Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491237
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Pommersr-ho Kunstgeschichte. 
Gestalten von vier Heiligen, unterwärts Scenen aus der Legende des heil. 
Eligius, des Schutzpatrones der Schmiede, enthält. (Der Altar ist von 
dem Schmiedegewerk gestiftet, das ihn auch noch unter Verschluss hält.) 
Sculptur und Malerei deuten hier auf die Mitte des funfzehnten Jahrhun- 
derts, auf den Uebergang in den Styl der späteren Zeit.  
Der grosse Hochaltar in der Petrikirche zu Treptow a. d. T. hat 
wiederum den Styl des vierzehnten Jahrhunderts, doch erscheint hier die 
Arbeit ziemlich roh, und es treten an ihr nur die in allgemeiner Beziehung 
bedeutsameren Motive dieses Styles hervor. Der Mittelschrein ist beträcht- 
lich breit. In seiner Mitte sieht man oberwärts Christus und Maria in der 
Herrlichkeit, beide mi.t colossalen Kronen geschmückt; unterwärts Christus 
als Weltenrichter, Maria und Johannes zu seinen Seiten. Daneben sind 
auf jeder Seite acht Heiligenfiguren, in besonderen Tabernakeln stehend, 
angebracht. Ein jeder der Seitenschreine enthält zwölf ähnliche Heiligen- 
tiguren. Auf den Rücktlächen der Seitenschreine und auf den Flächen 
eines zweiten Flügelpaares sieht man sehr rohe Gemälde, Seenen des alten 
und des neuen Testamentes darstellend, deren Styl etwa auf die Mitte des 
funfzehnten Jahrhunderts deutet. (Auf der Darstellung der Kreuzigung 
findet sich hier ein biblischer Spruch und die Jahrzahl 1567; beides aber 
erkennt man auf den ersten Blick als durch spätere Uebermalung zu- 
gefügt.)  
In der Sehlosskirche zu Frauzburg, und zwar in dem Winkel einer 
der Emporen, ist eine treiiliche Madonnenfigur aufbehalten, deren sehr 
ausgezeichnete Arbeit wiederum ein gewisses, näheres Verhältniss zu dem 
Altar von Tribsees zu verrathen scheint. 
Drei, gleichfalls vortreffliche Holzstatuen finden sich an der Marien- 
kirche zu Stralsund, an der kleinen Kapelle, welche auf deren Nord- 
seite vortritt, in gesonderten Nischen über und zu den Seiten des Portales. 
Sie stellen eine Madonna mit dem Kinde und die beiden Heiligen Petrus 
und Paulus vor. Auch sie tragen das Gepräge des germanischen Styles; 
die Gewandung ist im schönsten, weichsten Flusse der Linien geführt, 
doch in einer gewissen freieren Weise, welche mich hier auf eine spätere 
Zeit des funfzehnten Jahrhunderts schliessen lässt. Zugleich haben die 
Figuren ein etwas kurzes Körper-Verhältniss. Gegenwärtig sind sie mit 
grauer Farbe überstrichen. 
Den grössten Reichthum mittelalterlicher Sehnitzwerke findet man in 
der Nikolaikirche zu Stralsund. Unter diesen nenne ich zuerst die 
Colossalstatue eines Crucifixes, in der jetzigen Taufkapelle befindlich, die 
mit einer gewissen Grossartigkeit, aber nicht mit feinerem Gefühle ausge- 
führt ist.  Bedeutender ist die Colossalstatne eines Eccehomo, die im 
Chor-Umgange, an einem der Pfeiler des Chores, steht; sie hebt die 
rechte Hand empor. Eine grossartige Anlage vereinigt sich hier mit dem 
Ausdrucke eines edeln, stillen, zurückgehaltenen Gefnhles. Der Styl der 
Arbeit ist noch der des vierzehnten Jahrhunderts. 
Bedeutend sind ferner die Gestalten dreier sitzenden Heiligen in Ta- 
bernakeln, die den Aufsatz des grossen Schreines über dem Hochaltar bil- 
den. Der in der Mitte scheint den Schutzpatron der Kirche. den llßil.
        

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