Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491391
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Kunstgeschir-Inte. 
Pommersche 
Dimension sein, wie deren ein Paar in Pommern erhalten sind. Das 
eine von diesen ist ein Steinrelief, welches sich an dem alten Flügel des 
Schlosses von Ueckermünde, über der Thür des Treppenthurmes, 
findet. Es hat die Unterschrift: „V. G. G. Philippus I zu Stettin Pomme. 
(dann der weitere Titel) MCCCCCXLVI," und stellt die Halbligilr des ge- 
nannten Herzogs, reich geharnischt, das Haupt mit einem Barette bedeckt, 
vor. Die Arbeit ist durchaus trefflich und steht in der klaren Gemessen- 
heit des Styles und der edeln Ausführung dem Vorzüglichsten dieser Gat- 
tung wenigstens sehr nahe. Leider ist -nur der Schnurrbart des Herzogs 
etwas beschädigt. Das Bild ist übrigens noch mit weiteren Zierden um- 
geben. Es wird durch eine barocke Umrahmung eingefasst, über der sich, 
in kleiner Dimension, das herzogliche Wappen befindet; zwei wilde Män- 
ner, in geschweifter Körperstellung und auf gewundenen Hörnern blasend, 
stehen zu den Seiten des Wappens; neben diesen, auf den Ecken des 
Rahmens sieht man galoppirende Pferdchen, auf denen kleine Satyrn 
reiten und auf Hörnern blasen; andre Satyrn endlich stehen zu den Seiten 
des Rahmens und stossen ebenfalls in Hörner. Alles dies, wenn auch 
phantastisch in der Composition, ist doch sehrsauber ausgeführt. 
Nicht minder trefflich, _wie das ebengenannte herzogliche Bildniss, 
sind sodann zwei grosse Portraitmedaillons, die sich in Stralsund, über 
dem Portal des obengenannten Hauses in der Battinrnacher-Strasse vom 
J. 1568, befinden. Sie stellen einen Mann und eine Frau vor, gegenein- 
ander gewandt, und jedes Brustbild von einem kreisrunden Kranze um- 
geben. Auch in ihnen tritt ganz die schöne Behandlungsweise der bekann- 
teren kleinen Portraitmedaillons der deutschen Kunst hervor. Zwischen 
beiden ist ein drittes Relief eingelassen, welches die Anbetung der Könige 
vorstellt. Der Styl dieser Arbeit gehört aber der "Weise der italienischen 
Kunst an; die Motive der Schule Raphaels erscheinen in ihr, und zwar auf 
sehr tüchtige und erfreuliche Weise, nachgebildet. Ueber dem Thorwege 
desselben Hauses sieht man sodann noch zwei Medaillons mit Köpfen; 
dies sind jedochkeine Bildnisse, auch stehen sie den ebengenannten, so- 
wohl in, der Auffassung wie in der Behandlung, bedeutend nach. Sie 
erinnern an den Styl des Goltzius. 
Hiebei sind sodann auch die Relief-Portraits, gleichfalls grosse Brust- 
bilder in Medaillonform, anzuführen, die sich an dem von Herzog Phi- 
lipp II. erbauten Nebentlügel des Stettiner Schlosses, über der oben- 
genannten Inschrift, befinden. Sie stellen Philipp II. und seinen Bruder, 
den Herzog Franz, vor, beide von vorn gesehen, geharnischt, mit blossem 
Kopfe und von einer gemeinschaftlichen barocken Umrahmung umfasst. 
Auch hier ist die Arbeit noch ganz tüchtig und namentlich das Indivi- 
duelle gut hervorgehoben; doch stehen sie, in minder gemessener Haltung 
und in geringerem Adel der Ausführung, den vorgenannten Meisterwerken 
ilach. Die Inschrift hat, wie oben bemerkt, die Jahrzahl 1619.  
Eine bronzene Grabplatte ist diesen Werken zunächst anzureihen. Sie 
befindet sich in der Marienkirche zu Anolam, und zwar auf dem 
Boden liegend, ungeschützt vor den Fusstriiten der darüber Wandelnden. 
Ihre Inschrift lautet: Reimer vom Wolde Hoptmann der Empter Klem- 
penaw u. Treptaw, gest. Anno 59. 1559. Man sieht darauf, in ganzer 
Figur und nicht sonderlich erhabenem Relief, einen ganz geharnischten 
Ritter und seine matronenmässig kostümirte Gemahlin dargestellt; die Ar-
        

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