Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491260
Bildende 
Kunst. 
Mittelalter. 
Schnitzwerke. 
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neben dem Uhrkreise sieht man hicr vier grosse Figuren mit vergoldeten 
Gewändern gemalt; sie sind holzsczhnittartig behandelt und yignejcht mit 
den ebengenannten Gemälden gleichzeitig. 
Jünger wiederum als der Hochaltar und etwa dem Anfanqe des 56cm 
zehnten Jahrhunderts angehürig, sind die drei letzten Altäre der Nikolai- 
kirche, Der eine von diesen befindet sich in einer Kapelle auf der Süd- 
seite (in der des Rathsstuhles). Der Mittelschrein enthält hier eine Dar- 
stellung der Abnahme vom Kreuz, in einer nicht überladenen Composition 
etwas handwerksmässig gearbeitet, zugleich aber mit Sinn für Würde und 
mit vortrefflich feinem Gefühl, wo es sich um die Stille des Ausdrucks 
handelt. Auf jedem Seitenschreine sind zwei legendarische Scenen: St. 
Georg und das Marterthum der heil. Katharina; S. Martinus und das Mar- 
tyrium einer zweiten weiblichen Heiligen. Auf den Rücktlächen der Seiten- 
schreine und auf einem zweiten Flügelpaare sind Scenen aus der Geschichte 
der Maria gemalt. Diese Malereien sind in einer leidlich naiven Weise 
ausgeführt, doch ist in ihnen das handwerksmässige Element empfindlicher 
als in den Schnitzwerken; in manchen Beziehungen könnte man sie wie- 
derum, was die Auffassungsweise anbetrifft, den Werken des Jarenus ver- 
gleichen, doch sind sie minder geistreich. 
Ein Altarschrein, der sich an einem der südlichen Pfeiler des Schiffes 
befindet, enthält in der Mitte die Kreuzigung Christi, auf den Seitenschrci- 
nen vier vorangehende Momente der Passion. Die Behandlung ist hier 
noch mehr handwerksmässig als an dem vorgenannten Werke; doch macht 
sich auch hier die Naivetät der Auffassung auf nicht unerfreuliche Weise 
bemerklich. 
Endlich ist noch ein Schrein an dem südlichen Thurmpfeiler vorhan- 
den. Dieser enthält die Figur des Täufers Johannes mit zwei andern Hei- 
ligen zu seinen Seiten. Die Gewandung ist schwerfällig und dickwulstig 
gebildet. Seitenschreine sind nicht vorhanden, vielmehr sind die Flügel 
aussen und innen mit Gemälden geschmückt; doch haben diese bereits 
mannigfach gelitten. Auf den inneren Seiten der Flügel sind Scenen aus 
der Geschichte des 'l'äufers enthalten, unter denen die Darstellung der Ta- 
fel des Herodes, auf die das Haupt des Johannes aufgetragen wird, mit 
ihren Spielleuten und Schenken nicht ohne Humor behandelt ist. Es ist 
darin etwas von der genre-artigen Auifassungsweise des Lukas Cranach, 
ohne dass jedoch die eigene Leichtigkeit in den Werken dieses Meisters 
erreicht wäre; manches Einzelne, besonders in den Gesichtsbildungen, hat 
indess auch hier wieder Verwandtschaft mit der westphälischen Schule. 
Charakteristisch für den Styl der Bildnerei um den Schluss des funf- 
zehnten Jahrhunderts und wiederum eine eigeuthümliche Richtung dersel- 
ben bezeichnend, ist ein Altarschrein, der sich in der Marienkirche zu 
Greifswald, gegenwärtig im nördlichen Seitenschiff der Kirche, belindet. 
Er enthält eine Darstellung der Grablegung Christi. Die, ziemlich figuren- 
reiche Composition und der Styl des Werkes erinnern an den kräftigen und 
ernsten Styl des nürnbergischen Bildhauers Adam Kraft, doch ist. hier das 
Scharfe des Faltenhruches, was bei letzterem vorznherrschen ptlegt, auf er-
        

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