Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491284
Bilde: 
Kunst. 
Mittelalter, 
Schnitzwerke. 
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des Täufers Johannes. Auf jedem Seitenschreine sind zwölf Hniligenngnt-ntt 
enthalten. Die Arbeit ist, Ohne sich gerade in das höhere Gebiet der Knnst 
zu erheben, doch in einer handwerklich tüchtigen Weise ausgeführt; sie 
hat noch viel von den Motiven des germanischen Styles, etwa in der Weise 
der Bronzegiesser aus der späteren Zeit des funfzehnten Jahrhnndertn 
Manches in der Anordnung der Figuren erinnert direkt an Darstellungen 
des Bronzegusses jener Zeit; ja, die Figur des Evangelisten Johannes, in 
der Reihenfolge der Heiligen, ist in Geberde und Gewandung sogar- dem 
Johannes des Peter Vischer am Sebaldusgrabe zu Nürnberg entschieden 
ähnlich. (Daraus folgt aber nicht, dass er eine Nachahmung dieser Figur, 
und dass das ganze Werk mithin jünger sei; im Gegentheil ist mit Be- 
stimmtheit anzunehmen, dass Peter Vischer in seinen berühmten Apostel- 
iiguren ältere Vorbilder, wie sie sich so häufig in deutschen Kirchen linden, 
vor Augen gehabt und, indem er sie zwar vollendeter hinstellte, doch zu- 
gleich durch die Beibehaltung älterer Motive gerade eine der Hauptschön- 
heiten seines Werkes erreichte. S0 dürfte auch die Johannestigur des in 
Rede stehenden Altares nach einem anderweitig vorhandenen Vorbilde ge- 
fertigt worden sein.) Die Verhältnisse der Figuren sind kurz, die Gewan- 
dungen. wie sich dies bereits aus dem Vor-stehenden ergiebt, zuweilen auf 
würdige Weise angeordnet. Die Gesichter sind meist etwas breit, doch 
nicht ohne liebenswürdigen Sinn gebildet; ihre" Bemalung ist durchweg 
sehr zart gehalten. Der Kopf der Madonna namentlich ist von grosser An- 
muth.  Die Aussenflächen der Seitenschreine und die inneren Seiten einen 
zweiten Flügelliaares sind mit Gemälden versehen, welche, in vielen Fel- 
dern, theils die Geschichte der Maria, theils die Passionsgeschiclite Christi 
enthalten. Die Behandlung ist ziemlich roh, im Charakter der Holzsnhnjtte 
vom Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. Auf den Aussenseiten des zwei- 
ten Flügelpaares sieht man grosse gemalte Darstellungen: zur Linken den 
Erlöser, nackt, mit einem Schurze bekleidet, im Begriffe sich der Taufe 
hinzugeben; hinter ihm einen Engel, der sein Gewand trägt. Zur Rechten 
den Täufer Johannes in der Geberde des Taufens, und hinter ihm einen 
längel mit einem Salbeiigefäss. Es geht durch diese, zum Theil auch durch 
die andern Malereien, noch ein gewisser Zug des germanischen Styles; die 
grösseren Figuren zeichnen sich, fast an die Kölner lllalerscliule erinnernd 
durch einen weichen Ausdruck der Gesichter aus; im Uebrigen sind aber; 
auch sie nur mittelmässig ausgeführt.  Ueher dem Altarwerke enaijnh 
erhebt sich ein Cruciiix, zu dessen Seiten Maria und Johannes ntnheln Die 
Figuren sind lebensgrossx Die Arbeit ist jedoch jünger als die des Altares, 
sie gehört bereits entschieden dem sechzehnten Jahrhundert an und erin- 
nert, in leidlich tüchtiger Ausführung, an die YVei-ke des nürnbergisehen 
Bildschiiitzers Veit Stuss, auf die weiter unten noch mehr hingedeutet wer- 
den wird. 
In Styl und Kunstwcrth dem ebengenannten Altar-werke verwandt, er- 
scheint sodann die Gruppe der heiligen Anna und Maria mit dem Christ- 
kinde. die sich in der katholischen Kirche zu Bütow vor-findet.  
Wiederum besondre Eigentliüniliclikeiten zeigt ferner das Schnitzwerk 
über dem alten Hoclialtare der Marienliirche zu Cöslin. Der Mittelschrein 
wird durch fünf lebensgrosse _S_tatl1ß{1, eine Madonna mit" dem Kinde, die 
beiden Johannes und zwei heilige Bischöfe ausgefüllt. In jedem der beiden 
Seitenschreine sind acht kleinere Figuren männlicher Heiligen, in einem 
Untersatzsclireine die Halbtiguren weiblicher Heiligen (in deren Mitte noch
        

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