Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491310
810 
Porumersche 
K an stgeschichte. 
halte das ganze Werk wiederum für eins der merkwürdigsten in seiner 
Art und namentlich für ein charakteristisches Denkmal eben jenes Volks- 
humores (der hier freilich bedeutend edler erscheint, als bei dem vorge- 
nannten Schuitzwerk). Die Aussenseiten der Flügel sind schlecht gemalt. 
Der Hochaltar der Marienkirche zu Anclam enthält ein Schnitzvxerk 
von bedeutender Dimension, dessen Styl dem der heil. Sippschaft ver- 
wandt, der aber weder in den Köpfen der einzelnen Figuren so anziehend, 
noch in den Gewändern so edel erscheint. ln dem Mittelschrein sieht 
man eine grosse Gestalt der Madonna mit dem Kindc, zu deren Seiten 
unterwärts die Verkündigung und das Verlöbniss der Maria, oberwärts 
ihren Tod und ihre Himmelfahrt. Auf den Seitenschreinen sind Sceneu 
aus der Kindheit Jesu dargestellt; auf einem Untersatzschreine Scenen aus 
dem Leben einiger besondrer Heiligen. Das architektonische Ornament ist 
übrigens auch hier vortrefflich und ganz den Ornamenten des vorigen 
Altares ähnlich. Die Gemälde auf den Ausscnseiten sind leider ganz ver- 
dorben. Nur von dem einen ist noch der Inhalt, Christus. als Knabe im 
Tempel lehrend, zu erkennen. Hier zeigt sich die Malerei, Wenn auch in 
etwas derber Behandlung, doch so schön, würdig und charaktervoll, wie 
ich mich nicht entsinne, sie an den Flügeln eines andern der pOmmgygchpn 
Schnitzaltäre gesehen zu haben.  
Mancherlei Schnitzarbeiten, die der Mehrzahl nach ebenfalls an den 
Styl des Veit Stoss erinnern, finden sich sodann in der Marienkirche 
zu Colberg. Unter den Altarwerken dürfte hier (iasjenige als das be- 
deutendste zu bezeichnen sein, welches an einem der Pfeiler des nördlichen 
Seitenschitfes befestigt ist, und dessen Mittelschrein eine Darstellung der 
Anbetung der Könige enthält, während in den Seitenschroineu sich ein- 
zelne kleine Heiligentlguren befinden. Leider ist der Farbenüberzug dieses 
Werkes vielfach beschädigt. Auf einem Untersatzbilde sieht man die Ge- 
burt und die Taufe Christi in handwerksmässiger Weise gemalt.  lm 
südlichen Seitenschiff, zur Seite des Lettners, ist ein Altarschrein mit drei 
grösseren und acht kleineren Heiligentiguren aufgehängt, dessen Arbeit 
jedoch ziemlich starr erscheint.  Ebenfalls von handwerksmässiger Be- 
schaffenheit ist ein Altar an der Südwand der Kirche, der in der Mitte 
das Abendmahl und auf jedem Flügel vier kleinere Heiligen enthält.  
Neben diesem Altare steht die colossale Figur des heil. Jacobus major, in 
seinem bekannten Pilgercostüm, welche den alterthümlich germanischen 
Styl in ziemlich roher Behandlung zeigt.  Endlich ist noch ein Altar zu 
nennen, der sich in dem einen der nördlichen Seiteuschiife, an dem Pfeiler 
der Sakristei befindet. Nur die drei Heiligenfiguren, welche den Mittel- 
schrein ausfüllen, sind hier noch vorhanden. Die mittelste von diesen, 
die Gestalt einer weiblichen Heiligen, zeigt ebenfalls noch den germani- 
schen Styl, aber in sehr treii'lichei' Behandlung; die beiden andern rühren, 
wie es scheint, aus späterer Zeit her. Ein Untersatzbild hat sehr ver- 
staubte, scheinbar unbedeutende Gemälde. 
Die Krone aber unter den Schnitzwerken, welche die Marienkirche zu 
Colberg enthält, und wiederum ein Kunstwerk von ganz eigenthümlicher 
Art und Bedeutung ist ein grosser Kronenleuchter, der im Mittelschitie 
hängt und der im J. 1523 von der Familie der Schlieffen geschenkt ward, 
wie dies die an ihm vorhandene Umschrift besagt: „Disse Krone ewych 
to holden hebben koft by Marien Kerken de Sleve unde nyghe laten ma- 
ken Anno MCCCCCXXIII." Das ganze Werk besteht aus einer reichen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.