816
Pommersche Kunstgeschichte.
WERKE
MODERNER
ZEIT.
Bildniss-Sculptur.
Im Verlauf des sechzehnten Jahrhunderts und vornehmlich von der
Mitte dieses Jahrhunderts ab, verschwinden, wie in der Architektur, so
auch in der bildenden Kunst, die mittelalterlichen Typen, und es macht
sich statt deren auch hier die Auffassungs- und die Behandlungsweise der
italienischen Kunst geltend. Doch erhält sich im Fache der Portrait-Dar-
stellungen geraume Zeit hindurch, wenn auch mehr oder weniger modifi-
cirt, die heimische Richtung der Kunst; wir finden einzelne ÄVerke dieser
Art, welche durch die Verbindung deutscher Naivetät und italienischer
Lebensfülle den erfreulichsten Eindruck hervorbringen. Vornehmlich wich-
tig sind in diesem. Bezuge die sculptirten Portraitdarstellungen, die sich
an Grabmonumenten oder an Gedächtnisssteinen andrer Art vorfinden. Da
sich bei ihnen zugleich die Zeit der Anfertigung im Allgemeinen ziemlich
sicher bestimmen lässt, so haben sie für die Betrachtung des künstleri-
schen Entwickelungsganges einen doppelten Werth.
Unter diesen Werken nenne ich zunächst eine Art Epitaphium. wel-
ches sich in der Schlosskirche zu Stettin befindet und den Herzog
Bogislav X. nebst seiner Familie darstellt. Die äussere Behandlung ist
hier noch dieselbe, wie an den obenbesproclienen Altar-Schnitzwerken.
Die Arbeit ist aus Holz geschnitzt und mit Bemalung und Vergoldung
versehen. Eine brillante Pilaster-ikrchitektur italienisch barocken Styles
bildet die Einrahmung des ganzen Werkes; oberwärts ist ein durchbro-
chener Aufsatz mitä- einem männlichen Brustbilde. Die Darstellung besteht
aus einem Crucifixe, zu dessen einer Seite Herzog Bogislav mit seinen
drei Söhnen Barnim, Georg und Casimir kniet, während sich auf der an-
dern Seite seine zweite Gemahlin Anna, Tochter des Königs Casimir von
Polen, mit ihren drei Töchtern Anna, Elisa und Sophia befindet. Die
Figuren, unter Lebensgrösse und hautreliefartig gegen den Grund lehnend,
haben nicht eben ausgezeichneten Kunstwerth _und sind in Haltung und
Geberde sehr starr; indess haben die Köpfe ein entschieden individuelles
Gepräge, und somit ist dem Ganzen, in allgemein historischer Beziehung,
ein sehr bedeutender Werth keinesweges abzusprechen. Eine grosse Unter-
schrift in lateinischen Hexametern benennt die Dargestellten und berichtet,
dass das Werk von dem, der die andern überlebt, von Herzog Barnim IX.
somit etwa gegen die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts gestif-
tet sei 1).
i) An der Faqade des jetzigen Arsen als (das ehemaligen St. Marien-Nonnen-
klosters) zuStettin flndet sich ein grnsser Gedächtnissstein mit dem Reliefbildß
Herzog Barnim's des Grossen (gest. 1368), von dem das Karthäuser Kloster vGot-
tes Gnade bei Stettin gegründet wurdu. Zufolga der auf dem Steine betlndlivhßll
Untarschrift hat Herzog Barnim IX. denselben seinem grossen Vorfahren im Jahr
1543 setzen lasst-m, und zwar ursprünglich an dessen Begräbnissstätte, i" d"
Kapelle des genannten Klosters, nachdem Baruim IX. das letztere 211 Sßiner