Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491367
Bildende Kunst. 
Mittelalter. 
Gemälde des späteren 
Mittelalters. 
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ein gutes Bild, nicht ohne feines Gefühl in den Gesichtsformen, doch halte 
ich es für eine Arbeit des jüngeren Cranach. Das Portrait Melanchthons. 
Ohne die Schlange, aber mit der Jahrzahl 1557, ist weder von dem einen, 
noch von dem andern Cranach gemalt; es ist härter in der Behandlung, 
gleichwohl nicht ganz ohne Werth.  Ein andres kleines Portrait Luthers, 
ein gutes Bild von der Hand des jüngeren Oranach, findet sich unter den 
Kunstsachen und Raritäten, die auf dem Löwenschen Saale des Rathhauses 
zu Stralsund bewahrt werden.  Was mir sonst, in pommerschen Kir- 
chen, von sogenannten Cranachschen Portraits der beiden Reformatoren 
gezeigt wurde, waren Oopien aus späterer Zeit.  
Diesen Gemälden sehliesse ich hier eine Reihe von Malereien an, die 
zwar in späterer Zeit, etwa im siebzehnten Jahrhundert, und beträchtlich 
roh ausgeführt sind, deren Erfindung aber in die in Rede stehende Periode 
gehört. Sie beünden sich an den Brüstungen der hölzernen Emporen, 
welche die Gertrudskirche bei Wolgast ausfüllen, und stellen Scenen 
des Todtentavzes, nach den bekannten Holzsehnitten von Hans Holbein, 
vor. Doch ist die Nachahmung Holbeins ziemlich frei; die einzelnen Scenen 
enthalten zumeist mehr Figuren als die Originale, zuweilen auch sind ein 
Paar Scenen zu einem einzigen Bilde zusammengesetzt. So unbehülflißh 
aber auch diese Darstellungen ausgeführt sind, so hat sich der Maler doch 
 und dies giebt ihnen einen eigenthümlichen Werth  mit Glück in den 
kühnen Humor des grossen Meisters zu finden und in Seinem Sinne Neues 
zu erfinden gewusst. Ganz launig z. B. ist der Einfall, dass auf dem Bilde, 
wo der Tod zum Arzte kommt, ein kleines Todtengerippe eifrig mit dem 
Stossen eines Mörsers zur Bereitung der Arzneien beschäftigt erscheint. 
Auf einem andern Bilde sitzen Jüngling und Jungfrau im Grase zusam- 
men; der Tod kniet scherzend vor ihnen und hält sich eine Maske vor, 
Ueber den Bildern stehen deutsche Verse, die aber keinen sonder-liehen 
Werth haben. Heller (in der Chronik von Wolgast, S. 49) benennt den 
Maler, der den Todtcntanz ausgeführt, Bentschneider; über die Zeit 
sagt er Nichts. Sollten die Ernporen einmal, was für den architektoni- 
schen Eindruck des Kirchleins höchst wünschenswerth erscheint. hinaus- 
geschaiit werden, so würde gleichwohl für die Erhaltung dieser Malereien 
Sorge zu tragen sein.   
Endlich mag hier noch eines Teppiehstückes gedacht werden, das, 
zwar verschossen und auch etwas beschädigt, doch nicht ganz ohne künst- 
lerischen WVerth ist. Es befindet sieh in der Schlosskirche zu Stolp, 
und dient zur Bekleidung der Altarbrüstung. Grosse, wohlgearbeitete 
Blumenpartieen sind darauf in gewirkter Arbeit vorgestellt und zwischen 
diesem auf einem Wappensehilde der pommersche Greif; daneben die Jahr- 
zahl1556. Der Wappenschild ist von einem Kranze umfasst, den ein 
Herr und eine Dame halten; beide sind wohlgezeichnet.
        

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