, eine naturgemässe Bemalung angewandt 
worden sei. Doch sind nicht eben viele von ihnen als künstlerische Werke 
zu nennen. Die besten, die ich gesehen, sind die Folgenden.  Zwei 
gl-osee Steine in der Kirche von Grimme, in der Thurmhalle eingemauert, 
der eine von ihnen mit der dahrzahl_1603: (Die Inschriften sind im Ueb- 
l-igen nicht mehr ganz leserlich.)_ Beide sind durch, einander gleichende 
architektonische Umrahiiiungen in vortretflichem italienischem Style ein- 
gefagst; auf dem einen ist das Bild eines ritterlichen Herrn, auf dem an- 
dern das einer Dame enthalten: Die Arbeit dieser Figuren ist recht tüch- 
tig, Die Umrahmungen sind leider durch die darüber gebaute Orgel-Empore 
zum Theil beschädigt; auch sind beide Steine, gleich den Wänden der 
Kirche, weiss übertüncht.  Dann findet sich in der Schlosskirche zu 
Franzburg ein ziemlich ansehnliches Epitaphium, und zwar des "Andreas 
Bergjagen s. pommerschen Landrentmeisters auf Wolgast, zu Tßschevjtz 
erbgesessen," der zu Frauzburg im Jahre 1615 gestorben war und dem die; 
Denkmal durch seine Gemahlin „Clara Roterrnundes" gesetzt wurde. Auf
        

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