Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491244
Km 
Bildende 
M i ttelalter. 
Scbuitzwerke. 
803 
Nikolaus, vorzustellen. Ihre Gewandung ist in tretflicher Weise, dem 
Style des vierzehnten Jahrhunderts gemäss, ausgeführt, und ich glaube 
auch, dass sie dieser Zeit noch angehören. Die Tabernakel sind mit durch- 
brßehenen Thülnle": i" reicher, aber sehr edler und klarer Ausbildung des 
täethisehen Arehitekturstyles, gekrönt. Der mittlere von diesen Thürmen 
hat eine bedeutende Höhe; an ihm ist ein altes Cruciiix eingefügt, das 
aber zu der Architektur des Thurmes nicht passt und eine spätere Hinzu- 
fügung Zu Sein Sßheilli, Obgleich es an sich den Anschein eines grösseren 
Alters hat. l)as eigentliche Altarwerk, über dem diese Figuren und Ta- 
bernakel angebracht sind, gehört einer etwas späteren Zeit an; ich komme 
weiter unten auf dasselbe zurück. 
Gleichfalls, wie es scheint, noch dem vierzehnten Jahrhundert (oder 
elwa den ersten Jahren des folgenden) anäßhörig. ist ein Altarschrein, der 
im Umgange des Cliores steht. Er enthälteine Madonna mit dem Kinde, 
zu deren Seiten vier Engel befindlich waren; von den lgtzteren fehlen 
gegenwärtig zwei, ebenso die Figuren der Seitenschreine. Die ganze Ge- 
stalt der Madonna ist Sehr edel gebildet; ihr Gewand hat eine weisse 
Färbung, mit goldnen Säumcn. Ueber den Figuren sind sehr schöne go- 
thische Baldachine angebracht. 
An einem Pfeiler des Chores, auf der Nordseite, findet sich ein Altar, 
der aus einem einfachen, aber vortrcillich gearbeiteten Tabernakel besteht. 
Darin ist die einzelne Statue eines männlichen Heiligen, der einfach, im 
germanischen Style, aber nicht ohne lebendigen Sinn, gearbeitet ist. Ge- 
malte Doppeltlügel dienen, das 'l'abernal_iel zu umschliessen. (Ein Stück 
von ihnen fehlt.) Innen ist auf diesen die Geschichte desselben Heiligen, 
in ziemlich handwerksmässiger Weise dargestellt; aussen die Gestalten an- 
derer Heiligen, in denen wenigstens der Ausdruck eines anziehend milden 
Gefühles anklingt. 
Zur Seite des Hochaltares, ebenfalls auf der Nordseite, findet sich ein 
kleiner Altarschrein, der in der Mitte zwei gesonderte Darstellungen ent- 
hält. Oberwärts Gottvater mit dem Christusleichnam auf dem Schoosse, 
unterwärts Maria mit dem Kinde. Auf den Seitenschreinen nraren zwölf 
einzelne Figuren, von denen aber nur noch eine vorhanden ist. Die Arbeit 
ist alterthümlich und etwas roh, die Madonna jedoch nicht ohne Anmuth. 
Ein Untersatzbild ist mit, ebenfalls ziemlich roher Malerei versehen, 
Ein Altarschrein. der sich am nördlichen Thurmpfeiler der Kirche be- 
findet, enthält in der Mitte ein Cruciüx und Heilige neben demselben, auf 
jedem der Seitenschreine die Gestalten von vier sitzenden Heiligen. Auch 
diese Arbeiten sind noch im germanischen Style behandelt und nicht ohne 
Würde. Auf den Rücktlächen der Seitensehreine sieht man Gemälde aus 
der Geschichte Christi, die wiederum den Ucbergang aus dem germanischen 
Style in den späteren, somit etwa die Zeit um die Mitte dcsfunfzehnten 
Jahrhunderts andeuten. Dies sind die ersten Malereien, die einen gewissen 
künstlerischen Werth haben; ich möchte sie etwa dem älteren Holbein ver- 
glgjchen, nur erscheinen sie noch alterthümlicher, auch ist das Nackte hier 
ebenfalls noch ziemlich roh behandelt. Vortreillich sind namentlich die 
Gewandungen angelegt. In der Darstellung der Bergpredigt sind die Grup- 
pen der Zuhörenden wohl geordnet. In einer Darstellung, wo Christus 
dem Volke, das ihn steinigen will, entschwindet, ist seine Gestalt ganz 
golden gehalten, mit schraffirten Schatten; doch ist gerade diese Figur in 
cjgcnthümlißllcf Grossartigkeit gezeichnet. hin zweites laar Flügel ist mit
        

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