Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491135
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Kunstgeschichte. 
Pommersche 
kirche des benachbarten Treptow a. d. R. einen Rest entdeckt. Der 
grosse Schwibbogen nämlich, der den Chor vom Schiff der Kirche sondert, 
ist (wie dies bereits oben bemerkt wurde) mit Rankengewinden und ein- 
zelnen menschlichen Gestalten bemalt. Die Ausführung ist hier ähnlich 
einfach wie bei den vorgenannten Werken, der Styl der Zeichnung verräth 
einen tüchtigen Sinn für das dekorative Element  
Schnitzwerke 
Holz. 
Eine eigentliche und sehr bedeutsame Blüthe der bildenden Kunst des 
Mittelalters zeigt sich in Pommern an den Schnitzwerken in Holz. Aus 
diesem Material besteht die bei weitem grösste Mehrzahl derjenigen Werke. 
welche zum Schmucke der Kirchen, besonders zum Schmuck ihrer Altäre 
angewandt sind. An und mit ihnen, namentlich an den Altarwerken, ent- 
faltet sich eine eigene kleine Kunstwelt, welche die Leistungen sämmt- 
licher Künste in ihren Bereich zieht und durch sie ein reiches Ganze von 
harmonischer Zusammenwirkung der Theile hervorbringt. Die Altar-werke 
bestehen durchweg aus Schreincn, die mit mehr oder weniger erhabenen. 
zum Theil freistehenden figürlichen Darstellungen ausgefüllt sind; reiche, 
heitere Architekturen fassen diese Darstellungen ein und bilden ihre Be- 
krönllllg. Seitenschreine von ähnlicher Beschaffenheit bilden in der Regel 
die Flügel des Hauptschreines; wenn sie geschlossen sind, so sieht man 
auf ihren Rückseiten Gemälde, denen sich häufig auch noch ein zweites, 
auf beiden Seiten wiederum bemaltes Flügelpaar anreiht. Die bunten Far- 
ben dieser Gemälde bedingen es aber, dass auch das Uebrige in bunter 
Farbe erscheint. Die figürlichen Schnitzwerke haben somit nirgend die 
Naturfarbe des Holzes oder eine anderweitig beliebige eintönige Bemalung; 
vielmehr ist letztere, _je nach dem Charakter der einzelnen Gegenstände, 
stets in einer Weise ausgeführt, dass durch sie die Naturfarbe des Darzu- 
stellenden mehr" oder weniger bestimmt angedeutet wird.  
Es vereinen sich also an diesen Schnitzwerken die Bedingnisse der 
Sculptur und der Malerei, eine Verbindung, welche die hergebrachten 
ästhetischen Regeln der neueren Zeit als unzulässig und als unschön dar- 
zustellen beliebeni Aber es hat eine solche Behandlungsweise wohl ihre 
Rechtfertigung in sich. Einmal ist die Forderung, dass die Sculptur durch- 
aus und unter allen Umständen der in verschiedenen Tönen gehaltenen 
Färbung entbehren solle, eben nirgcnd als nur in neueren Sculpttmverken 
und in den Lehren der neueren Aesthetik zu finden; bei den Meistern der- 
l) Im Jahrgang VII, Heft 2 der Baltischen Studien (der später erschien als 
meine Pommersche Kunstgeschichte im Jahrg. VIII.), S. 101 ff. hat G, 0, F, 
Lisch die Kirche zu Verchen bei Demmin, die von mir nicht besucht war, 
besprochen. Er bemerkt, dass an den Wänden des Schiffes dieser kleinen Kirche 
ansehnliche Reste verwitterter Wandmalereien betindlich sind, dass sie einen 
Altarschreiu mit Schnitzwerk und Gemälden besitzt, besonders aber durch die in 
drei Fenstern erhaltenen Glasmalereien ausgezeichnet ist. Glasmalereieu 
hatte ich anderweit in Pommern nicht gefunden.
        

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